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GM Klaus Darga zum heutigen 91. Geburtstag
Zum heutigen 91. Geburtstag des Berliner GM Klaus Darga bringe ich die in diesem Thread
/forum/thread.html?key=rQ7ZQiH5bZjN&sv=6
vorgeschlagene Partie gegen Christian Clemens, gespielt in der Deutschen Meisterschaft 1961 in Bad Pyrmont.
Dargas Züge mit Schwarz fließen hier so harmonisch, dass man wieder mal meint, es wäre doch gar nicht so schwierig, so zu spielen. Am Ende krönt er seinen Angriff mit zwei überraschenden Scheinopfern.
Da ich die Kommentierung schnell erstellt habe, um sie am heutigen Tag noch zu bringen, ist sie weniger ausführlich geraten als üblich. (Dafür gibt es diesmal auch keine Varianten, die falsch sein könnten😉.)
[Event "FRG-ch 06th"]
[Site "Bad Pyrmont FRG"]
[Date "1961.10.25"]
[Round "10"]
[White "Christian Clemens"]
[Black "Klaus Viktor Darga"]
[Result "0-1"]
[WhiteElo "?"]
[BlackElo "?"]
[ECO "C46"]
1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Nc3 g6 {Darga vermeidet die ausgetretene Theoriepfade
des Vierspringerspiels 3... Sf6.} 4. d4 exd4 5. Nd5 {Weiß antwortet energisch.}
5... Bg7 6. Bg5 Nce7 {Auf den ersten Blick überrascht es, dass Schwarz hier
seine Dame nicht mit dem anderen Springer schützt. Aber der 'natürliche'
Entwicklungszug 6... Sge7 würde das Feld f6 freigeben. Außerdem hat Schwarz
jetzt nicht nur mit h6, sondern auch mit c6 die Möglichkeit, die beiden
ungestüm vorgepreschten weißen Figuren zu befragen.} 7. Nxd4 h6 8. Be3 {Er will
natürlich nicht durch Tausch auf e7 die schwarze Stellung entlasten.} 8... Nxd5
9. exd5 Nf6 10. c4 O-O 11. Be2 c6 12. dxc6 ( {Auf} 12. d6 {hatte Darga} 12...
Ne4 {geplant.} ) 12... dxc6 {Aber nun hat Schwarz alle vorgeschobenen weißen
Posten beseitigt und eine bequeme Entwicklung.} 13. O-O Re8 14. Bf3 Nd7 15. h3
a6 16. Qc1 Qh4 {Deckt nicht nur h6, sondern setzt die Dame auch auf ein Feld,
von dem sie nur schwer vertrieben werden kann.} 17. Rd1 Ne5 {Es ist schon
erstaunlich, wie Darga es geschafft hat, aus seiner nach der Eröffnung beengten
Stellung seine Figuren auf immer bessere Felder zu platzieren.} 18. Be2 Bxh3
{Was macht man mit einem Läufer (c8), der kein gutes Feld findet? Man opfert
ihn einfach! Dieses Opfer basiert nicht auf der Berechnung von Varianten,
sondern aus der Überlegung, dass die weißen Figuren für die Verteidigung ihres
entblößten Monarchen nicht günstig stehen werden.} 19. gxh3 Qxh3 20. c5 $2
{Dieser Zug, der sich gegen schwarzes c6-c5 richtet, scheint zu verlieren.}
20... Ng4 {Droht Matt in 2 durch Dh2+ nebst Dh1#.} 21. Bxg4 Qxg4+ 22. Kf1 Re5
{Dieser Turm srebt die Route h5-h1# an.} 23. Ne2 Rh5 24. Ng3 {So ist das Matt
auf h1 zumindest verhindert.} 24... Rh2 25. Ke1 {Der König versucht, aus der
unmittelbaren Gefahrenzone zu fliehen, er kommt aber nicht weit.} 25... Re8
{Wegen der Fesselung des Le3 droht nun auch Ld4.} 26. Qd2 Bxb2 $1 {Ein
verblüffender Einschlag, der die weiße Dame von der Verteidigung von e3
ablenken soll.} 27. Nf1 (27. Qxb2 Rxe3+ {, und der f-Bauer könnte nicht
zurücknehmen wegen Dxg3+ mit schnellem Matt:} 28. fxe3 Qxg3+ 29. Kf1 Qf3+
{nebst Dh1#.} ) ( {Und} 27. Rab1 Be5 {mit der Drohung Lxg3 (der f-Bauer ist ja
gefesselt) sieht auch nicht gut für Weiß aus.} ) 27... Qg1 {Nun ist Weiß fast
vollständig lahmgelegt.} 28. Rab1 Bc3 $1 {Ein schöner Schlusszug, der die Dame
gewinnt, denn auf Dxc3 setzt Dxf2# matt, da der Le3 gefesselt ist. Ein
geschmeidiger Sieg Dargas.} 0-1
/forum/thread.html?key=rQ7ZQiH5bZjN&sv=6
vorgeschlagene Partie gegen Christian Clemens, gespielt in der Deutschen Meisterschaft 1961 in Bad Pyrmont.
Dargas Züge mit Schwarz fließen hier so harmonisch, dass man wieder mal meint, es wäre doch gar nicht so schwierig, so zu spielen. Am Ende krönt er seinen Angriff mit zwei überraschenden Scheinopfern.
Da ich die Kommentierung schnell erstellt habe, um sie am heutigen Tag noch zu bringen, ist sie weniger ausführlich geraten als üblich. (Dafür gibt es diesmal auch keine Varianten, die falsch sein könnten😉.)
[Site "Bad Pyrmont FRG"]
[Date "1961.10.25"]
[Round "10"]
[White "Christian Clemens"]
[Black "Klaus Viktor Darga"]
[Result "0-1"]
[WhiteElo "?"]
[BlackElo "?"]
[ECO "C46"]
1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Nc3 g6 {Darga vermeidet die ausgetretene Theoriepfade
des Vierspringerspiels 3... Sf6.} 4. d4 exd4 5. Nd5 {Weiß antwortet energisch.}
5... Bg7 6. Bg5 Nce7 {Auf den ersten Blick überrascht es, dass Schwarz hier
seine Dame nicht mit dem anderen Springer schützt. Aber der 'natürliche'
Entwicklungszug 6... Sge7 würde das Feld f6 freigeben. Außerdem hat Schwarz
jetzt nicht nur mit h6, sondern auch mit c6 die Möglichkeit, die beiden
ungestüm vorgepreschten weißen Figuren zu befragen.} 7. Nxd4 h6 8. Be3 {Er will
natürlich nicht durch Tausch auf e7 die schwarze Stellung entlasten.} 8... Nxd5
9. exd5 Nf6 10. c4 O-O 11. Be2 c6 12. dxc6 ( {Auf} 12. d6 {hatte Darga} 12...
Ne4 {geplant.} ) 12... dxc6 {Aber nun hat Schwarz alle vorgeschobenen weißen
Posten beseitigt und eine bequeme Entwicklung.} 13. O-O Re8 14. Bf3 Nd7 15. h3
a6 16. Qc1 Qh4 {Deckt nicht nur h6, sondern setzt die Dame auch auf ein Feld,
von dem sie nur schwer vertrieben werden kann.} 17. Rd1 Ne5 {Es ist schon
erstaunlich, wie Darga es geschafft hat, aus seiner nach der Eröffnung beengten
Stellung seine Figuren auf immer bessere Felder zu platzieren.} 18. Be2 Bxh3
{Was macht man mit einem Läufer (c8), der kein gutes Feld findet? Man opfert
ihn einfach! Dieses Opfer basiert nicht auf der Berechnung von Varianten,
sondern aus der Überlegung, dass die weißen Figuren für die Verteidigung ihres
entblößten Monarchen nicht günstig stehen werden.} 19. gxh3 Qxh3 20. c5 $2
{Dieser Zug, der sich gegen schwarzes c6-c5 richtet, scheint zu verlieren.}
20... Ng4 {Droht Matt in 2 durch Dh2+ nebst Dh1#.} 21. Bxg4 Qxg4+ 22. Kf1 Re5
{Dieser Turm srebt die Route h5-h1# an.} 23. Ne2 Rh5 24. Ng3 {So ist das Matt
auf h1 zumindest verhindert.} 24... Rh2 25. Ke1 {Der König versucht, aus der
unmittelbaren Gefahrenzone zu fliehen, er kommt aber nicht weit.} 25... Re8
{Wegen der Fesselung des Le3 droht nun auch Ld4.} 26. Qd2 Bxb2 $1 {Ein
verblüffender Einschlag, der die weiße Dame von der Verteidigung von e3
ablenken soll.} 27. Nf1 (27. Qxb2 Rxe3+ {, und der f-Bauer könnte nicht
zurücknehmen wegen Dxg3+ mit schnellem Matt:} 28. fxe3 Qxg3+ 29. Kf1 Qf3+
{nebst Dh1#.} ) ( {Und} 27. Rab1 Be5 {mit der Drohung Lxg3 (der f-Bauer ist ja
gefesselt) sieht auch nicht gut für Weiß aus.} ) 27... Qg1 {Nun ist Weiß fast
vollständig lahmgelegt.} 28. Rab1 Bc3 $1 {Ein schöner Schlusszug, der die Dame
gewinnt, denn auf Dxc3 setzt Dxf2# matt, da der Le3 gefesselt ist. Ein
geschmeidiger Sieg Dargas.} 0-1
Ergänzung zum Kommentar wegen 6)...Sge7 (statt des erfolgten 6)...Sce7) :
Bekannte Eröffnungsfalle mit der Folge 7) Sd4: Ld4: (Sd4:?- Le7: )8) Dd4: !! Sd4:?
9) Sf6+ Kf8 10) Lh6#
Bekannte Eröffnungsfalle mit der Folge 7) Sd4: Ld4: (Sd4:?- Le7: )8) Dd4: !! Sd4:?
9) Sf6+ Kf8 10) Lh6#
@Alapin2: Danke! Ja, das ist wegen der Schwächung von f6 möglich.
1961 wurde Darga zum zweiten Mal nach 1955 deutscher Einzelmeister; Unzicker, der Gewinner 1959 und 1963 wurde hier Zweiter.
Die hier gespielte Partie folgte bis zum 9. Zug von Weiß der Partie Olof Sterner - Miroslav Filip, Hastings Premier 1957/1958 ( chessgames.com/perl/chessgame?gid=1156934). Anders als Darga spielte Filip 9...d6; die Partie endete später remis nach 21 Zügen. Auch jene Partie sieht harmonisch aus, vielleicht etwas langweilig. Darga macht es hier besser. Nicht nur, dass er seine Figuren immer weiter verbessert, schafft er es mit seinem Läuferopfer, einen Angriff aufzubauen. Das Opfer kann schlecht abgelehnt werden, danach verbleibt der König allein auf weiter Flur.
Wo die andere Partie endet, geht diese richtig los. Der Fehler von Dr. Clemens im 20. Zug wird postwendend bestraft. Er findet zwar in Folge die richtigen Antworten, doch mit 27.Sf1 geht im die Luft aus. Der letzte Partiezug ist traumhaft: Der Läufer macht nur einen kleinen Schritt und Weiß hängt in einem Mattnetz ohne Aussicht auf Entkommen. Das Schlussbild ist sehenswert - alle relevanten weißen Figuren sind gefesselt; durch die Mattdrohungen können nur noch Td1 oder seine Majestät laufen. Doch, schöne Partie zu Klaus Dargas Ehrentag!
Die hier gespielte Partie folgte bis zum 9. Zug von Weiß der Partie Olof Sterner - Miroslav Filip, Hastings Premier 1957/1958 ( chessgames.com/perl/chessgame?gid=1156934). Anders als Darga spielte Filip 9...d6; die Partie endete später remis nach 21 Zügen. Auch jene Partie sieht harmonisch aus, vielleicht etwas langweilig. Darga macht es hier besser. Nicht nur, dass er seine Figuren immer weiter verbessert, schafft er es mit seinem Läuferopfer, einen Angriff aufzubauen. Das Opfer kann schlecht abgelehnt werden, danach verbleibt der König allein auf weiter Flur.
Wo die andere Partie endet, geht diese richtig los. Der Fehler von Dr. Clemens im 20. Zug wird postwendend bestraft. Er findet zwar in Folge die richtigen Antworten, doch mit 27.Sf1 geht im die Luft aus. Der letzte Partiezug ist traumhaft: Der Läufer macht nur einen kleinen Schritt und Weiß hängt in einem Mattnetz ohne Aussicht auf Entkommen. Das Schlussbild ist sehenswert - alle relevanten weißen Figuren sind gefesselt; durch die Mattdrohungen können nur noch Td1 oder seine Majestät laufen. Doch, schöne Partie zu Klaus Dargas Ehrentag!