Oli1970, 1/13, 25. Nov '23
Dawid Markelowitsch Janowski ist heute eher zu den vergessenen Größen
des historischen Schachs zu zählen. Der polnische Schachspieler galt zu
Beginn des 20. Jahrhunderts als einer der besten Angriffsspieler, seine
historische Wertungszahl wird mit 2776 ELO angegeben. Er hinterließ
schöne Angriffspartien mit brillanten Kombinationen, erlitt durch seinen
Stil aber auch vernichtende Niederlagen. In der Datenbank von
chessgames.com sind derzeit 391 Gewinn- und 291 Verlustpartien verzeichnet
- aber nur 177 Remis! Er spielte bedingungslos auf Gewinn, nicht nur beim
Schach, auch beim Bridge und Roulette.
Janowski zeigte sich als schlechter Verlierer, der am guten Spiel seiner
Gegner kein gutes Haar ließ oder Gründe fand, warum er trotz einer
Niederlage eigentlich als ohnehin besserer Spieler hätte gewinnen
müssen. Wie bei manch anderer Schachgröße muss man den Charakter des
Spielers nicht lieben, um sein Spiel bewundern zu können. Für die
nachfolgende Partie erhielt Janowski einen Schönheitspreis. Bei dem
Turnier wurde er Zweiter hinter einem überragenden Capablanca.
Drittplatzierter war Oscar Chajes, der Gegner in dieser Partie.
[Event "New York Rice f"]
[Site "New York, NY USA"]
[Date "1916.??.??"]
[Round "1"]
[White "Janowski, Dawid"]
[Black "Chajes, Oscar"]
[Result "1-0"]
[ECO "D52"]
[Annotator "Oli1970"]
[Comment "Dawid Janowski - glänzende Kombination"]
1.d4 Nf6 2.Nf3 d5 3.c4 e6 {Abgelehntes Damengambit.} 4.Bg5 Be7 5.e3 Nbd7
6.Nc3 c6 7.Bd3 dxc4 8.Bxc4 b5 9.Bd3 a6 10.O-O c5 11.Rc1 Bb7 12.Qe2 O-O 13.
Rfd1 Qb6 {Kein echter Fehler, aber nicht optimal gespielt.}
( {Chajes versäumt eine Linienöffnung und -besetzung.} 13...cxd4 14.
exd4 {oder auch Sxd4} 14...Rc8 )
14.Ne5 {Der Springer ist stark positioniert. Es droht 15. Sxd7 Sxd7 16.
Lxe7.} 14...Rfe8 15.dxc5 Nxc5
( 15...Qxc5 16.Nxd7 Qxg5 {Die Variante hätte Janowski das
Läuferpärchen genommen. Janowski verstand in vielen seiner Partien,
die Läufer vorteilhaft einzusetzen.} )
( 15...Bxc5 $4 {geht nicht, da dann } 16.Nxd7 Nxd7 17.Bxh7+ Kxh7 18.
Qh5+ {die Partie entscheidet.} 18...Kg8 19.Rxd7 {Es droht Dxf7 sowie
ein weiteres Läuferopfer mit Lf6.} )
16.Bxf6 {Der Verteidiger wird entfernt, Janowski hat jedoch nicht direktes
d7 im Sinn.} 16...Bxf6 17.Bxh7+ $1 {Das bekannte Läuferopfer. Vorteilhaft
öffnet Janowski damit die d-Linie!} 17...Kxh7 18.Qh5+ Kg8 19.Qxf7+ $1 Kh7
$4
( 19...Kh8 20.b4 {Die Königsstellung ist zwar angeknackst, Weiß muss
sich jedoch anderen Dingen widmen, da der Angriff dort nicht weiter
geht. Dh5+ Kg8 und zurück Df7+ Kf8 ist zunächst nicht mehr als
Dauerschach. Nach b2-b4 wird es brisant für Schwarz. Der Springer ist
akut bedroht, Schwarz muss also geeignete Kompensation suchen.}
( {Die nachfolgende Variante ist lehrreich in Unterscheidung zur
Spielfortsetzung.} 20.Nd7 {analog zur Partiefortsetzung führt
hier zu einer ausgeglichenen Stellung.} 20...Nxd7 21.Rxd7 $10 {Der
leichte positionelle Vorteil, den Weiß hier hat, wird durch die
Materialverteilung aufgewogen. Die nächsten Züge zeigen die
Bedeutung des Königsfeldes für die Zugfolge.} 21...Bc6 {Was sich
in der Partiefortsetzung als Fehler erweisen wird, funktioniert
hier bestens!} 22.Ne4 $4 Bxe4 23.Qh5+ Bh7 )
20...Bxe5 21.Qh5+ {Bbxc5 wäre schwächer, da die Dame dann mehr
Bewegungsraum erhielte.} 21...Kg8 22.Qxe5 )
20.Nd7 $1 {mit der doppelten Drohung Sxb6 und Sxf6.} 20...Nxd7 21.Rxd7 $18
{Lehrreich ist hier der einzige kleine Unterschied zur oben angegebenen
Variante - die Position des schwarzen Königs, durch die Bg7 gefesselt
wird!} 21...Bc6 $4 {Ein grober, nicht gerade offensichtlicher, Fehler.
Tatsächlich sieht eine Engine schon einen Mattweg.}
( 21...Rf8 22.Qh5+ $4 {Nun mit Vorteil für Schwarz, da die Dame nicht
zurück auf f7 kann.} 22...Kg8 23.Rcd1 Rad8 {Schwarz steht fest, das
Feld d8 ist dreimal gedeckt.} )
22.Ne4 $3 {Janowski sah ihn offenbar auch und startet eine glänzende
Kombination. Der Springer steht zwar ungedeckt, ist aber einfach nicht zu
schlagen!} 22...Bxb2
( 22...Bxe4 {der längste Weg.} 23.Qxf6 {Die Dame kann nicht
geschlagen werden, da der Bauer gefesselt ist. Es droht Dxg7#, nach
Tg8 folgt Dh4+ nebst Dxe4.} )
( 22...Rf8 {führt ganz schnell ins Matt durch} 23.Nxf6+ {nebst Dxg7#.
} )
( 22...Bxd7 {ist ebenso schnell.} 23.Nxf6+ {nebst Dh5#.} )
23.Ng5+ Kh6 24.g4 $1 {Der Springer wird nicht gedeckt, es droht Dh5#!}
24...g6
( 24...Kxg5 25.Qh5+ Kf6 26.Rf7# )
25.h4 Rh8 26.Qh7+ $1 {Ein sehr schöner Schluss!}
( 26.Qh7+ Rxh7 27.Rxh7# )
1-0
des historischen Schachs zu zählen. Der polnische Schachspieler galt zu
Beginn des 20. Jahrhunderts als einer der besten Angriffsspieler, seine
historische Wertungszahl wird mit 2776 ELO angegeben. Er hinterließ
schöne Angriffspartien mit brillanten Kombinationen, erlitt durch seinen
Stil aber auch vernichtende Niederlagen. In der Datenbank von
chessgames.com sind derzeit 391 Gewinn- und 291 Verlustpartien verzeichnet
- aber nur 177 Remis! Er spielte bedingungslos auf Gewinn, nicht nur beim
Schach, auch beim Bridge und Roulette.
Janowski zeigte sich als schlechter Verlierer, der am guten Spiel seiner
Gegner kein gutes Haar ließ oder Gründe fand, warum er trotz einer
Niederlage eigentlich als ohnehin besserer Spieler hätte gewinnen
müssen. Wie bei manch anderer Schachgröße muss man den Charakter des
Spielers nicht lieben, um sein Spiel bewundern zu können. Für die
nachfolgende Partie erhielt Janowski einen Schönheitspreis. Bei dem
Turnier wurde er Zweiter hinter einem überragenden Capablanca.
Drittplatzierter war Oscar Chajes, der Gegner in dieser Partie.
[Site "New York, NY USA"]
[Date "1916.??.??"]
[Round "1"]
[White "Janowski, Dawid"]
[Black "Chajes, Oscar"]
[Result "1-0"]
[ECO "D52"]
[Annotator "Oli1970"]
[Comment "Dawid Janowski - glänzende Kombination"]
1.d4 Nf6 2.Nf3 d5 3.c4 e6 {Abgelehntes Damengambit.} 4.Bg5 Be7 5.e3 Nbd7
6.Nc3 c6 7.Bd3 dxc4 8.Bxc4 b5 9.Bd3 a6 10.O-O c5 11.Rc1 Bb7 12.Qe2 O-O 13.
Rfd1 Qb6 {Kein echter Fehler, aber nicht optimal gespielt.}
( {Chajes versäumt eine Linienöffnung und -besetzung.} 13...cxd4 14.
exd4 {oder auch Sxd4} 14...Rc8 )
14.Ne5 {Der Springer ist stark positioniert. Es droht 15. Sxd7 Sxd7 16.
Lxe7.} 14...Rfe8 15.dxc5 Nxc5
( 15...Qxc5 16.Nxd7 Qxg5 {Die Variante hätte Janowski das
Läuferpärchen genommen. Janowski verstand in vielen seiner Partien,
die Läufer vorteilhaft einzusetzen.} )
( 15...Bxc5 $4 {geht nicht, da dann } 16.Nxd7 Nxd7 17.Bxh7+ Kxh7 18.
Qh5+ {die Partie entscheidet.} 18...Kg8 19.Rxd7 {Es droht Dxf7 sowie
ein weiteres Läuferopfer mit Lf6.} )
16.Bxf6 {Der Verteidiger wird entfernt, Janowski hat jedoch nicht direktes
d7 im Sinn.} 16...Bxf6 17.Bxh7+ $1 {Das bekannte Läuferopfer. Vorteilhaft
öffnet Janowski damit die d-Linie!} 17...Kxh7 18.Qh5+ Kg8 19.Qxf7+ $1 Kh7
$4
( 19...Kh8 20.b4 {Die Königsstellung ist zwar angeknackst, Weiß muss
sich jedoch anderen Dingen widmen, da der Angriff dort nicht weiter
geht. Dh5+ Kg8 und zurück Df7+ Kf8 ist zunächst nicht mehr als
Dauerschach. Nach b2-b4 wird es brisant für Schwarz. Der Springer ist
akut bedroht, Schwarz muss also geeignete Kompensation suchen.}
( {Die nachfolgende Variante ist lehrreich in Unterscheidung zur
Spielfortsetzung.} 20.Nd7 {analog zur Partiefortsetzung führt
hier zu einer ausgeglichenen Stellung.} 20...Nxd7 21.Rxd7 $10 {Der
leichte positionelle Vorteil, den Weiß hier hat, wird durch die
Materialverteilung aufgewogen. Die nächsten Züge zeigen die
Bedeutung des Königsfeldes für die Zugfolge.} 21...Bc6 {Was sich
in der Partiefortsetzung als Fehler erweisen wird, funktioniert
hier bestens!} 22.Ne4 $4 Bxe4 23.Qh5+ Bh7 )
20...Bxe5 21.Qh5+ {Bbxc5 wäre schwächer, da die Dame dann mehr
Bewegungsraum erhielte.} 21...Kg8 22.Qxe5 )
20.Nd7 $1 {mit der doppelten Drohung Sxb6 und Sxf6.} 20...Nxd7 21.Rxd7 $18
{Lehrreich ist hier der einzige kleine Unterschied zur oben angegebenen
Variante - die Position des schwarzen Königs, durch die Bg7 gefesselt
wird!} 21...Bc6 $4 {Ein grober, nicht gerade offensichtlicher, Fehler.
Tatsächlich sieht eine Engine schon einen Mattweg.}
( 21...Rf8 22.Qh5+ $4 {Nun mit Vorteil für Schwarz, da die Dame nicht
zurück auf f7 kann.} 22...Kg8 23.Rcd1 Rad8 {Schwarz steht fest, das
Feld d8 ist dreimal gedeckt.} )
22.Ne4 $3 {Janowski sah ihn offenbar auch und startet eine glänzende
Kombination. Der Springer steht zwar ungedeckt, ist aber einfach nicht zu
schlagen!} 22...Bxb2
( 22...Bxe4 {der längste Weg.} 23.Qxf6 {Die Dame kann nicht
geschlagen werden, da der Bauer gefesselt ist. Es droht Dxg7#, nach
Tg8 folgt Dh4+ nebst Dxe4.} )
( 22...Rf8 {führt ganz schnell ins Matt durch} 23.Nxf6+ {nebst Dxg7#.
} )
( 22...Bxd7 {ist ebenso schnell.} 23.Nxf6+ {nebst Dh5#.} )
23.Ng5+ Kh6 24.g4 $1 {Der Springer wird nicht gedeckt, es droht Dh5#!}
24...g6
( 24...Kxg5 25.Qh5+ Kf6 26.Rf7# )
25.h4 Rh8 26.Qh7+ $1 {Ein sehr schöner Schluss!}
( 26.Qh7+ Rxh7 27.Rxh7# )
1-0