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Kritik: Freestyle Chess 2026 ist kein Chess960!

Chesspower960, 1/56, 14. Feb '26

Chesspower960 - 14. Feb '26
Mein persönlicher Gedanke zu Freestyle Chess 2026 und die Gefahr, die ich sehe

Hallo Schachfreunde,

anlässlich des derzeit stattfindenden Freestyle-Chess-Turniers 2026, das unter Beteiligung der FIDE ausgetragen wird, möchte ich eine grundsätzliche Kritik an diesem Format äußern. Konkret geht es darum, dass zwei (518, 534) der 960 möglichen Startstellungen kategorisch ausgeschlossen werden, nämlich die klassische Anfangsstellung und ihre Spiegelstellung.

Für viele mag das wie ein Detail wirken. Für mich ist es jedoch kein Detail, sondern ein klarer Prinzipbruch.

Chess960, wie es von Bobby Fischer gedacht war, ist ein in sich geschlossenes mathematisches System. Die Zahl 960 ist kein ungefährer Richtwert, sondern die vollständige Menge aller legalen Back-Rank-Permutationen unter klar definierten Bedingungen. Jede dieser 960 Stellungen ist gleichberechtigt. Genau das ist der Kern der Idee.

Wenn beim Freestyle Chess 2026 nun zwei Positionen bewusst ausgeschlossen werden, dann ist es nicht mehr dieses vollständige System. Es ist eine modifizierte Variante davon. Man kann argumentieren, dass der praktische Unterschied gering ist. Mathematisch mag die Wahrscheinlichkeitsänderung minimal erscheinen. Aber es geht hier nicht um Prozentwerte. Es geht um Systemreinheit.

Bobby Fischer wollte mit Chess960 nicht das klassische Schach auslöschen. Er wollte es verallgemeinern. Die klassische Anfangsstellung ist in seinem Konzept kein Feindbild, sondern schlicht ein Spezialfall innerhalb der 960 Möglichkeiten. Sie ist ein Punkt im gesamten Raum der zulässigen Anfangsstellungen.

Genau das macht die Idee so elegant. Das klassische Schach bleibt vollständig enthalten. Es wird nicht ersetzt, sondern relativiert. Es verliert seinen Sonderstatus automatisch, weil es nur noch eine von vielen Möglichkeiten ist. Wenn man jedoch genau diese Stellung beim aktuellen Freestyle-Format bewusst entfernt, sendet man ein anderes Signal. Dann geht es nicht mehr um Verallgemeinerung, sondern um Abgrenzung.

Und hier liegt mein größtes Problem.

Wenn Institutionen beginnen, Positionen auszuschließen, weil sie zu nah am klassischen Schach sind oder aus marketingtechnischen Gründen unerwünscht erscheinen, wird ein Präzedenzfall geschaffen. Heute sind es zwei Stellungen beim Freestyle Chess 2026. Morgen vielleicht weitere, weil sie angeblich zu asymmetrisch sind, zu oft remis enden oder für Zuschauer schwer verständlich erscheinen. Sobald das Prinzip der vollständigen Gleichberechtigung aufgegeben wird, öffnet man die Tür für weitere Eingriffe.

Das widerspricht dem ursprünglichen Geist von Chess960 fundamental.

Der eigentliche Gedanke Fischers war, das Problem der überbordenden Eröffnungstheorie zu lösen. Wenn konsequent nur noch Chess960 gespielt würde, hätte die klassische Anfangsstellung keinerlei Sonderrolle mehr. Sie wäre einfach eine zufällige Konfiguration unter vielen. Niemand würde spezifische Theorie darauf aufbauen, weil sie statistisch kaum häufiger vorkommt als jede andere Stellung.

In einem solchen System wäre es völlig irrelevant, ob Position 518 gezogen wird. Sie wäre weder privilegiert noch problematisch. Das Problem liegt nicht in der Stellung selbst, sondern in der jahrhundertelang angesammelten Theoriegeschichte.

Das hier ist kein bloßes Umbenennen oder eine harmlose Modifikation. Das Freestyle-Format, so wie es jetzt unter dem Namen Freestyle Chess betrieben wird, ist de facto eine eigenständige Schachvariante. Es wählt gezielt Teile eines Konzepts aus und formt daraus ein neues Produkt, betont dabei jedoch gleichzeitig die Herkunft aus Chess960. Das ist Rosinenpicken. Man nimmt Elemente aus einem in sich geschlossenen System, verändert zentrale Regeln und präsentiert das Ergebnis weiterhin in Bezug auf die ursprüngliche Idee. Damit entsteht Verwirrung über Begriffe und Legitimität. Diese Freestyle-Variante hat strukturell nichts mehr mit dem vollständigen Chess960 zu tun und darf weder als Ersatz noch als Ablösung für eine echte Chess960-Weltmeisterschaft gelten.

Dass dieses modifizierte Format 2026 unter dem Dach der FIDE akzeptiert und mitgetragen wird, verstärkt meine Bedenken. Die FIDE hat die Regeln für Chess960 klar definiert. Wenn nun unter offizieller Beteiligung ein Format gespielt wird, das nicht mehr alle 960 Stellungen umfasst, entsteht eine Vermischung von Begriffen. Es wird Chess960 genannt oder zumindest stark damit assoziiert, obwohl es streng genommen keines mehr ist.

Mir geht es nicht um Nostalgie und auch nicht um eine Verweigerung gegenüber Neuerungen. Mir geht es um begriffliche Klarheit und konzeptionelle Integrität. Ein geschlossenes System sollte entweder vollständig übernommen oder klar als abgewandelte Variante bezeichnet werden. Alles andere führt langfristig zu einer schleichenden Verwässerung.

Chess960 ist als Konzept vollständig und in sich logisch. Wenn man daran beginnt zu schneiden, auch nur minimal, entfernt man sich vom Grundgedanken. Genau diese Entwicklung, die wir beim Freestyle Chess 2026 beobachten können, halte ich für problematisch.

Mich würde interessieren, wie andere das sehen. Ist das für euch nur ein pragmatisches Detail, oder erkennt ihr darin ebenfalls eine Abkehr vom ursprünglichen Prinzip?

Gruß
Chesspower960

shaack, 2/56, 14. Feb '26

shaack - 14. Feb '26
Interessanterweise habe ich da heute Mittag schon drüber nachgedacht und mich genau das gefragt, ob 518 bei Turnieren ausgeschlossen wird.

toby84, 3/56, 14. Feb '26

toby84 - 14. Feb '26
dazu fällt mir folgendes gegenargument ein:
das ist in der theorie schön und gut, aber wir leben nicht in einer welt, in der alle chess960-stellungen gleichberechtigt nebeneinanderstehen. wir leben in einer welt, in der wohl so ziemlich jeder schachspieler sich besonders gut in einer einzigen ganz bestimmten stellung auskennt. die ausgeglichenheit aller stellungen wird es also faktisch niemals geben. was bedeutet das für den spieler, der nicht so gut in theorie, aber stark im schachgefühl und -verständnis ist? dass er im chess960 großartig abschneiden kann, es aber immer diese eine chess960 stellung gibt, in der er gegen die theoretiker ständig verliert. ist es wirklich sinnvoll, diese stellung genauso zu behandeln wie alle anderen?

Alapin2, 4/56, 14. Feb '26

Alapin2 - 14. Feb '26 Edited
Es war doch irgendwie Fischers Idee,Schach als Spiel ohne lange und ausgekochte
Theorievarianten neu zu beleben.
Lasker schlug auch schonmal vor,Remisstellungen neu zu bewerten.Da ging es nicht
um Theorievarianten,sondern um zu viele Unentschieden zu verhindern.
Nun sind also von 960 Stellungen ganze 2 ausgeschlossen.🥲
Also eine Chance von 1:480 da reinzukommen.
P.S.: Frage an die Fachleute :" Welches soll denn die Spiegelstellung sein?"
P.P.S.: Muss eigentlich jede Unwahrscheinlichkeit immer weitschweifig ausdiskutiert werden ??
P.P.P.S. : Hehe,es gibt auch Gewinnstellungen die im Endspiel mehr als 50 Züge dauern und nach genau 50 Zügen remis gegeben werden müssen.Finde ich total unfair !!
Wahrscheinlichkeit wohl auch ähnlich zu den 480.
Werde eine Bürgerinitiative gründen,dem Bundeskanzler was dazu schreiben und im Notfall das Bundesverfassungsgericht anrufen.😄🤣
Geht es noch ??

toby84, 5/56, 14. Feb '26

toby84 - 14. Feb '26
also wir haben bei unseren turnieren im schachclub die standardstellung ausgeschlossen, ohne davon zu wissen, dass freestyle es auch so handhabt. auf chessmail ist die standard-stellung ja nun drin. vll bekommen wir ja in zukunft reklamationen von chessmailern, die 960 spielen wollten und fälschlicherweise die standardstellung bekommen haben 😄 wir werden sehen.

Alapin2, 6/56, 14. Feb '26

Alapin2 - 14. Feb '26
Ogottogott : Schon wieder Sizilianisch statt der Darmstadt-Variante !? 🤣

Chesspower960, 7/56, 14. Feb '26

Chesspower960 - 14. Feb '26
@shaack

🤨

518 zu streichen ist kein Detail, es ist ein direkter Angriff auf Schach960. Wer einmal anfängt, Regeln zu kippen, zerstört die Idee Fischers Stück für Stück.

Chesspower960, 8/56, 14. Feb '26

Chesspower960 - 14. Feb '26
@toby84

Ich verstehe dein Argument und es ist sicherlich praxisnah. Es stimmt, dass Spieler sich traditionell auf die klassische Stellung oder bekannte Eröffnungen spezialisieren, und dass einige Chess960-Stellungen stärker variieren können, je nachdem, wie viel Theorie ein Spieler kennt. Das Problem, das ich adressiere, liegt jedoch auf einer anderen Ebene: Es geht um die Systemreinheit von Chess960.

Chess960 ist als Konzept auf vollständiger Gleichberechtigung aller 960 Startstellungen aufgebaut. Wenn man einzelne Positionen gezielt ausschließt, verändert man nicht die statistische Realität einzelner Spieler, sondern den Kern der Idee selbst. Das heißt: Man signalisiert, dass manche Stellungen „zu problematisch“ sind, statt das ursprüngliche Prinzip durchzuhalten, dass jede Stellung gleichberechtigt behandelt wird.

Der Punkt ist also nicht, dass einzelne Spieler in einzelnen Stellungen Nachteile haben könnten, sondern dass das absichtliche Ausschließen von Positionen einen präzedenzbildenden Eingriff darstellt. Damit wird Chess960 schrittweise zu einer anderen Variante, die nichts mehr mit der ursprünglichen Systemlogik Fischers zu tun hat.

Oli1970, 9/56, 14. Feb '26

Oli1970 - 14. Feb '26
Ich verstehe Deine Argumentation, @Chesspower960. Allerdings muss man sehen, dass Fischers Idee die Ablösung des Standardschachs war. So hat die Position 518 ihre Berechtigung als Teil des vollständigen Systems. Nach FIDE - und wahrscheinlich auch nach allgemeinem Verständnis- soll Chess960 parallel zum Standardschach existieren. Unter dem Gesichtspunkt spricht mehr dafür, die Standardaufstellung dabei auszuschließen. Ich wäre ziemlich enttäuscht, wenn ich in einem Chess960-Turnier Standard serviert bekäme.

Allerdings gilt das nicht für die Spiegelvariante, deren Ausschluss finde ich schwieriger zu begründen, jedenfalls in Amateur-Turnieren. Ich vermute, einem GM fiele das Umdenken leichter als jemandem, der in erster Linie Stellungsbilder oder sogar Zugfolgen lernt.

Chesspower960, 10/56, 14. Feb '26

Chesspower960 - 14. Feb '26
Hallo Schachfreund Oli1970,

ich verstehe, dass du im Turnier überrascht oder enttäuscht wärst, wenn die Standardstellung auftaucht. Genau hier liegt aber der Punkt von Chess960: Es geht nicht um Bequemlichkeit oder Vorlieben, sondern um die vollständige Gleichberechtigung aller 960 Positionen, inklusive der klassischen Anfangsstellung. Die Standardposition ist kein Störfaktor, sie ist ein integraler Bestandteil des Systems und darf nicht nach Gutdünken ausgeschlossen werden.

Chess960 ist eine Reformation des klassischen Schachs. Jede Stellung, auch 518, existiert, um das klassische Schach zu erweitern und zu relativieren. Wer sie ausschließt, bricht das Grundprinzip, dass klassisches Schach nur ein Sonderfall innerhalb eines größeren, geschlossenen Systems ist. Die Systemlogik zu bewahren ist wichtiger als kurzfristiger Komfort oder persönliche Vorlieben bei Turnieren.

Dass die Spiegelstellung schwieriger zu rechtfertigen ist, mag sein, aber der Kern bleibt unverändert: jede Position ist gleichberechtigt, und jede willkürliche Ausnahme untergräbt das Prinzip von Chess960.

Chesspower960, 11/56, 14. Feb '26

Chesspower960 - 14. Feb '26
Lieber Schachfreund Alapin2,

ich sehe, dass du versuchst, die Situation mit Humor zu nehmen, und manche Punkte sind sicher witzig gemeint. Trotzdem verfehlt das inhaltlich den Kern der Diskussion. Es geht nicht um Wahrscheinlichkeiten, statistische Chancen oder einzelne seltene Endspiele. Dass zwei von 960 Stellungen ausgeschlossen werden, mag nach Zahlen klein wirken, aber Chess960 ist kein Glücksspiel oder Lotteriesystem. Es ist ein präzise definiertes, geschlossenes System, in dem jede der 960 Startstellungen gleichberechtigt ist, auch 518 und ihre Spiegelstellung 534.

Chess960 wurde von Fischer bewusst als Reformation des klassischen Schachs konzipiert. Jede Stellung, auch 518, ist Teil des Systems. Wer einzelne Positionen nach subjektiver Einschätzung oder Marketingüberlegungen entfernt, ändert das Prinzip, auf dem Chess960 basiert. Es geht nicht darum, dass ein Turnier einmal eine Position seltener zeigt oder dass ein Spieler Pech hat. Es geht um die Integrität des Systems selbst.

Vergleiche mit Lasker oder der 50-Züge-Regel greifen hier nicht. Laskers Vorschläge betrafen das klassische Schach, um Remisflut zu reduzieren. Chess960 hingegen ist von Grund auf so konzipiert, dass die Übermacht der Theorie und die Wiederholung bestimmter Stellungen aufgebrochen werden. Jede Position ist Bestandteil dieses Prinzips. Wer sie gezielt ausschließt, spielt etwas anders, auch wenn es nur auf zwei Stellungen trifft.

Auf den Punkt gebracht: Es ist kein „Detail“, keine harmlose Ausnahme und auch keine Frage der Wahrscheinlichkeit. Wer 518 oder 534 streicht, entfernt Kernbestandteile von Chess960 und schafft eine neue Variante, die nur noch auf den ersten Blick wie Chess960 aussieht. Das ist keine theoretische Debatte über seltene Fälle, sondern eine grundsätzliche Frage der Systemlogik und der Begriffsintegrität.

Spaßige Bürgerinitiative hin oder her, der Punkt ist ernst: Chess960 lebt von der Gleichberechtigung aller Stellungen, und jede willkürliche Ausnahme untergräbt das Fundament, auf dem dieses System steht.

BattleChess1, 12/56, 14. Feb '26

BattleChess1 - 14. Feb '26
Ich finde es sehr gut, dass diese beiden Anfangsstellungen ausgeschlossen werden.

toby84, 13/56, 14. Feb '26

toby84 - 14. Feb '26
"Auf den Punkt gebracht: Es ist kein „Detail“, keine harmlose Ausnahme und auch keine Frage der Wahrscheinlichkeit. Wer 518 oder 534 streicht, entfernt Kernbestandteile von Chess960 und schafft eine neue Variante, die nur noch auf den ersten Blick wie Chess960 aussieht. Das ist keine theoretische Debatte über seltene Fälle, sondern eine grundsätzliche Frage der Systemlogik und der Begriffsintegrität."

warum ist es keine harmlose ausnahme? was genau wird sich deiner ansicht nach praktisch ändern durch diese regelung? nicht theoretisch, nicht prinzipiell, sondern ganz praktisch: inwiefern sollte es dem freestyle schaden, dass es nicht identisch zu chess960 funktioniert? ich finde es schon nicht gut, dass du dich hier auf einen fischer berufst, der aus deiner sicht die absolute autorität über chess960-ähnliche varianten zu haben scheint? fischer war nicht der erste, der schach mit alternativen startaufstellungen vorgeschlagen hat, und sein wort ist nicht gesetz. wir sind nicht verpflichtet, wenn wir eine schachvariante in den mainstream einführen, exakt die variante einzuführen, die ein einzelner spieler mal vorgeschlagen hat.

ich widerspreche hier also beiden argumenativen pfaden, denen du aus meiner sicht folgst:
1. fischer hat es so nicht gemeint, und das ist für diese diskussion ungemein wichtig
2. die integrität und symmetrie von chess960 muss unbedingt exakt eingehalten werden, sonst große katastrophe

beides sehe ich überhaupt nicht so.

Chesspower960, 14/56, 14. Feb '26

Chesspower960 - 14. Feb '26
@toby84,

praktisch ändert sich Folgendes: Aus einem geschlossenen System mit 960 gleichberechtigten Stellungen wird ein System mit Ausnahmen. Das ist kein Detail, sondern ein Eingriff in die Struktur. Wenn Positionen bewusst ausgeschlossen werden, ist es eben nicht mehr Chess960, sondern eine modifizierte Variante.

Und genau da liegt das Problem: Ich habe selbst an einem als „Schach960“ bezeichneten Format teilgenommen, technisch umgesetzt war aber nur eine Teilmenge, faktisch Schach480. Trotzdem wurde es als 960 verkauft. Wenn wir anfangen, Definitionen flexibel auszulegen, entsteht genau diese Unschärfe.

Es geht nicht um Fischers Autorität, sondern um begriffliche Klarheit. 960 heißt 960. Wer streicht, definiert neu. Das ist legitim, aber dann sollte man es auch korrekt benennen.

Und für mich persönlich ist klar: Wo Chess960 draufsteht, muss auch Chess960 drin sein. Außerdem nähert sich dieses Jahr das 30. Veröffentlichungsjahr von Chess960 durch Bobby Fischer. Das ist kein Autoritätsargument, sondern eine Frage des Respekts gegenüber der Leistung, eine echte Reformation des Schachs angestoßen zu haben. An diesem Erbe beliebig herumzudefinieren, untergräbt genau diesen Anspruch.

Hasenrat, 15/56, 14. Feb '26

Hasenrat - 14. Feb '26
Vielleicht heißt es ja auch gerade deshalb freestyle und nicht chess960. Wäre dieses Problem auch gelöst!

Die Chess960-Metatheorie ist nicht das Neue Testament und Fischer kein heiliger Apostel, beileibe nicht.
Verstehe die quasi-religiöse Inbrunst nicht, sich so dafür zu verkämpfen ...

Chesspower960, 16/56, 14. Feb '26

Chesspower960 - 14. Feb '26
@BattleChess1,

genau das ist der Punkt: Man kann es gut finden oder nicht. Aber persönliche Vorlieben sind kein Definitionskriterium.

Chess960 ist als vollständiges System mit 960 gleichberechtigten Startstellungen konzipiert worden. Wenn man zwei davon streicht, verändert man das System. Das kann man machen – aber dann spielt man eben nicht mehr Chess960, sondern eine abgeänderte Variante.

Gefallen ist Geschmackssache. Definition ist keine.

Steinitz, 17/56, 15. Feb '26

Steinitz - 15. Feb '26
Dann ist es eine neue Schach Art: "FIDE-Chess958",
nicht mehr "Fisher-Chess960", ganz klar!

Hasenrat, 18/56, 15. Feb '26

Hasenrat - 15. Feb '26 Edited
Ich würde die Standardstellung auch grundsätzlich nicht ausschließen und würde lachen, wenn sie ausgelost würde. Aber wenn sie ausgeschlossen wird, ist es mir schlicht ... auch egal. Und würde auch lachen.

Chesspower960, 19/56, 15. Feb '26

Chesspower960 - 15. Feb '26
Lieber Schachfreund Hasenrat,

ach so, sobald man Begriffe korrekt verwenden möchte, ist man also quasi im theologischen Eifer unterwegs? Interessanter Maßstab.

Wenn „Freestyle“ wirklich etwas anderes sein soll als Chess960, dann bitte konsequent. Genau das sage ich doch. Aber dann darf man es eben nicht implizit mit Chess960 gleichsetzen oder als dessen Weiterentwicklung verkaufen.

Das Format von Magnus Carlsen und Jan Henric Buettner ist deren eigenes Projekt. Es läuft bewusst außerhalb der FIDE-Strukturen und definiert sich eigenständig. Das ist ihr gutes Recht. Aber es ist eben etwas Eigenes.

Was ich kritisiere, ist nicht Innovation, sondern begriffliche Verwischung. Wenn man 960 reduziert oder verändert, ist das nicht mehr Chess960. Punkt.

Das hat nichts mit Aposteln zu tun, sondern mit Klarheit. Und Klarheit ist im Schach normalerweise kein religiöser Akt.

Hasenrat, 20/56, 15. Feb '26

Hasenrat - 15. Feb '26
Also da bin ich mal eher bei SF Alapin ...
Das ist weltfremd und ... vergeudete Energie ...

toby84, 21/56, 15. Feb '26

toby84 - 15. Feb '26
Also ist das problem auf FIDE-ebene? Freestyle agiert sauber und korrekt, die FIDE aber agiert unsauber, weil sie freestyle im rahmen ihrer chess960-definition toleriert. Ich könnte mir vorstellen, dass manch einer der FIDE kleinkariertheit vorwerfen würde, wenn sie den ausschluss zweier stellungen als grund angibt, freestyle nicht als teil der 960-gemeinschaft zu akzeptieren. Die frage ist in meinen augen eher, wie eng man die grenzen hier auslegen möchte. Und das empfinde ich als sehr eng.

Hasenrat, 22/56, 15. Feb '26

Hasenrat - 15. Feb '26
Wir spielen heute auch ein Schach wie es vor über 500 Jahren nicht gedacht und konzipiert war und nennen es verwegenerweise trotzdem Schach ...

Chesspower960, 23/56, 15. Feb '26

Chesspower960 - 15. Feb '26
@Steinitz,

der Punkt ist witzig formuliert, aber genau das zeigt ja das Problem: Sobald wir anfangen, Zahlen anzupassen, sind wir nicht mehr bei dem, was definiert wurde.

Wenn man zwei Stellungen streicht, ist es rechnerisch tatsächlich nicht mehr 960. Ob man das dann „FIDE-Chess958“ nennt oder anders, spielt im Grunde keine Rolle. Entscheidend ist: Es ist eine modifizierte Variante.

Mir geht es nicht um Namensspiele, sondern um Klarheit. Wenn man etwas verändert, sollte man es auch als Veränderung benennen — und nicht so tun, als wäre es identisch mit dem ursprünglichen Konzept von Bobby Fischer.

toby84, 24/56, 15. Feb '26

toby84 - 15. Feb '26 Edited
Wir haben chess960 turniere im verein eingeführt. Wir haben sofort spontan beschlossen, dass wir neu auslosen, wenn die standardstellung auftaucht. Keiner der am turnier teilnehmenden kam seitdem auch nur auf die idee, das turnier auf keinen fall mehr chess960 zu nennen. Ich will behaupten, dass uns allen der unterschied bewusst ist. Aber offensichtlich war nicht ein einziger dabei, der sich etwas daraus machte. Und ich will so weit gehen zu behaupten, dass niemand sich dabei für die symmetrie der stellungswahrscheinlichkeiten interessiert hat.

shaack, 25/56, 15. Feb '26

shaack - 15. Feb '26
Es macht Sinn, dass dann Freestyle zu nennen, weil die Anzahl ist dann raus aus dem Namen.

Steinitz, 26/56, 15. Feb '26

Steinitz - 15. Feb '26
Da bin ich genau Deiner Meinung, wenn Bobby "Chess 958" gewollt hätte,
hätte er es auch so erfunden!

Und nun würde die FIDE heutzutage vielleicht um 918 und 934 ergänzen, nur um etwas anderes "zu erfinden", mit der Begründung: Es sind halt 960 Möglichkeiten der Aufstellung und nicht "nur" 958.

chessmail bietet seit heute alle Möglichkeiten an, gibt es überhaupt andere Schachserver, die es auch tun?

toby84, 27/56, 15. Feb '26

toby84 - 15. Feb '26
Die FIDE nennt das ja sogar selbst freestyle wm, so wie ich das hier lese. Dann verstehe ich nicht ganz, worüber wir hier eigentlich diskutieren? Die FIDE macht freestyle, chessmail macht chess960. Wo genau passt das nicht?

Hasenrat, 28/56, 15. Feb '26

Hasenrat - 15. Feb '26
Und die Standardstellung widerspräche Geist und Konzept von freestyle!
Vielleicht hat Fischer freestyle nicht begriffen?
Freestyle ist verbessertes chess960!

Fischer war in diesem Punkt - nicht nur in diesem! - nicht die hellste Kerze auf der Torte! 😜

toby84, 30/56, 15. Feb '26

toby84 - 15. Feb '26
Ok, dann liegt der fall aber zumindest etwas anders. Der name freestyle wurde sicherlich nicht willkürlich gewählt. Man wollte sich eben doch so weit von chess960 abgrenzen, dass man argumentieren kann, dass änderungen möglich sind. Gleichzeitig sind die varianten so nah beieinander, dass man sie vor der masse gleichsetzt, vermutlich um einen wiedererkennungswert auszunutzen. Das kann man fragwürdig finden.

shaack, 31/56, 15. Feb '26

shaack - 15. Feb '26
Die FIDE hat das nur selbst noch nicht verstanden.

Steinitz, 32/56, 15. Feb '26

Steinitz - 15. Feb '26
Freestyle, ist doch alles, was nicht der Original-Aufstellung entspricht!

Wenn ich also ohne Dame spielen möchte, zack: Freestyle.

"Schach 960" = Freestyle!

Man kann die Fußball-Bundesliga nicht so nennen, wenn wir dort zum Beispiel Bayern München entfernen, oder andere Vereine.

Also, darf die FIDE ihre WM nicht: "FIDE Fischer Random Chess" nennen,
wenn Herr Fischer das wohl kaum so erlaubt hätte.

958 Möglichkeiten der Startaufstellung, ist NICHT: Fischer-960!

toby84, 33/56, 15. Feb '26

toby84 - 15. Feb '26 Edited
Selbstverständlich kann der DFB seine bundesliga so aufbauen, wie er will. Da kann vll noch die FIFA als dachverband mitreden, aber wenn diese vereine unpassende namen für ihre turniere verwenden wollen, kann man sie nicht daran hindern.

Chess960 ist kein begriff von fischer. Der kommt aus deutschland. Den begriff Fischer-960 kenne ich gar nicht.

Da fischer selbst nie von 960 gesprochen hat: wo steht eigentlich, dass ihm die gleichberechtigung aller varianten so wichtig war? Gibt es da quellen? Hat hier jemand seine veröffentlichung dazu gelesen?

"Fischer was not pleased when the father, Lazlo, showed Fischer an old chess book that described what appeared to be a forerunner of Fischer Random chess. The book was written by Izidor Gross and published in 1910. Fischer then changed the rules of his variation in order to make it different."
( chess.com/blog/ThummimS/the-history-of-fisher-random-chess-che..)

Meine güte ^^

Ich habe das mal nachgeprüft. Das zitat kommt aus dem chess960 wikipedia artikel.

Chesspower960, 34/56, 15. Feb '26

Chesspower960 - 15. Feb '26
@toby84

Zwei Dinge sollte man hier sauber trennen.

Erstens: Natürlich kann jeder Veranstalter sein Format gestalten, wie er möchte. Das bestreitet niemand. Der Punkt ist nicht „dürfen“, sondern „wie wird es bezeichnet“. Wenn man ein klar definiertes Regelwerk übernimmt und es verändert, entsteht eine Variante davon. Das ist völlig legitim. Aber begriffliche Präzision bleibt trotzdem sinnvoll.

Zweitens: Zum historischen Punkt. Der Begriff „Chess960“ wurde tatsächlich später geprägt, unter anderem im deutschsprachigen Raum und später von der FIDE offiziell übernommen. Bobby Fischer selbst sprach von „Fischer Random Chess“. Das ändert aber nichts daran, dass sein Regelwerk genau diese 960 zulässigen Anfangsstellungen umfasst. Diese Zahl ergibt sich nicht aus Ideologie, sondern aus der Kombinatorik der festgelegten Bedingungen (ungleiche Läuferfarben, König zwischen den Türmen usw.).

Zur Gleichberechtigung: Fischers zentrales Motiv war die Abschaffung der vorbereiteten Eröffnungstheorie durch Zufallsstartstellungen. Wenn man einzelne Startstellungen ausschließt, weil sie „zu nah“ am klassischen Schach sind, widerspricht das genau diesem Zufallsprinzip. Die klassische Stellung war bei ihm kein Fremdkörper, sondern schlicht eine mögliche Konfiguration unter vielen.

Dass er frühere Vorläufer kannte und sein Regelwerk bewusst abgrenzte, spricht im Gegenteil eher dafür, dass ihm die genaue Ausgestaltung wichtig war. Er hat die Regeln angepasst, um ein klar definiertes, eigenständiges System zu schaffen.

Am Ende bleibt der nüchterne Kern:
Wenn man Positionen selektiv entfernt, verändert man dieses definierte System. Das ist kein moralischer Vorwurf und kein Fischer-Kult, sondern eine sachliche Feststellung.

„Meine Güte“ muss man dazu eigentlich nicht sagen.

Chesspower960, 35/56, 15. Feb '26

Chesspower960 - 15. Feb '26
@toby84,

du schreibst: „Wir haben sofort spontan beschlossen, dass wir neu auslosen, wenn die Standardstellung auftaucht.“

Genau das ist der entscheidende Punkt. Ihr habt bewusst eine Regel eingeführt, die das ursprüngliche System verändert. Das ist im Vereinsrahmen vollkommen legitim. Wenn alle einverstanden sind und niemand sich daran stört, spricht organisatorisch nichts dagegen.

Aber dass „nicht ein einziger sich etwas daraus machte“, sagt nichts über die Definition des Formats aus. Ein System bleibt formal definiert, unabhängig davon, ob die Beteiligten die Symmetrie der Wahrscheinlichkeiten praktisch relevant finden oder nicht.

Im Vereinskontext kann man das pragmatisch lösen. Sobald es jedoch offiziell, etwa unter Beteiligung der FIDE oder im professionellen Bereich stattfindet, wird begriffliche Präzision wichtiger.

Pragmatische Handhabung ist nachvollziehbar. Sie ersetzt aber keine saubere Definition.

toby84, 36/56, 15. Feb '26

toby84 - 15. Feb '26
das "meine güte" bezieht sich auf die darstellung in wikipedia, die suggeriert, dass es fischer hier wohl eher darum ging, dass er als urheber dieser variante gilt. der wiki-artikel bezieht sich dabei wohl auf dieses buch:

"Brady, Frank. Endgame: Bobby Fischer's Remarkable Rise and Fall—from America's Brightest Prodigy to the Edge of Madness. "

ob das buch alles so sauber interpretiert, ist natürlich die andere frage.

"Fischers zentrales Motiv war die Abschaffung der vorbereiteten Eröffnungstheorie durch Zufallsstartstellungen. Wenn man einzelne Startstellungen ausschließt, weil sie „zu nah" am klassischen Schach sind, widerspricht das genau diesem Zufallsprinzip."

das stimmt doch nicht. chess958 oder chess959 sind genauso in der lage, dieses von dir selbst formulierte ziel zu erfüllen: "die Abschaffung der vorbereiteten Eröffnungstheorie". im gegenteil sind die verkürzten varianten sogar besser in der lage, eröffnungstheorie weniger relevant für diese schachvariante zu machen.

die symmetrie ist völlig irrelevant dafür, dieses ziel zu erreichen.

"Im Vereinskontext kann man das pragmatisch lösen. Sobald es jedoch offiziell, etwa unter Beteiligung der FIDE oder im professionellen Bereich stattfindet, wird begriffliche Präzision wichtiger.

Pragmatische Handhabung ist nachvollziehbar. Sie ersetzt aber keine saubere Definition."

also den punkt gebe ich dir. die fide spricht von chess960 und hat die definition in die eigenen regeln aufgenommen, da sind alle startaufstellungen drin, das habe ich gestern nochmal nachgelesen. danach setzt irgendjemand, der für das freestyle turnier verantwortlich ist, dieses trotz abweichender auslosung mit chess960 gleich, und das ist tatsächlich unsauber. eine bessere kommunikation oder eine weichere definition würde man sich bei einer so großen und einflussreichen organisation wünschen.

Chesspower960, 37/56, 15. Feb '26

Chesspower960 - 15. Feb '26 Edited
Also Toby84, ganz ehrlich, dein „Chess958/959 macht es genauso gut“ mag für den Pragmatiker im Vereinsraum funktionieren, aber wir reden hier nicht von Wohnzimmer-Schach. Natürlich kann man mit weniger Stellungen Theorie-Relevanz drücken. Punkt. Aber genau darum geht es nicht. Wir reden über Systemlogik, Definitionstreue und begriffliche Integrität.

Praktisch ändert sich durch das willkürliche Ausschließen:

Trainingslogik: Repertoires, Datenbanken, Eröffnungspläne – alles wackelt, weil die Grundlage nicht stabil ist.

Vergleichbarkeit: Statistiken, Partien, Rekorde – kaputt, wenn die Definitionsmenge nicht mehr 960 umfasst.

Turnierdesign: Auslosung, Tiebreaks, Regeln – inkonsistent zwischen Events.

Branding: Wer Chess960 sagt, muss auch 960 liefern. Alles andere erzeugt nur Verwirrung bei Spielern und Publikum.

Präzedenzfall: Heute zwei Stellungen, morgen fünf, übermorgen zehn. Herzlichen Glückwunsch, das System ist schon auf dem Weg zur „Freestyle960“-Variante.

Dass du die FIDE-Definition am Ende anerkennst, ist ja nett, aber genau das ist der springende Punkt: Dieses Freestyle-Projekt spielt sich raus aus der klaren Chess960-Definition und tut so, als wäre alles gleich. Nein, ist es nicht. Marketing-Smoothness ersetzt keine Systemlogik.

Konkret präzise auf den Punkt gebracht: Wer Chess960 sagt, meint 960. Wer etwas anderes will, nennt es bitte sauber beim Namen. Sonst ist das nichts weiter als ein Marketingtrick mit Zufallsstart. Und ja, verkürzte Varianten mögen Theorie kurzfristig killen, auf Kosten von Respekt gegenüber dem Konzept, der Historie und ja, auch ein bisschen gegenüber Bobby Fischer.

toby84, 38/56, 15. Feb '26

toby84 - 15. Feb '26 Edited
Ich habe doch nur dein eigenes zitat auseinandergenommen. Also interpretiere ich deinen umschwenk so, dass du dieses argument fallen lässt. Das halte ich für sinnvoll.

Was die anderen argumente angeht: ja, konsistent sollte die benennung sein. Und ja, wenn man die varianten selbst mit kleinen abweichungen mischt, erschwert das tatsächlich statistische auswertungen u.ä., das sehe ich ein.

Falls die fide aber in zukunft konsequent auf freestyle umschwenkt, was wäre dann dagegen zu sagen? Denn deine aktuellen argumente sprechen sich ja nur gegen das vermischen der systeme aus. Welches system am ende konsequent genutzt wird, ist dann ja für deine zuletzt aufgeführten argumente unerheblich.

Erweitert: das präzedenzfall-argument teile ich noch immer nicht. Bei allen 958 anderen stellungen liegt der fall ziemlich klar anders. Ein präzedenzfall lässt sich da m.e. schwerlich begründen.

Nochmal erweitert: das einzige konkrete argument für ausschließlich chess960 statt ausschließlich freestyle ist die symmetrie. Und die ist mir tatsächlich ganz egal.

Chesspower960, 39/56, 15. Feb '26

Chesspower960 - 15. Feb '26
Toby, du schreibst: „Falls die FIDE aber in Zukunft konsequent auf Freestyle umschwenkt, was wäre dann dagegen zu sagen? Denn deine aktuellen Argumente sprechen sich ja nur gegen das Vermischen der Systeme aus. Welches System am Ende konsequent genutzt wird, ist dann ja für deine zuletzt aufgeführten Argumente unerheblich.“

Hier liegt der Punkt: Es geht nicht darum, welches System irgendwann konsequent gespielt wird. Es geht darum, dass ein Format, das Chess960 heißt, auch wirklich Chess960 ist. Wenn man Positionen ausschließt oder Regeln ändert, entsteht ein neues System. Egal wie konsequent Freestyle gespielt wird, der Name Chess960 wird dann zu Etikettenschwindel. Wer das ignoriert, kann genauso gut behaupten, ein Schachbrett mit sieben Reihen sei immer noch Schach. Charmant, aber völlig absurd.

Du sagst: „Das Präzedenzfall-Argument teile ich noch immer nicht. Bei allen 958 anderen Stellungen liegt der Fall ziemlich klar anders.“

Kleiner Hinweis: Auch zwei ausgesparte Stellungen schaffen einen Präzedenzfall. Heute sind es 518 und 534, morgen vielleicht weitere, angeblich zu nah am klassischen Schach, zu kompliziert oder zu unspektakulär für Zuschauer. Dann haben wir ein Chess960, das de facto nur noch den Namen trägt. Genau darum geht es, und nein, nur weil es „nur zwei von 960“ sind, wird das Prinzip nicht weniger wichtig. Klein anfangen, große Wirkung entfalten, das kennen wir aus vielen Bereichen, nur beim Schach sollte es nicht so laufen.

Und schließlich: „Das einzige konkrete Argument für ausschließlich Chess960 statt ausschließlich Freestyle ist die Symmetrie. Und die ist mir tatsächlich ganz egal.“

Symmetrie ist nur ein Teilaspekt. Das zentrale Problem ist die Systemlogik, die begriffliche Integrität und der Respekt gegenüber Bobby Fischers Idee. Chess960 ist ein abgeschlossenes, mathematisches System. Jede willkürliche Ausnahme untergräbt das Konzept. Wer das für „mir egal“ hält, übersieht, dass es hier nicht um subjektive Vorlieben geht, sondern um Konsistenz. Das ist so, als würde man behaupten, die Abseitsregel im Fußball sei optional, weil die Linien auf dem Spielfeld nicht symmetrisch genug aussehen. Kreativ gedacht, praktisch völlig daneben.

Mein Fazit: Es geht nicht um persönliche Vorlieben, pragmatische Vereinsspielchen oder statistische Praktikabilität. Es geht darum, dass Chess960 auch Chess960 bleibt, sonst ist der Name nichts wert. Wer den Namen benutzt, aber das System absichtlich verändert, betreibt Etikettenschwindel. Ein bisschen Freestyle Marketing oder cleveres Branding ändert daran nichts. Für die Fraktion, der das egal ist, mag das witzig klingen, für jeden, der das System respektiert, ist es schlicht ein Affront gegen die Idee und die Arbeit von Bobby Fischer.

BattleChess1, 40/56, 15. Feb '26

BattleChess1 - 15. Feb '26
@Chesspower960

Ich verstehe deine Aufregung nicht ganz. Wenn die Veranstalter das so festlegen, dann kann man das nur so akzeptieren. Ich kann es nachvollziehen, dass bei so einem Event niemand die normale bekannte Stellung spielen möchte. Vielleicht ist es auch genau der Grund, warum es Freestyle heißt und nicht Chess960.

toby84, 41/56, 15. Feb '26

toby84 - 15. Feb '26
@chesspower960:
Ich rede doch gerade davon, den namen chess960 zu verwerfen und nur noch von freestyle zu sprechen. Weg mit chess960, die zukunft gehört dem freestyle. Greift dann noch irgendeinener deiner kritikpunkte?

Der anteil von bobby fischer an dieser variante wird überschätzt. Er hat nur zwei zusätzliche regeln eingeführt.

Chesspower960, 42/56, 15. Feb '26

Chesspower960 - 15. Feb '26 Edited
@BattleChess1

„Freestyle“ mag sein eigenes Ding sein. Aber die FIDE selbst definiert: Freestyle Chess is also known as Chess960 or FIDE Fischer Random Chess as per the FIDE Charter.

Wer also Chess960 draufschreibt, muss auch Chess960 liefern. Nur weil die klassische Stellung (518) oder ihre Spiegelstellung unbequem ist, heißt das nicht, dass man das System nach Belieben zurechtbiegen darf. Begriffstreue und Systemlogik sind wichtiger als Bequemlichkeit oder Marketing, sonst könnte man ja auch gleich „Schach nach Gutdünken“ draufschreiben. Wer auf Nummer sicher gehen will, darf nicht selektiv weglassen und trotzdem behaupten, es sei noch Chess960.

Chesspower960, 43/56, 15. Feb '26

Chesspower960 - 15. Feb '26
@toby84

Wenn du den Namen Chess960 komplett wegkippst und nur noch Freestyle spielst, dann verschwindet automatisch mein Kritikpunkt an der Vermischung. Das Problem ist nicht, dass Freestyle existiert, sondern dass es als Chess960 verkauft wird, obwohl es die Systemlogik bricht.

Und nur zwei zusätzliche Regeln? Mag sein, dass es simpel klingt, aber genau diese Regeln sind der Kern dessen, was Chess960 vom klassischen Schach unterscheidet. Es geht nicht um Autorität, sondern um Respekt vor einem geschlossenen, konsistenten System, das Bobby Fischer als Reformation des Schachs initiiert hat. Wer das ignoriert, macht aus Chess960 nur ein Marketingetikett.

BattleChess1, 44/56, 15. Feb '26

BattleChess1 - 15. Feb '26
@Chesspower960
Hier muss niemand liefern. Die Zeiten ändern sich eben. Ich kann mir vorstellen, dass auch in Zukunft beim Freestyle diese beiden Stellungen weggelassen werden. In meinen Augen ist das auch gut so.

toby84, 45/56, 15. Feb '26

toby84 - 15. Feb '26
Gut, dann haben wir die zentralen punkte wohl geklärt.

Ich fasse zusammen: die FIDE verwendet die begriffe unsauber. Es wäre besser, sich auf freestyle oder chess960 festzulegen und das dann konsequent durchzuziehen. Darauf können wir uns einigen.

Chesspower960, 46/56, 15. Feb '26

Chesspower960 - 15. Feb '26
@toby84

Genau, konsequente Begriffsverwendung ist das Minimum. Alles andere verwischt Herkunft und Prinzipien, und das darf bei Chess960 einfach nicht passieren.

Chesspower960, 47/56, 15. Feb '26

Chesspower960 - 15. Feb '26
@BattleChess1

Es geht nicht um „Zeiten ändern sich“. Wenn man bei einem Format, das Chess960 heißt, bewusst Startstellungen weglässt, verwischt man Definition, Herkunft und Prinzipien. Genau das ist mein Punkt. Wer Freestyle spielen will, kann das tun, aber dann bitte sauber als eigenständige Variante deklarieren.

Hasenrat, 48/56, 15. Feb '26

Hasenrat - 15. Feb '26
Es geht aber um ein Spiel und nicht um Wissenschaft. Im Spiel und im Leben ist halt vieles unexakt, lebendig diffus, organisch wachsend, frei. Es geht um Praktikabilität. Etiketten sind nur Etiketten.

shaack, 49/56, 15. Feb '26

shaack - 15. Feb '26
...und um Spaß. Muss man alles nicht so eng sehen.

Oli1970, 50/56, 15. Feb '26

Oli1970 - 15. Feb '26
Das Format heißt hier doch „Freestyle Chess“, ich habe bei der Veranstaltung jedenfalls keinen Verweis auf Chess 960 gefunden? „Freestyle Chess“ ist übrigens eine eingetragene Marke, der örtliche Schachverein und auch chessmail kann damit schwerlich „Freestyle Chess“ anbieten.

Man kann nach den Chess 960-/Fischer Random-Regeln spielen und sich per Turniervorschrift einigen, 518 wegzulassen (534 ist übrigens nicht ausgeschlossen). Die Anzahl möglicher Startaufstellungen ist immer noch gleich, lediglich die Anzahl der zugelassenen Startaufstellungen ist begrenzt worden. Wie bei „Remis nicht vor dem 40. Zug“ mit Ausnahmen für Blitz und Armageddon etc. auch Einschränkungen des Regelwerks getroffen worden sind und auch für Standardschach getroffen werden.

Das ist nicht praxisfremd: Trotz fehlender Abseitsregel auf dem Bolzplatz wird Fußball gespielt, beim Billard die 8 aufs letzte Loch oder gegenüberliegend ist nach 8-Ball-Regel beides falsch, Bockrunden beim Skat gibt es nicht laut Skatverband usw. Das Wesen des Spiels wird nicht verändert, die Teilnehmenden sind über Besonderheiten informiert. Der Unterschied ist in erster Linie der öffentlichkeitswirksame Teilnehmerkreis bei der FIDE Freestyle Chess World Championship 2026. Ich kann damit leben, spiele Fußball ohne Abseits, die 8 wie abgesprochen und akzeptiere Bockrunden. Skat ist ja kein Glücksspiel, beim Standardschach muss man das Glück haben mit jemandem zu spielen, der die Standard-Theorie nicht kennt.😉

shaack, 51/56, 15. Feb '26

shaack - 15. Feb '26 Edited
„Der Begriff „Freestyle Chess” ist eine eingetragene Marke (Trademark) . Er gehört der Freestyle Chess OpCo, einer Firma, die von dem deutschen Unternehmer Jan Henric Buettner gegründet wurde, mit Sitz in Hamburg . Buettner hat das Unternehmen zusammen mit Magnus Carlsen als Co-Founder aufgebaut.
Buettner ist ein ehemaliger Mitgründer von AOL Deutschland und Betreiber des Luxusresorts Weissenhaus an der Ostsee, wo auch die ersten Freestyle-Chess-Turniere stattfanden. Das Unternehmen hat 12 Millionen Dollar von Left Lane Capital eingeworben , um eine professionelle Turnierserie im Chess960-Format (auch Fischer Random genannt) zu etablieren.
Also kurz gesagt: Die Marke gehört Buettner bzw. seiner Freestyle Chess OpCo – Carlsen ist als Co-Founder und Spieler beteiligt, aber Buettner ist der treibende Unternehmer dahinter.​​​​​​​​​​​​​​​​“ Claude AI

Roland54, 52/56, 15. Feb '26

Roland54 - 15. Feb '26
Und bei der dort in Weissenhaus gerade stattfindenden WM stehen Carlsen und Caruana im Finale.
Caruana hat im Halbfinale Keymer ausgeschaltet und Carlsen liess Abdusatorov hinter sich.
Die 3. Partie zwischen den beiden war überaus spannend mit Sieg Carlsen.
Vielleicht kann jemand sie hier einstellen.

Hasenrat, 53/56, 15. Feb '26

Hasenrat - 15. Feb '26 Edited
Es gibt ja auch immer noch andere elegante Bezeichnungsalternativen:
- Chess9LX (nimmt die Polarisierung aus dem expliziten 960 etwas raus, lässt den Ursprung aber anklingen UND klingt hinreichend cool😉)
- FullChess (gefällt mir auch besonders gut👍)

Die Hauptsache ist doch: wenn es der Sache, nämlich der Verbreitung, Förderung und Popularisierung des Spiels dient, ist es gerechtfertigt - auch Marketing mit bewusst unpräziser aber sehr praktikabler Etikettierung (man denke auch an "alkoholFREI" und "0,0" z. B. in der Bierbranche).
Wenn das "Hüten des Heiligen Grals" nur zur Stagnation oder gar Minderung der "Erfolgsgeschichte" des Spiels führt, ist diesem nicht gedient (gilt auch für Religionen, Parteien und sonstige Denkschulen ...😜).

Ich jedenfalls freue mich wieder sehr auf Ostern in Karlsruhe! 😃
Der Rest ist der sehr akademische Streit um Fischers Bart im Elfenbeinturm ...

shaack, 54/56, 15. Feb '26

shaack - 15. Feb '26 Edited
Wie wäre es mit Shuffle Chess oder Chessmix?

Steinitz, 55/56, 15. Feb '26

Steinitz - 15. Feb '26
Nenne es doch einfach: "chessmail960"!

BattleChess1, 56/56, 16. Feb '26

BattleChess1 - 16. Feb '26
Warum sollte man es nicht Chess960 bzw. Schach960 nennen.
Die Begriffe sind doch nicht geschützt. Bei den beiden größten Schachservern heißt es dort auch so.
Warum sich also einen anderen Namen ausdenken. Das würde evtl. mehr verwirren. Bei den beiden oberen Begriffen kann sich jeder was darunter vorstellen.