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Robert Hübner -(kein Weg) zurück in die 2.Schach-BL ?

StillSchweiger - 29.11.19    

Zitat aus unten folgendem Artikel:
Dank guter Ergebnisse ist der SC Siegburg bis in die Zweite Liga aufgestiegen. Hier können aber drei Spieler nicht mehr mitspielen, weil sie die vom DSB eingeforderte Spielervereinbarung nicht unterschreiben wollen, darunter Robert Hübner und Bodo Schmidt.


https://de.chessbase.com/post/offener-br..

Ich teile Seine Einschätzung "Der Schriftsatz des Deutschen Schachbundes zeigt Mißtrauen und Verachtung gegenüber den Spielern"

Erinnert entfernt an ein mir bekanntes Zitat unbekannter Herkunft: "Kannst du jemandem trauen, brauchst du keinen Vertrag. Kannst du jemandem nicht trauen, hilft dir auch kein Vertrag"

Traurig zu lesen dass Verfehlungen Einzelner scheinbar als Spitze eines Eisberges vermutet werden, und die typisch deutsche Regelungswut hier offenbat ausufert. So lese ich es und so deute ich es auf Basis meines Rechts- und Gerechtigkeitsempfinden.

pirc_ - 29.11.19    

Ich habe es auch gestern gelesen und dachte bei mir:
Immer wieder Dr. Hübner, oder hat er recht?
Er ist sicher der bester deutsche Spieler der Nachkriegszeit und zurecht Ehrenspieler des DSB. Er war Platz 3 der Weltrangliste und hatte herausragende Erfolge. Aber wenn man an ihn denkt, dann fallen einem auch seine "Urheberrechstklagen" und sein Austritt aus der Nationalmannschaft wegen der Dopingproben 2000 ein. Ein "Querulant" oder ein "Freidenker"...ich weiss es nicht. Bezüglich Doping und Urheberrecht teile ich nicht seine Meinung, in diesem Fall fehlen mir die nötigen Hintergründe des DSB und die Gespräche die im Vorfeld gelaufen sind (oder auch nicht), um mir ein Urteil zu bilden. Ich denke nur, dass solche Dinge ja in den Gremien des DSB besprochen werden, wo ja auch die Vereinsvertreter mitsprechen und dies keine einsamen Entscheidungen des Vorstands sind. Von daher warte ich gespannt auf die Stellungnahme des DSB, um auch aus dieser Sicht mal die Hintergründe zu hören.

pirc_ - 29.11.19    

Einer der Hintergründe ist, so wie ich es verstanden habe der Fall Falko Bindrich, der vom DSB gesperrt wurde. Dies Sperre wurde per Gericht aufgehoben, da der Veranstalter des betreffenden Wettkampfes die Schachbundesliga war. Hierzu der beisitzende Richter:

Persönliche Stellungnahme der Beisitzer des Schiedsgerichts

„In Kenntnis des Sachverhalts beim BL-Kampf Katernberg : Eppingen sowie in Kennt- nis der Bestimmungen unserer Turnierordnungen auf Vereins-, Bezirks-, Landes- verbands- und DSB-Ebene sowie der FIDE und fast aller ‚privaten’ Turnierveranstalter werden 19 von 20 Schachsportlern den Spieler B. in der Sache für schuldig halten und eine harte Bestrafung als gerecht ansehen, insbesondere nachdem der Spieler B. als Mitglied der National-Kader eine Vorbildfunktion eigen ist und er aus eigener über 10 Jahre dauernder Erfahrung die einschlägigen Betrugssachverhalte genau kennt.

Das Schiedsgericht in einem Sportverband hat u. E. die primäre Aufgabe, den Rechts- frieden unter den Mitgliedern aufrechtzuerhalten und bei Bedarf die Rechtmäßigkeit der Verhängung von Sanktionen zu prüfen sowie ggf. deren Ausmaß zu korrigieren. Als Zusatzfunktion ist zu akzeptieren, den Schachbund vor möglicherweise größerem Ver- fahrensaufwand vor ordentlichen Gerichten zu warnen bzw. vor Nachteilen zu bewah- ren.

Aufgrund des zu Absatz 1 Ausgeführten sehen wir bei der geltenden Rechtslage den Rechtsfrieden im DSB gefährdet. Der Spieler B. hat sich wider besseres Wissen ver- halten und konnte eine neuere Entwicklung der Rechtsprechung zu seinen Gunsten in Anspruch nehmen. Jahrzehntelang war der statuarische Hinweis auf die Geltung der Satzung über- geordneter Fachverbandsebenen als hinreichend erachtet, auch um Sanktionen zu verhängen. Zuletzt wirkte die Überzeugung entsprechend, dass der Teilnehmer an einer Turnierveranstaltung durch dieses faktische Handeln die ausgeschriebenen Ordnungsbestimmungen akzeptierte, also sich ihnen unterwarf. Hier verlangt die neuere Rechtsprechung eindeutigere Satzungsbestimmungen bzw. Unterwerfungs- erklärungen.

Mit der Gründung des Schach-Bundesliga e. V. war nun ‚plötzlich’ nicht mehr der Schachbund direkt, sondern dieser Verein Ausrichter. In seiner Turnierordnung sind Sperren nicht vorgesehen, und die einzelvertragliche Verpflichtung der Spieler durch die teilnehmenden Schachvereine unter die Jurisdiktion des DSB wurde nicht hin- reichend geprüft. Diese nun nicht mehr haltbare Rechtsauffassung wurde durch den Fall des Spielers B. offenkundig und erfordert ein Zulassungsverfahren für jede/n Spieler/Spielerin zu Sportveranstaltungen mindestens auf Bundesebene. Diesen beträchtlichen Aufwand glaubte man in der Vergangenheit sich sparen zu können.“

Stuttgart und Elsfleth, 2. Mai 2013





Hanno Dürr Dr. Manfred Dornieden

EintrachtbS - 29.11.19    

Typisch deutsche Regelungswut kann es kaum sein, wenn man im Prinzip die FIDE-Regelungen übernimmt. Aus meiner Sicht reines Querulantentum eines älteren Herrens.

Vabanque - 29.11.19    

Hübner hat sich immer schon 'gerne' mit Verantwortlichen angelegt, und sich damit meist selbst Steine in den Weg gelegt.

Ich sehe ihn in dieser Hinsicht auch zwiespältig wie SF pirc_. Von den Hintergründen weiß ich zu wenig, um urteilen können, habe andererseits aber auch kein Interesse, mich mit den Hintergründen zu beschäftigen (ähnlich wie im Fall Susan Polgar).

Da bin ich doch froh, dass ich Hübners Verdienste als Spieler uneingeschränkt positiv sehen kann.

Seine Verdienste als Analytiker und Schachbuch-Autor sind ebenfalls unbestritten, wenn auch seine Analysen so kompliziert sind, dass ich mir nicht die Mühe machen werde, ihnen zu folgen.

Seine Stellung als zweitgrößter deutscher Spieler nach Emanuel Lasker ist von seinen 'Querelen' (oder doch berechtigten Einwänden gegen ein restriktives oder gar korruptes System?) jedenfalls unerschüttert.

crimsonfripp - 29.11.19   +

Man mag ja über Hübner denken, was man will - aber mir reicht da in dieser "Spielervereinbarung" nur eins:
Der Schiedsrichter hat das Recht Kleidung, Gepäck usw. zu untersuchen. Einfach so - auch ohne irgendeinen Verdacht (denn davon steht da nix).

Da hätte ich auch keinen Bock drauf und würde mich auch weigern, da mitzumachen.

Ansonsten ist ja eine "Vereinbarung" etwas, wie der Name schon sagt, etwas was zwei Seiten "vereinbaren", hat also was mit Aushandeln zu tun.
Ehrlich wäre es, das, um es noch nett zu sagen, "Verpflichtungserklärung" zu nennen.

Jupp53 - 30.11.19    

Dr. Hübnerwarnur da "Querulant", wo der Rest der Welt total gesponnen hat. ich verfolge ihn seit meiner Jugend und ziehe immer wieder den Hut, wie der Mann gegen alle Anfeindungen die Vernunft hoch hält. @ pirc_ ist da entweder auf die Stimmungsmache gegen ihn, die erheblich war und immer noch wirkt, reingefallen oder hat sich nicht genauer informiert.

Wenn Dr. Hübner zu einem Thema öffentlich Stellung nimmt, dann geschieht dies in der Regel wohl informiert, wohl überlegt, rein sachlich. Ob man seine Meinung teilt, ist ein anderes Thema. Den neuen Konflikt kenne ich nicht.

Ich stelle mal eine Frage: Werden Spieler kontrolliert, damit FIDE und OK Regelungen eingehalten werden, in der Hoffnung auf irgendwelche Geldtöpfe? Falls ja, dann ist Dr. Hübner für alle die ein Querulant, die die (Über-)Kommerzialisierung des Schachs weiter voran treiben wollen.

MarkD - 30.11.19   +

Ich bin hier zwiegespalten.

Einerseits möchte wohl niemand ohne Verdacht durchsucht werden.

Andererseits gibt es auch im Nahschach Betrugsfälle und niemand möchte wohl gerne Opfer eines solchen werden.

Wenn nun die rechtliche Handhabe zur Vermeidung des Betrugs eine solche Unterwerfungserklärung braucht... So sei es.

Es reicht mir schon, hier gegen DWZ 1300er in Turnieren antreten zu müssen, die CMZ 2000+ haben. Da würde ich mir manchmal eine Durchsuchungsregel wünschen...