Colorado77, 1/6, 20. Oct '14
Hallo,
ein paar Tips und Ideen zum klassischen Holländer / Iljin-Genewski-Variante:
1. Grundideen:
- Der schwarze Hauptplan besteht im Durchsetzen von e5. Mit einem solchen Bauernzentrum kann besonders der holl. Hebel f4 besser durchgesetzt werden.
- Schwarz spielt meist am Königsflügel mit Zügen wie Dg6 oder Dh5 und f4 i.V.m. Lg4/Lh3.
- Der Sb8 geht meist nach c6, wo er den grössten zentralen Einfluss ausübt. Der scheinbar passive Le7 oft nach d8, um den verwundbaren Punkt c7 zu schützen,
nachdem die Dd8 über e8 zum Königsflügel überführt wurde.
+ Die weisse Grundidee besteht entweder im Spiel am Damenflügel (b4 und b5) oder vor allem im Zentrum mittels e2-e4.
Nachdem das Zentrum so geöffnet wurde, tendiert der xe6 oft zur Schwäche.
GM Simon Williams, der derzeit eifrigste Verfechter des klass. Holländers bringt es so auf den Punkt:
Wenn Weiss e4 durchsetzen kann und Schwarz ist gezwungen, fxe4 zu spielen, hat Weiss grossen Vorteil.
Wenn Schwarz es schafft e5 durchzusetzen, und auf e4 möglichst f4 zu erwidern, steht er besser.
Spieler auf der schwarzen Seite waren/sind: GM Naumkin, GM Williams und WGM Moser.
Bei diesen lohnt es sich in die Datenbanken zu schauen.
2. Konkretes:
Die ersten Züge sind
1.d4 f5
2.g3 Sf6
3.Lg2 e6
4.Sf3 Le7
5.00 00
6.c4 d6
7.Sc3
Nun hat Schwarz die Wahl zwischen 3 Abspielen:
A: Die alte HV mit 7...De8
Sinn ist es, ohne den weissen Plan e2-e4 zu verhindern sofort am Königsflügel aktiv zu werden.
8.Te1! Dg6 (Alternativen sind Dh5 und Se4, beides jedoch auch mit +=, kleiner Vorteil Weiss, mindestens)
9.e4!
Zuerst dachte man, Dg6 verhindere diesen Zug; es ist eine uralte Falle, da nach 9...fxe4 10.Sxe4 Sxe4 11.Txe4 Dxe4 12.Sh4 die Dame weg ist,
und Weiss klaren Vorteil behält, da Turm, Springer und Bauer als Äquivalent nicht gut genug koordoniert sind.
9... fxe4
10.Sxe4 Sxe4
11.Txe4 Sc6
12.De2
Man beachte hier 12.De1!? (um später auf c3 mit der Dame wiederzunehmen)
12...Lf6
Der Hauptlan ist wie gesagt e5.
13.Ld2 e5
14.dxe5 Sxe5
15.Sxe5 Lxe5
16.Lc3! Lxc3
17.bxc3
+= (kleiner Vorteil Weiss)
Hier hat Weiss einen Score von über 68%!
Weiss übt Druck auf der e-Linie und der Diagonalen h1-a8 aus. Der Doppelbauer c3 ist unschön, gibt Weiss jedoch auch die Möglichkeit über die b-Linie aktiv zu werden.
B: Die alte Nebenvariante 7...a5
Simagins Zug wurde in den 50-er Jahren eingeführt. Idee ist es, weisses b4 zu verhindern und dort einen Sb4 oder Lb4 zu etablieren.
Nachteil ist jedoch, dass Weiss fast schon zum Standardplan e4 gezwungen wird. Zudem leistet 7...a5 nichts für die Entwicklung.
8.Te1! Se4 (only move)
Schwarz entschliesst sich das weisse e4 erst einmal zu verhindern. Er kann den Punkt xe4 jedoch nicht halten...
9. Dd3! (Warum dies wesentlich besser ist als 9.Dc2 zeigt sich unten)
9...Sxc3
Die Alternative, sich taktisch am Bauernopfer 9...Sc6 zu versuchen, scheitert:
10.Sxe4 Sb4
11.Db1 fxe4
12.Dxe4 e5
13.dxe5 (auch das einfache g4 ergibt +/-) Lf5
14.Dxb7 Tb8
15.Da7 Sc2
16.exd6 Lxd6
17.Lg5 +/-
10.bxc3!
Ein Starmove, die b-Linie öffnet sich für den Ta1.
10...Sc6
11.e4 e5
12.dxe5 dxe5
13.Dd5+
+/-
Der Bauer e5 fällt, dies ist der Unterschied zu 9.Dc2!
GM Williams nannte 7...a5 immer "The old Faithful", leider ist 7...a5 nicht mehr sehr vertrauenserweckend und ist eigentlich widerlegt;
zu überprüfen ist lediglich 9...d5!? Mit Übergang zum Stonewall und der Aufgabe des xe5, um das Zentrum zu stabilisieren.
Dies scheint die letzte Chance, die Var. zu retten.
Williams sieht dies heute genauso und spielt nur noch 7...Se4.
C: Das moderne 7...Se4
Schwarz verhindert weisses e4, auch wenn das doppelte Ziehen des Springers ein Tempoverlust ist.
8. Sxe4!
Dies hat sich als das Beste erwiesen.
8...fxe4
9.Sd2 d5
10.f3
Weiss öffnet das Zentrum, er ist besser entwickelt.
10... exf3
11.Sxf3 Sc6 (...c5!?)
12.Le3 +=
oder das von Williams favorisierte
10...Sc6
11.fxe4 Txf1+
12.Sxf1 (Kxf1!?, um den Springer in Sichtweite von xf3 und xe5 zu halten) dxc4
13.Le3 +=
Fazit:
1. In allen 3 Hauptvarianten ist Te1 das beste Mittel, um Schwarz mittels e2-e4 unter Druck zu setzen.
Der langsamere Plan mittels b3, Lb2, Dc2 etc. ist auch möglich, gibt jedoch nicht ganz so viel her.
2. 7...De8 und 7...a5 stehen theoretisch z.Z. nicht so besonders da, ergo versucht man heute 7...Se4, was jedoch zu eigenartigen Stellungen führt,
wo Schwarz häufig sein Heil in c7-c5 sucht (Ähnlichkeit zum Grünfeldinder).
3. Da die Weissen meist nur mit dem Leningrader oder Stonewall rechnen und der Holländer generell eher selten ist auf 1.d4,
ergeben sich praktisch sehr gute Chancen, da viele die Feinheiten des Systems nicht gut kennen.
Und dann kann man als Schwarzer gerade im Iljin-Genewski hervorragend um die Initiative kämpfen!
4. Wer eine Online-DB sucht:
chessok.com/?page_id=352
ein paar Tips und Ideen zum klassischen Holländer / Iljin-Genewski-Variante:
1. Grundideen:
- Der schwarze Hauptplan besteht im Durchsetzen von e5. Mit einem solchen Bauernzentrum kann besonders der holl. Hebel f4 besser durchgesetzt werden.
- Schwarz spielt meist am Königsflügel mit Zügen wie Dg6 oder Dh5 und f4 i.V.m. Lg4/Lh3.
- Der Sb8 geht meist nach c6, wo er den grössten zentralen Einfluss ausübt. Der scheinbar passive Le7 oft nach d8, um den verwundbaren Punkt c7 zu schützen,
nachdem die Dd8 über e8 zum Königsflügel überführt wurde.
+ Die weisse Grundidee besteht entweder im Spiel am Damenflügel (b4 und b5) oder vor allem im Zentrum mittels e2-e4.
Nachdem das Zentrum so geöffnet wurde, tendiert der xe6 oft zur Schwäche.
GM Simon Williams, der derzeit eifrigste Verfechter des klass. Holländers bringt es so auf den Punkt:
Wenn Weiss e4 durchsetzen kann und Schwarz ist gezwungen, fxe4 zu spielen, hat Weiss grossen Vorteil.
Wenn Schwarz es schafft e5 durchzusetzen, und auf e4 möglichst f4 zu erwidern, steht er besser.
Spieler auf der schwarzen Seite waren/sind: GM Naumkin, GM Williams und WGM Moser.
Bei diesen lohnt es sich in die Datenbanken zu schauen.
2. Konkretes:
Die ersten Züge sind
1.d4 f5
2.g3 Sf6
3.Lg2 e6
4.Sf3 Le7
5.00 00
6.c4 d6
7.Sc3
Nun hat Schwarz die Wahl zwischen 3 Abspielen:
A: Die alte HV mit 7...De8
Sinn ist es, ohne den weissen Plan e2-e4 zu verhindern sofort am Königsflügel aktiv zu werden.
8.Te1! Dg6 (Alternativen sind Dh5 und Se4, beides jedoch auch mit +=, kleiner Vorteil Weiss, mindestens)
9.e4!
Zuerst dachte man, Dg6 verhindere diesen Zug; es ist eine uralte Falle, da nach 9...fxe4 10.Sxe4 Sxe4 11.Txe4 Dxe4 12.Sh4 die Dame weg ist,
und Weiss klaren Vorteil behält, da Turm, Springer und Bauer als Äquivalent nicht gut genug koordoniert sind.
9... fxe4
10.Sxe4 Sxe4
11.Txe4 Sc6
12.De2
Man beachte hier 12.De1!? (um später auf c3 mit der Dame wiederzunehmen)
12...Lf6
Der Hauptlan ist wie gesagt e5.
13.Ld2 e5
14.dxe5 Sxe5
15.Sxe5 Lxe5
16.Lc3! Lxc3
17.bxc3
+= (kleiner Vorteil Weiss)
r1b2rk1/ppp3pp/3p2q1/8/2P1R3/2P3P1/P3QPBP/R5K1 b - - 0 17
Hier hat Weiss einen Score von über 68%!
Weiss übt Druck auf der e-Linie und der Diagonalen h1-a8 aus. Der Doppelbauer c3 ist unschön, gibt Weiss jedoch auch die Möglichkeit über die b-Linie aktiv zu werden.
B: Die alte Nebenvariante 7...a5
Simagins Zug wurde in den 50-er Jahren eingeführt. Idee ist es, weisses b4 zu verhindern und dort einen Sb4 oder Lb4 zu etablieren.
Nachteil ist jedoch, dass Weiss fast schon zum Standardplan e4 gezwungen wird. Zudem leistet 7...a5 nichts für die Entwicklung.
8.Te1! Se4 (only move)
Schwarz entschliesst sich das weisse e4 erst einmal zu verhindern. Er kann den Punkt xe4 jedoch nicht halten...
9. Dd3! (Warum dies wesentlich besser ist als 9.Dc2 zeigt sich unten)
9...Sxc3
Die Alternative, sich taktisch am Bauernopfer 9...Sc6 zu versuchen, scheitert:
10.Sxe4 Sb4
11.Db1 fxe4
12.Dxe4 e5
13.dxe5 (auch das einfache g4 ergibt +/-) Lf5
14.Dxb7 Tb8
15.Da7 Sc2
16.exd6 Lxd6
17.Lg5 +/-
1r1q1rk1/Q1p3pp/3b4/p4bB1/2P5/5NP1/PPn1PPBP/R3R1K1 b - - 1 17
10.bxc3!
Ein Starmove, die b-Linie öffnet sich für den Ta1.
10...Sc6
11.e4 e5
12.dxe5 dxe5
13.Dd5+
+/-
r1bq1rk1/1pp1b1pp/2n5/p2Qpp2/2P1P3/2P2NP1/P4PBP/R1B1R1K1 b - - 1 13
Der Bauer e5 fällt, dies ist der Unterschied zu 9.Dc2!
GM Williams nannte 7...a5 immer "The old Faithful", leider ist 7...a5 nicht mehr sehr vertrauenserweckend und ist eigentlich widerlegt;
zu überprüfen ist lediglich 9...d5!? Mit Übergang zum Stonewall und der Aufgabe des xe5, um das Zentrum zu stabilisieren.
Dies scheint die letzte Chance, die Var. zu retten.
Williams sieht dies heute genauso und spielt nur noch 7...Se4.
C: Das moderne 7...Se4
Schwarz verhindert weisses e4, auch wenn das doppelte Ziehen des Springers ein Tempoverlust ist.
8. Sxe4!
Dies hat sich als das Beste erwiesen.
8...fxe4
9.Sd2 d5
10.f3
Weiss öffnet das Zentrum, er ist besser entwickelt.
10... exf3
11.Sxf3 Sc6 (...c5!?)
12.Le3 +=
oder das von Williams favorisierte
10...Sc6
11.fxe4 Txf1+
12.Sxf1 (Kxf1!?, um den Springer in Sichtweite von xf3 und xe5 zu halten) dxc4
13.Le3 +=
r1bq2k1/ppp1b1pp/2n1p3/8/2pPP3/4B1P1/PP2P1BP/R2Q1NK1 b - - 1 13
Fazit:
1. In allen 3 Hauptvarianten ist Te1 das beste Mittel, um Schwarz mittels e2-e4 unter Druck zu setzen.
Der langsamere Plan mittels b3, Lb2, Dc2 etc. ist auch möglich, gibt jedoch nicht ganz so viel her.
2. 7...De8 und 7...a5 stehen theoretisch z.Z. nicht so besonders da, ergo versucht man heute 7...Se4, was jedoch zu eigenartigen Stellungen führt,
wo Schwarz häufig sein Heil in c7-c5 sucht (Ähnlichkeit zum Grünfeldinder).
3. Da die Weissen meist nur mit dem Leningrader oder Stonewall rechnen und der Holländer generell eher selten ist auf 1.d4,
ergeben sich praktisch sehr gute Chancen, da viele die Feinheiten des Systems nicht gut kennen.
Und dann kann man als Schwarzer gerade im Iljin-Genewski hervorragend um die Initiative kämpfen!
4. Wer eine Online-DB sucht:
chessok.com/?page_id=352