chessmail Forum

Macht Schach süchtig?

brauna - 20.01.19    

Es gibt Alkoholsucht, Tabaksucht, Spielsucht u.v.m.
Meint ihr, Schach macht auch süchtig?
Bin gespannt auf eure Meinungen!

Tschechov - 20.01.19    

Ja.

FCAler - 20.01.19  

Manche schon!

Vabanque - 20.01.19    

'Chess, like love, is infectious at any age' (Flohr)

Hasenrat - 20.01.19    

Kommt drauf an, welches Schachspielen und welches Suchtverhalten gemeint sind.

Wirklich bedenklich sind wohl nur die Online-Schachspiel-Sucht und das einsame Sich-Vergraben in der Schachstudierstube.

Die analoge Ausübung der "Spielsucht" in wirklicher sozialer Interaktion - und wenn kein Geld im Spiel ist - kann wohl als ärztlich unbedenklich wenn nicht sogar als begrüßenswert bezeichnet werden.


Übrigens auch hier ein Evergreen-Thema:

https://chessmail.de/forum/topic.html?ke..

https://chessmail.de/forum/topic.html?ke..

https://chessmail.de/forum/topic.html?ke..

https://chessmail.de/forum/topic.html?ke..

(…)

Tschechov - 20.01.19    

@Hasenrat: Ich hatte da auch schon mal einen thread zu dem Thema eröffnet.

Plummelschwubb81 - 20.01.19    

Eine Schöne, aber :-)

Eudora - 20.01.19    

Eine Substanz oder ein Gegenstand kann nicht "süchtig machen" - die Einnahme oder ein übermäßiger Gebrauch, also das menschliche Verhalten, der eine Entscheidung zugrunde liegt, führt in die Sucht.

Jupp53 - 20.01.19    

Das mit der Entscheidung ist eine psychoanalytische Sichtweise, also immer wieder mal ein unfrommer Wunsch.

Menschliches Verhalten ist meiner Meinung nach probabilistisch, d.h. es gibt Wahrscheinlichkeiten, auch gelegentlich mit Zufall beschrieben. Dann gibt es das Phänomen der Ausformung von geistigen Vorstellungen über ausgeübtem Verhalten. Das sind dann oft nachträgliche Rechtfertigungen.

Es gibt Suchtpotenzial von Substanzen und Tätigkeiten. Es gibt biologisch individuelle Ansprechbarkeit für das Suchtpotenzial, zumindest nach gegenwärtigem Wissen.

Wirklich ein komplexes Thema. Da inzwischen Spielsucht in den diagnostischen Systemen als Krankheit akzeptiert ist, lässt sich über Schachsucht diskutieren. Mir fallen jedenfalls Menschen ein, bei denen ich nachdenken würde. Eine klare Antwort hätte ich nicht.

Vabanque - 20.01.19    

>>Da inzwischen Spielsucht in den diagnostischen Systemen als Krankheit akzeptiert ist, lässt sich über Schachsucht diskutieren.<<

Ich denke mal, in dem Begriff 'Spielsucht' sind nur Glücksspiele und nur Spiele um Geld eingeschlossen.
Eine echte Sucht hat zudem immer selbstzerstörerische Tendenzen; ob dies auf die Schachsucht zutrifft, mag doch zumindest diskussionswürdig sein.

brauna - 21.01.19    

wenn eine/r 20 Std. von 24 vor dem Schachbrett hockt - in dem Fall wohl sicher online - dann sehe ich darin ähnlich selbstzerstörerische Tendenzen wie bspw. bei dem Alkoholkranken, der ein gewisses Level an Alkohol braucht, um sich wieder "wohl" zu fühlen, lieber Vabanque.
Denn alle anderen wichtigen Lebensbereiche leiden dann, und werden zu stark vernachlässigt.
Beide sind aus meiner Sicht "krank" und bedürfen einer Behandlung, oder nicht?

Vabanque - 21.01.19    

Wenn es solche extremen Fälle gibt wie du schilderst, dann schon.

Aber ich bezweifle halt, dass man das überhaupt durchhalten kann, allein schon von der Konzentration her. Nach spätestens 4-5 Stunden ist bei mir mit der Konzentration nämlich Schluss, das habe ich allzu oft in Turnierpartien schmerzlich erfahren. Im Online-Schach ist es nicht anders. Also ich denke, da sind der Schachsucht schon biologische Grenzen gesetzt.

brauna - 21.01.19    

stimmt, Vabanque, geht bei mir auch nicht länger, vielleicht hab ich das Beispiel zu extrem gewählt? ;-)

Mglali - 21.01.19    

Nein, das Beispiel is okay. Dem suechtigen ist die Konzentration egal. Er will nicht aufhoeren. Er koennte es jederzeit.

Vabanque - 21.01.19    

Profis trainieren angeblich 8 Stunden am Tag Schach, so wie z.B. Pianisten 8 Stunden am Tag Klavier üben. Finde ich beides auch schon sehr extrem, ich kann nach 2-3 Stunden Klavier spielen auch nicht mehr, da ist bei mir noch früher die Grenze erreicht als beim Schach.

Kurz gesagt, bei Tätigkeiten, die mit enormer geistiger Anspannung verbunden sind, bezweifle ich, dass eine Sucht im eigentlichen Sinne entstehen bzw. fatale Auswirkungen haben kann.

Aber vielleicht liefert mir jemand hier ein reales Gegenbeispiel.

Vabanque - 21.01.19    

>>Mglali - vor 7 Min.

Nein, das Beispiel is okay. Dem suechtigen ist die Konzentration egal. Er will nicht aufhoeren. Er koennte es jederzeit.<<

Bei der Glücksspiel-Sucht ist es so, zweifellos (obwohl ich das glücklicherweise nicht aus eigener Erfahrung kenne). Die Frage ist, ob sich das auf Schach übertragen lässt.

Mglali - 21.01.19    

Wenn man sich nicht mehr konzentrieren kann, dann ist es doch fast nur noch Glueckssache ;)
man kaempft und kaempft bis der Gegenueber sagt : lass sein das bringt nix mehr.
Ist genauso wenn man in der Kneipe spielt mit zu viel Bier. Passierte mir damals oefter, aber aufhoeren wollte ich nicht.

Plummelschwubb81 - 21.01.19    

Es kommt immer darauf an, wie man etwas auslegt. Die Alkoholsucht ist ein relativ klares Beispiel. Wenn jmd. darunter leidet, dann kann er einem leid tun - wie er früh, mit zittrigen Händen, vor dem Kiosk auf den ersten Stoff wartet... Frau und Kinder liegen Zuhause verprügelt in der Ecke... ich meine - schon oft hab ich von Ärzten gehört: 'wer täglich ein, zwei Bier, oder Wein trinkt, der zählt schon als süchtig'.


Für mich ist etwas erst dann eine Sucht, wenn die Selbstzerstörung daraus erkennbar ist - und nicht durch Regelmäßigkeit. Sonst wären wir alle süchtig nach Luft zum Atmen ^^


Und Schach kann sehr wohl zur Sucht werden, wie vieles im Leben.
Hatte selbst mal eine Phase mit 800 - 1200 Partien gleichzeitig - da war ich dann auch nicht mehr sehr konzentriert, geschweigedenn für etwas anderes zu haben :-)

Hasenrat - 21.01.19    

Nicht nur Geld-/Glücksspiel ist Suchtkriterium. Onlinegaming-, Internetsucht ist ja schon lang als Sucht anerkannt.

Das Kriterium ist wohl, ob die Spielbetätigung die Hauptrolle in Alltag und Leben übernimmt, alle anderen Bereiche, insbesondere der soziale u. die eigene Geschäftsbesorgung darüber vernachlässigt wird, so dass Isolation, sozialer Abstieg u. soziales Abseits drohen.

Hasenrat - 21.01.19    

Angenommen chessmail würde jetzt abgeschaltet: bekämen wir körperliche Entzugserscheinungen?
Soll ja bei Handyverlust weitverbreitet sein.

Plummelschwubb81 - 21.01.19    

Also ich hätte die - die Entzugserscheinungen :-)
Nein, aber Spaß muss sein :-)

FCAler - 21.01.19    

Wenn ich das lese, dann kann man schon wohl von Sucht sprechen, denn normal ist das doch wirklich nicht, 800 - 1200 Partien gleichzeitig, oder???

>>>
Und Schach kann sehr wohl zur Sucht werden, wie vieles im Leben.
Hatte selbst mal eine Phase mit 800 - 1200 Partien gleichzeitig - da war ich dann auch nicht mehr sehr konzentriert, geschweigedenn für etwas anderes zu haben :-)<<<

Plummelschwubb81 - 21.01.19    

FCAler: Mit Sicherheit! Ich hab das Schachspiel in einer Phase aufgeschnappt, in der alles andere bei mir Mist war und ich weiß heute ehrlich gesagt nicht, was ich ohne das Schach gemacht hätte. Vermutlich den Kopf in den Sand gesteckt... wobei man das ja von außen betrachtet ebenfalls so sehen kann. Das meinte ich mit - es ist alles Auslegungssache...

Heute bin ich aber immer noch nicht ganz 'clean' - und ich spiele wirklich gerne Schach, bin ein großer Fan. Ich liebe vor allem auch die Figuren... nur Ahnung davon fehlt mir, aber das ist okay :-)

Hasenrat - 21.01.19    

Dr. Hasenbein meint:
Mehr als 2 Stunden Onlineschach am Tag sind so riskant wie täglich 2 Halbe.
Gehts lieber 'naus in die Clubs und Vereine, in die Parks mit Gartenschachanlagen ...

Insbesondere unter die 24-Std.-Partien (u. erst recht beim Liveschach) sollte shaack den Warnhinweis setzen: Achtung, Onlineschach kann süchtig machen!
;-)

Hanniball - 21.01.19    

Ja Sucht hin oder her...auch zu viele Forenbeiträge können zur Sucht ausarten.

Deswegen sollte man mit allen Dingen Maß halten und zwischendurch ein Glas Rotwein trinken und sich zurück lehnen und an schöne Dinge im Leben denken.

eika13 - 21.01.19    

ich denke schach macht nicht süchtig,
aber es wäre vielen politikern zu empfehlen.

brauna - 21.01.19    

warum meinst du das, eika13?
Es gibt doch einige bekannte Politiker, die gerne Schach spielen/spielten, so z.B.
Helmut Schmidt, Müntefering u.a.

Jupp53 - 22.01.19    

https://www.caritas.de/glossare/sucht-de..

Diese Definition bezieht sich auf eine Dimension mit Übergängen. Wer täglich eine Flasche Bier trinkt, der ist in einem messbaren Grad süchtig.

Dann gibt es ein kollektives Missverständnis. Krank sein und behandelt werden müssen sind zweierlei. Eine Behandlung kann sinnlos sein. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Bei Sucht ist fehlende Mitarbeit ein Grund.

Ohne die Betroffenen ist eine Sucht schwer festzustellen. Es gibt ein paar objektive Kriterien bei stoffgebundenen Süchten. Bei Verhaltenssüchten kommt immer das Urteil des Betroffenen dazu. Das führt dann zu den Fragen der Zuverlässigkeit dieser Urteile.

Die Ausgangsfrage kann also beantwortet werden, wenn Einigung über die Kriterien und die Erhebung der Daten erzielt wird. Das ist dann ein pragmatischer Ansatz, der auf eine absolute Antwort verzichtet.

Hasenrat - 23.01.19    

Und ist es eine Sucht, so lässt sie sich gewinnbringend nutzen. Indem "Feuer" mit "Feuer" bekämpft wird ...
Denke nämlich zurück an einen Artikel (in: KARL 2/2018, S. 58ff.) über John Healy, "Schläger, Dieb und selbstzerstörerischer Trunkenbold", dem das Zitat zugeschrieben wird "Schach ist eine eifersüchtige Geliebte, sie duldet niemanden neben sich" - "Auch Alkohol nicht." (ergänzen die Artikelautoren)
Also die Schachsucht löste die Alkoholsucht ab.

Hanniball - 23.01.19    

@ Hasenrat

...könnte man nicht auch sagen: " Die Alkoholsucht löste die Schachsucht ab"....
:) :)....vielleicht bei manchen SF......

123zecher - 23.01.19    

Ich liebe es, abends bei einem Glas Rotwein hier Schach zu spielen. Es darf von beidem nicht zu viel sein... Schachsucht gibt es, glaube ich, bestimmt. Seitdem man es online spielen kann und im Grunde rund um die Uhr Spielpartner zur Verfügung stehen....

Hanniball - 23.01.19    

@ 123zecher

...ich trinke meistens dann zwei...je nach Laune

123zecher - 23.01.19    

...sollte ich vielleicht auch mal machen....vielleicht knacke ich dann auch die 2000-Punkte-Hürde....;-))

brauna - 23.01.19    

@Hanniball: Gerne spiele ich mal gegen dich nach 2 GLäsern Rotwein.....ich mach das auch ab und zu, leider steigt meine Fehlerquote dann enorm an ;-)

Hanniball - 23.01.19    

@brauna

...man zieht lockerer und unbeschwert...man zieht dann fast automatisch......

Hasenrat - 23.01.19    

Man kann sich schon manchmal fragen, welche Sportvereine das größere jugendgefährdende Alkoholproblem haben, Fußball- u. Handball- oder Schachvereine ... ;-/

Hanniball - 23.01.19    

@ Hasenrat

...bei über 60- jährige sind 2 Glas Rotwein alle 14 Tage eine "Stärkung" ohne das man ein Alkoholproblem hat.

Hasenrat - 23.01.19    

Eben war es noch "meistens" abends ... ;-P

Will hier aber "kein Wasser predigen" und ... ;-)

... nur Problembewusstsein wecken, selbstkritisch nicht zuletzt.

brauna - 23.01.19    

@Hasenrat: Gut, dass ich in keinem Sportverein bin ;-)

brauna - 23.01.19    

@Hannniball: Wann sind die 14 Tage um.....ich wittere Morgenluft ;-)))

Hanniball - 23.01.19    

@ brauna

...derzeit habe ich den Grippevirus mit Medikamenten zu bekämpfen....aber die Bronchien kriegen wieder Luft, so daß ich dich bald einladen kann....

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brauna - 24.01.19    

Gute Besserung, Hanniball!

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