Vabanque, 1/14, 19. Jan '24
Die manchmal als 'Mittelgambit' (obwohl es sich dabei überhaupt nicht um ein Gambit handelt, es wird ja nichts geopfert) bezeichnete Eröffnung 1. e5 e5 2. d4 exd4 3. Dxd4 genießt wegen des frühen Spiels mit der Dame keinen besonders guten Ruf. (Man könnte aber einwenden, dass Weiß quasi Skandinavisch 1. e4 d5 2. exd5 Dxd5 mit vertauschten Farben, also mit einem Mehrtempo spielt.)
Wie gefährlich diese Eröffnung allerdings bei richtiger Behandlung für Schwarz dennoch sein kann (und das auch noch gegen einen erstklassigen Gegner!), zeigt die folgende Kurzpartie, die 1896 von dem Polen Szymon Winawer (1838-1919) gegen den damals kürzlich erst von Lasker 'entthronten' Weltmeister Wilhelm Steinitz in brillanter Weise gewonnen wurde.
[Event "Nuremberg"]
[Site "Nuremberg GER"]
[Date "1896.08.01"]
[Round "12"]
[White "Simon Winawer"]
[Black "Wilhelm Steinitz"]
[Result "1-0"]
[WhiteElo "?"]
[BlackElo "?"]
[ECO "C22"]
1. e4 e5 2. d4 exd4 3. Qxd4 Nc6 4. Qe3 Nf6 5.
Nc3 Bb4 6. Bd2 O-O 7. O-O-O Re8 8. Bc4 $5 {Weiß opfert seinen e-Bauern, weil
dazu Schwarz den schwarzfeldrigen Läufer abtauschen muss, während sein weißer
Antipode in eine beherrschende Stellung auf c3 gelangt. Damit wird die Eröffnung nachträglich doch noch zu einem Gambit.} 8... Bxc3 $6 {Riskant,
wenn auch spielbar. Schwarz wird allerdings bald vor schwierige Verteidigungsaufgaben gestellt werden.} 9.
Bxc3 {Dieser Läufer wird später zum Monster.} 9... Nxe4 (9... Rxe4 $4 10. Bxf6
{kostet Material.} ) 10. Qf4 {Bedroht f7.} 10... Nf6 11. Nf3 d6 12. Ng5 Be6 13.
Bd3 {Als Angreifer möglichst nicht tauschen! Die beiden weißen Läufer zielen
jetzt in idealer Weise gegen den schwarzen König.} 13... h6 14. h4 {Den Sg5
kann Weiß bedenkenlos opfern, da die Annahme ihm die h-Linie öffnen würde.}
14... Nd5 {Das sieht sehr gut aus, denn nach einem weißen Damenzug könnte
Schwarz den drohenden Lc3 endlich tauschen. Jedoch ...} 15. Bh7+ Kh8 16. Rxd5
$1 {Die am stärksten stehende schwarze Figur wird durch Opfer beseitigt.} 16...
Bxd5 17. Be4 $1 {Nun soll auch noch der Ld5, der f7 verteidigt, aus seiner
Position abgelenkt werden.} 17... f6 $2 {Von der mühsamen Verteidigung anscheinend bereits
erschöpft, findet Steinitz keine Rettung mehr.} ( {Die Rückgabe von Qualität
und Bauer mittels} 17... Rxe4 $1 18. Nxe4 {(jetzt droht Dxh6+ nebst Dg7#)}
18... Ne5 $1 {hätte die schwarze Stellung gehalten, wie nach der Partie gefunden wurde.}
) 18. Bxd5 fxg5 19. hxg5 Ne5 {Jetzt, nachdem der Th1 eingreifen kann, nützt
diese Sperrung der Diagonalen des Lc3 nichts mehr.} 20. g6 $1 {Aus die Maus! Es
droht Txh6 nebst Dxh6#, und auf Sxg6 folgt sofort Matt auf h6, da der Bg7 dann
gefesselt ist. Steinitz musste sich geschlagen geben.} 1-0
Wie gefährlich diese Eröffnung allerdings bei richtiger Behandlung für Schwarz dennoch sein kann (und das auch noch gegen einen erstklassigen Gegner!), zeigt die folgende Kurzpartie, die 1896 von dem Polen Szymon Winawer (1838-1919) gegen den damals kürzlich erst von Lasker 'entthronten' Weltmeister Wilhelm Steinitz in brillanter Weise gewonnen wurde.
[Site "Nuremberg GER"]
[Date "1896.08.01"]
[Round "12"]
[White "Simon Winawer"]
[Black "Wilhelm Steinitz"]
[Result "1-0"]
[WhiteElo "?"]
[BlackElo "?"]
[ECO "C22"]
1. e4 e5 2. d4 exd4 3. Qxd4 Nc6 4. Qe3 Nf6 5.
Nc3 Bb4 6. Bd2 O-O 7. O-O-O Re8 8. Bc4 $5 {Weiß opfert seinen e-Bauern, weil
dazu Schwarz den schwarzfeldrigen Läufer abtauschen muss, während sein weißer
Antipode in eine beherrschende Stellung auf c3 gelangt. Damit wird die Eröffnung nachträglich doch noch zu einem Gambit.} 8... Bxc3 $6 {Riskant,
wenn auch spielbar. Schwarz wird allerdings bald vor schwierige Verteidigungsaufgaben gestellt werden.} 9.
Bxc3 {Dieser Läufer wird später zum Monster.} 9... Nxe4 (9... Rxe4 $4 10. Bxf6
{kostet Material.} ) 10. Qf4 {Bedroht f7.} 10... Nf6 11. Nf3 d6 12. Ng5 Be6 13.
Bd3 {Als Angreifer möglichst nicht tauschen! Die beiden weißen Läufer zielen
jetzt in idealer Weise gegen den schwarzen König.} 13... h6 14. h4 {Den Sg5
kann Weiß bedenkenlos opfern, da die Annahme ihm die h-Linie öffnen würde.}
14... Nd5 {Das sieht sehr gut aus, denn nach einem weißen Damenzug könnte
Schwarz den drohenden Lc3 endlich tauschen. Jedoch ...} 15. Bh7+ Kh8 16. Rxd5
$1 {Die am stärksten stehende schwarze Figur wird durch Opfer beseitigt.} 16...
Bxd5 17. Be4 $1 {Nun soll auch noch der Ld5, der f7 verteidigt, aus seiner
Position abgelenkt werden.} 17... f6 $2 {Von der mühsamen Verteidigung anscheinend bereits
erschöpft, findet Steinitz keine Rettung mehr.} ( {Die Rückgabe von Qualität
und Bauer mittels} 17... Rxe4 $1 18. Nxe4 {(jetzt droht Dxh6+ nebst Dg7#)}
18... Ne5 $1 {hätte die schwarze Stellung gehalten, wie nach der Partie gefunden wurde.}
) 18. Bxd5 fxg5 19. hxg5 Ne5 {Jetzt, nachdem der Th1 eingreifen kann, nützt
diese Sperrung der Diagonalen des Lc3 nichts mehr.} 20. g6 $1 {Aus die Maus! Es
droht Txh6 nebst Dxh6#, und auf Sxg6 folgt sofort Matt auf h6, da der Bg7 dann
gefesselt ist. Steinitz musste sich geschlagen geben.} 1-0