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Kramnik hört auf

patzer0815 - 29.01.19   +

Wenn im Kandidatenturnier in den ersten Runde ein paar Kleinigkeiten anders gelaufen wären, hätte er sehr gute Chancen gehabt Magnus Carlsen herauszufordern. Jetzt hört er auf:

https://de.chessbase.com/post/kramnik-er..

Hanniball - 29.01.19   +

Ein großartiger Schachspieler und Mensch.

Er wird der Schachwelt fehlen.

Er entriss Kasparov die Schachkrone mit so einer Eleganz und Leichtigkeit, die man ihm nie zutraute.

Vabanque - 29.01.19   +

Hm, wie endgültig das ist, das wird man sehen.

Mit 43 mit dem Turnierschach aufzuhören, ist schon sehr früh.

(Wobei für die meisten anderen Sportarten Aufhören mit 43 spät wäre, klar.)

Vielleicht will er in einem Moment aufhören, wo er noch unter den Top10 der Weltrangliste ist (momentan ja Platz 7).

Wie auch immer, es ist seine Entscheidung, und sie ist vor allem ja nicht unwiderruflich.

crimsonfripp - 29.01.19   +

Dann werde ich ihn in diesem Sommer nicht bei den Dortmunder Schachtagen sehen, wie so häufig in den letzten Jahren.
Er war dort ja quasi Dauergast.

Schade, aber wenn es genug ist, ist es genug.

Ich war ja im März 2018 auch beim Kandidatenturnier in Berlin, wo Kramnik schon teilweise sehr verbissen mit der Brechstange seine Partien gespielt hat und auch mit Gewalt Remisstellungen teilweise überspielt hat, dass ich damals sagte: "Der spielt wie jemand, der um seine letzte Chance kämpft."
Vermute mal, dass er nach Berlin gesagt hat: Ganz nach oben komme ich sowieso nicht mehr, jetzt ist es mal genug.

Er war schon alleine wegen seinen Eröffnungen und seinem Spielstil einer der Spieler, dessen Partien ich immer gerne gesehen habe.

Kellerdrache - 30.01.19   +

Es gibt ja auch in anderen Sportarten (Sport im erweiterten Sinn) immer zwei Arten von Spitzenspielern. Die, die ihre Liebe zum jeweiligen Spiel antreibt und die eben spielen bis sie tot umfallen. Denen macht es auch nichts aus wenn sie ob nachlassender Fähigkeiten eben nur noch Bezirksliga spielen können (ok, ich übertreibe).
Und dann gibt es die, die vor allem die Freude am Gewinnen antreibt, der Kampf darum der Beste zu sein. Wenn es dazu nicht mehr reicht verlieren sie ihren Antrieb.
Auch ein Kasparov hat sich ja relativ früh zurückgezogen. Für einen Platz unter den ersten 50 oder so würde es ja vermutlich selbst heute noch reichen, aber das langt ihm eben nicht.
Spieler wir Kortschnoi oder Smyslov dagegen konnten einfach ohne Schach nicht leben.
Nicht jeder mag ja auch das Vagabundenleben von Turnier zu Turnier. Heute in Dortmund und nächste Woche auf Gibraltar und immer im Hotel. Das kann einem auf den Sack gehen.

cerebrum - 03.02.19    

Publicity sorgt für Gesprächsstoff, wie man hier erkennen kann.
Wieviele comeback´s haben wir schon erlebt - Gute Berater nutzen die Macht der Medien fast perfekt, er hätte sich auch ohne Ankündigung zurückziehen können ;)

Vabanque - 03.02.19   +

Hätte er natürlich. Trotzdem schätze ich Kramnik nicht so ein, dass der seinen Rückzug aus Publicity-Gründen bekannt gegeben hätte. Es ist ihm schon ernst damit - was natürlich trotzdem kein Comeback ausschließt.

Lounge - 03.02.19   +

Nun ist Kramnik ja chronisch krank, Morbus Bechterew. Eine schubweise auftretende sehr schmerzhafte Erkrankung, die soweit möglich, viel Bewegung erfordert und nicht stundenlanges Grübeln am Schachbrett. Könnte den Rückzug mit verursacht haben.

Vabanque - 03.02.19   +

Sicher. Andererseits hat er ja wirklich alles erreicht, was man im Schach überhaupt erreichen kann. Er war nicht nur Weltmeister, er ist auch der einzige Spieler, der jemals Kasparov in einem WM-Wettkampf besiegen konnte (auch wenn das Match unglücklich für Kasparov lief, war es trotzdem eine große Leistung von Kramnik).

Canal_Prins - 03.02.19    

@ Vabanque

...ja Kramnik ist ein ganz großer Spieler im Schach gewesen. Ich vergleiche ihn mit Capablanca….einen Strategen und Denker...obwohl dieser Vergleich nicht zeitgemäß ist.

Vabanque - 03.02.19   +

Zeitgemäß vielleicht nicht, denn man kann die Spieler verschiedener Epochen nicht direkt vergleichen.
Aber der Vergleich mit Capablanca ist durchaus nicht ganz von der Hand zu weisen. Oft wird ja Carlsen mit Capablanca verglichen, ich denke aber, Carlsens Spielstil ist näher an Lasker als an Capablanca.
Wie auch immer, alle diese Vergleiche hinken.

JamesBond007 - 04.02.19    

@ Vabanque :

"[…] ich denke aber, Carlsens Spielstil ist näher an Lasker als an Capablanca. […]" :

Jawohl ! :-)

freak40 - 04.02.19   +

Den Werdegang Kramniks sich vorzustellen ist wichtig.
Kindheit und Jugend...ein einziger Erfolg (es geht nur ums schachliche)
Sehr kombinationsreich gespielt.
Als junger Erwachsener direkt durchgestartet und...ja Kasparow Herausforderer geworden.
Kramnik wußte immer, daß er die Klingen um No. 1 mit Kasparow kreuzen würde/müsste.
Jetzt kommt das geniale: Schon etwa 2 Jahre vor ihrem Duell stellte er sein Schach um.
Trockene Stellungen....möglichst keine Dynamik (meines Erachtens läßt da Capablanca grüßen).
Sollte er sich mit Kasparow wirklich auf dessen Domäne einlassen?
So erklärt sich vielleicht, warum Kramnik mancherorts als "Langweiler" abgetan wird.
Der Kramnik der letzten 10/12 Jahren hat sein Repertoir verbessert: Er spielt die scharfen Varianten und meistens vollendet.

Vabanque - 04.02.19   +

Schöner Beitrag, freak40!

Ja, Kramnik konnte auch dynamisch spielen.

Der trockene Stil war zweckgerichtet :-)

Ich kenne etliche Partien von ihm, die das Diktum 'Langweiler' klar widerlegen.

Nebenbei gesagt, konnte auch Capablanca nicht bloß 'trocken' spielen ... bei einzelnen Partien von ihm ist man ebenso überrascht wie bei Kramnik.

Schlafabtausch - 05.02.19   +

Trocken = Effizient oder? Solange es erfolgreich und Siegführend ist hat er doch alles richtig gemacht. Auch das muss man können: Obwohl er vom Spielstil anscheined eher Dynamisch ist, hat er sich selbst das trockene auferlegt, weil das erfolgsversprechender war. Auch diese Diszipülin muss man erstmal haben.

Vabanque - 05.02.19   +

Genau; ähnlich ist Aljechin ja auch in dem WM-Kampf mit Capablanca vorgegangen: er hat diesen sozusagen mit seinen eigenen Waffen geschlagen. Erstaunlich jedoch, dass dies möglich war, d.h. dass Aljechin sich auch im Positionsschach Capablanca überlegen erwies.
Ähnlich hat es ja auch Kasparov später gegen Karpov ab dem 2. Wettkampf gemacht; nachdem er im ersten (später abgebrochenen) Wettkampf gegen Karpov mit seinem dynamischen Spielstil beinahe Schiffbruch erlitten hatte, stellte er seinen Stil radikal um.
Kramnik war so klug, dies schon vor dem WM-Kampf gegen Kasparov zu tun.

Für den Nachspielenden ist diese Art von Schach natürlich nicht gerade spannend, aber wie du richtig sagst, effizient.

Andererseits wurden Spieler, die sich das 'Trockene' nie angewöhnen konnten oder wollten, wie etwa Shirov, Morozevich, Nakamura und auch Aronian, nie Weltmeister. Dafür funkeln ihre Partien von brillanten Einfällen und skurrilen Stellungsbildern, und sind immer spannend nachzuspielen.

JamesBond007 - 05.02.19    

@ Vabanque :

"[…] Andererseits wurden Spieler, die sich das 'Trockene' nie angewöhnen konnten oder wollten, wie etwa Shirov, Morozevich, Nakamura und auch Aronian, nie Weltmeister. Dafür funkeln ihre Partien von brillanten Einfällen und skurrilen Stellungsbildern, und sind immer spannend nachzuspielen." :

... in der Tat ! :-)

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