Oli1970, 1/8, 25. Nov '23
Louis Paulsen zählte in den 1860er und 1870er Jahren zu den besten fünf
Schachspielern der Welt. In der nachfolgenden Kurzpartie deklassiert er
seinen Gegner nach einem Eröffnungsfehler in einem angenommenen
Damengambit.
George H. MacKenzie ist allerdings auch kein Geringer, stand zum Zeitpunkt
der Partie (1862) aber erst am Anfang seiner schachlichen Laufbahn.
Schottischer Abstammung emigrierte er 1863 in die USA, wo er ab 1865
Berufsspieler wurde. Da Paul Morphy sich da bereits vom Schach
zurückgezogen hatte, wurde er in den USA schnell bester Spieler.
MacKenzie hatte viele Erfolge in seiner Schachkarriere vorzuweisen, diese
Partie wird seinem späteren Können nicht gerecht. In der von ihm
gewählten Eröffnung leistet er sich bereits im 7. Zug einen eklatanten
Fehler, den Paulsen kalt ausnutzt. Danach ist die Stellung schnell so
vertrackt, dass er keinen Weg findet, Paulsen noch vor Probleme zu
stellen. Der Fehler im 11. Zug forciert bereits das Matt. Die Partie war
ein Freizeitspiel zwischen den Spielern, wurde also nicht im Rahmen eines
Turniers gespielt.
[Event "London m5"]
[Site "London ENG"]
[Date "1862.??.??"]
[Round "?"]
[White "MacKenzie, George H"]
[Black "Paulsen, Louis"]
[Result "0-1"]
[ECO "C39"]
[Annotator "Oli1970"]
[Comment "Eröffnungskatastrophen: Angenommenes Königsgambit"]
1.e4 e5 2.f4 exf4 {Angenommenes Königsgambit.} 3.Nf3 g5 4.h4 g4 5.Ne5 Bg7
6.Nxg4 $6 {Eine Ungenauigkeit, üblich ist d2-d4. In der Folge ist es
schwer für Weiß, korrekte Fortsetzungen zu finden, da der Springer
perspektivisch kaum zu erhalten sein wird.} 6...d5 {Paulsen greift den
Zentrumsbauern an und öffnet dadurch die Läuferdiagonale.} 7.exd5 $4 {
Verliert sofort.}
( {Weiß bleibt nur, direkt ums Zentrum zu kämpfen. Alles andere
führt bereits zu einem Nachteil.} 7.d4 dxe4 8.Bxf4 Qxd4 9.Qxd4 Bxd4 {
Droht direkt Lxb2 und der weiße Springer hängt ebenfalls.} 10.c3
( {Völlig verdorben ist die Stellung bereits nach} 10.Nc3 Bxc3+
11.bxc3 Bxg4 )
10...Bxg4 11.cxd4 Nc6 12.Nc3 {Schwarz hat zwar einen Mehrbauern, Weiß
steht aber immerhin gefestigt genug, um nicht sofort zu verlieren.} )
7...Qe7+ $1 {Viel stärker als der Rückgewinn des Bauern nach Dxd5.} 8.
Kf2 $2 {Le2 oder sogar noch Se5 war angezeigt.} 8...Bd4+ {Zielführender
als Dc5+, da die Dame weiterhin die e-Linie kontrolliert.} 9.Kf3 {Nicht
naheliegender, aber besser ist 9. Se3 trotz zu erwartendem fxe3.} 9...h5
10.Bb5+ Kd8 11.Nf2 $4 {Die Engine sieht nach diesem Zug ein forciertes
Matt in 10, so wie Paulsen es spielt.} 11...Bg4+ 12.Nxg4
( 12.Kxf4 Qe5# )
12...hxg4+ 13.Kxg4
( 13.Kxf4 Nf6 14.Qxg4 Qe4+ 15.Kg3 Qxg4+ 16.Kh2 Qxh4# )
13...Nf6+ 14.Kh3 Rxh4+ 15.Kxh4 Ne4+ 16.Kg4
( 16.Kh3 Nf2+ 17.Kh2 Qh4+ 18.Kg1 Qxh1# )
16...Nf2+ 17.Kh5 Qe5+ 18.Kh4 {Paulsen hat nun die freie Auswahl, mehrere
Wege führen gleichwertig zum Matt.} 18...Qf6+ 19.Kh5 Qg6+ 20.Kh4 Bf6# 0-1
Schachspielern der Welt. In der nachfolgenden Kurzpartie deklassiert er
seinen Gegner nach einem Eröffnungsfehler in einem angenommenen
Damengambit.
George H. MacKenzie ist allerdings auch kein Geringer, stand zum Zeitpunkt
der Partie (1862) aber erst am Anfang seiner schachlichen Laufbahn.
Schottischer Abstammung emigrierte er 1863 in die USA, wo er ab 1865
Berufsspieler wurde. Da Paul Morphy sich da bereits vom Schach
zurückgezogen hatte, wurde er in den USA schnell bester Spieler.
MacKenzie hatte viele Erfolge in seiner Schachkarriere vorzuweisen, diese
Partie wird seinem späteren Können nicht gerecht. In der von ihm
gewählten Eröffnung leistet er sich bereits im 7. Zug einen eklatanten
Fehler, den Paulsen kalt ausnutzt. Danach ist die Stellung schnell so
vertrackt, dass er keinen Weg findet, Paulsen noch vor Probleme zu
stellen. Der Fehler im 11. Zug forciert bereits das Matt. Die Partie war
ein Freizeitspiel zwischen den Spielern, wurde also nicht im Rahmen eines
Turniers gespielt.
[Site "London ENG"]
[Date "1862.??.??"]
[Round "?"]
[White "MacKenzie, George H"]
[Black "Paulsen, Louis"]
[Result "0-1"]
[ECO "C39"]
[Annotator "Oli1970"]
[Comment "Eröffnungskatastrophen: Angenommenes Königsgambit"]
1.e4 e5 2.f4 exf4 {Angenommenes Königsgambit.} 3.Nf3 g5 4.h4 g4 5.Ne5 Bg7
6.Nxg4 $6 {Eine Ungenauigkeit, üblich ist d2-d4. In der Folge ist es
schwer für Weiß, korrekte Fortsetzungen zu finden, da der Springer
perspektivisch kaum zu erhalten sein wird.} 6...d5 {Paulsen greift den
Zentrumsbauern an und öffnet dadurch die Läuferdiagonale.} 7.exd5 $4 {
Verliert sofort.}
( {Weiß bleibt nur, direkt ums Zentrum zu kämpfen. Alles andere
führt bereits zu einem Nachteil.} 7.d4 dxe4 8.Bxf4 Qxd4 9.Qxd4 Bxd4 {
Droht direkt Lxb2 und der weiße Springer hängt ebenfalls.} 10.c3
( {Völlig verdorben ist die Stellung bereits nach} 10.Nc3 Bxc3+
11.bxc3 Bxg4 )
10...Bxg4 11.cxd4 Nc6 12.Nc3 {Schwarz hat zwar einen Mehrbauern, Weiß
steht aber immerhin gefestigt genug, um nicht sofort zu verlieren.} )
7...Qe7+ $1 {Viel stärker als der Rückgewinn des Bauern nach Dxd5.} 8.
Kf2 $2 {Le2 oder sogar noch Se5 war angezeigt.} 8...Bd4+ {Zielführender
als Dc5+, da die Dame weiterhin die e-Linie kontrolliert.} 9.Kf3 {Nicht
naheliegender, aber besser ist 9. Se3 trotz zu erwartendem fxe3.} 9...h5
10.Bb5+ Kd8 11.Nf2 $4 {Die Engine sieht nach diesem Zug ein forciertes
Matt in 10, so wie Paulsen es spielt.} 11...Bg4+ 12.Nxg4
( 12.Kxf4 Qe5# )
12...hxg4+ 13.Kxg4
( 13.Kxf4 Nf6 14.Qxg4 Qe4+ 15.Kg3 Qxg4+ 16.Kh2 Qxh4# )
13...Nf6+ 14.Kh3 Rxh4+ 15.Kxh4 Ne4+ 16.Kg4
( 16.Kh3 Nf2+ 17.Kh2 Qh4+ 18.Kg1 Qxh1# )
16...Nf2+ 17.Kh5 Qe5+ 18.Kh4 {Paulsen hat nun die freie Auswahl, mehrere
Wege führen gleichwertig zum Matt.} 18...Qf6+ 19.Kh5 Qg6+ 20.Kh4 Bf6# 0-1