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Philidor-Verteidigung

Tschechov - 27.12.19    

In einer facebook-Gruppe stieß ich auf die Bemerkung, objektiv betrachtet sei die Philidor-Verteidigung keine gute Wahl (was aber im Amateurbereich keine Rolle spiele, denn Schach sei nicht objektiv). In der Tat bin ich schon öfter über diese Bemerkung gestolpert. Ich selbst spiele gerne Philidor, an meiner bisherigen Bilanz (38 Spiele, 15 Siege, 12 Niederlagen, 10 Remis), gibt es für mich auch nichts auszusetzen, so wie bei meiner Spielstärke zu erwarten halt. Nun habe ich mir mal die bisherigen Spiele der ersten fünf hier in der cm-Rangliste angesehen. Wenn dort überhaupt Philidor-Partien auftauchten, war es stets der Gegner, der die schwarzen Steine führte und Weiß gewann immer. Hat Philidor im Spitzenschach nichts zu suchen? Und wenn das so ist: Warum nicht?

Coffins - 27.12.19   +

So weit ich es objektiv erklären kann, ist die Philidor-Verteidigung eine sichere, jedoch passive Eröffnungswahl. Wenn beide Spieler sich da auskennen, ist das schon ein klarer Weg in Richtung Remis.

Eine starke angreifende Verteidigung ist als Gegenstück nun mal Sizilianisch. Da kann man allein dafür ein Studium aufnehmen.

Im Vereinsschach und Mannschaftsspiel am Wochenende ist die Philidor-Verteidigung ganz sicher hier und da berechtigt. Im Spitzenschach zeigt man damit an, dass man ein friedliches Ende möchte ...

VG - Coffins :)

Plummelschwubb81 - 28.12.19    

Darf man fragen in welcher Gruppe das diskutiert wird? Nicht dass ich Ahnung von Philidor hätte, aber würde trotzdem gern beitreten :-)

Vabanque - 28.12.19   +

Die Philidor-Verteidigung kommt im Spitzenschach sehr selten vor, und das ist nicht erst seit heute so, sondern schon seit vielen Jahrzehnten.
Wie SF Coffins schon richtigerweise bemerkte, gilt sie zwar als solide, aber passiv. Varianten, in denen Schwarz lange Zeit wenig Gegenspiel erhält und erst einmal auf reine Verteidigung angewiesen ist, wecken nicht gerade das Interesse der Top-Spieler.
Im Amateur-Bereich trifft man allerdings auf ziemlich viele Spieler, die sich gerne erstmal passiv aufbauen, und auf einen Fehler bzw. eine Überstürzung des Angreifers bauen. Im mittleren bis unteren Spielstärkebereich hat man mit so einer Strategie auch häufig Erfolg, während auf GM-Niveau damit bestenfalls ein mühsames Remis zu erwarten ist.

Stellmacher - 28.12.19    

Philidor wäre ja evtl. eine interessante Idee für ein Thematurnier!?

Tschechov - 28.12.19    

@Plummelschwubb81:

https://www.facebook.com/groups/25011651..

Plummelschwubb81 - 28.12.19    

Merci :-)

triangel - 23.02.20   +

Ich spiele in Mannschaftskämpfen gegen Philidor (es kommt recht häufig vor in meiner Spielklasse) immer das Shirov-Gambit (1. e4 d6 2. d4 Sf6 3. Sc3 Sbd7 4. Sf3 e5 5. g4!?)
Sehr scharfe Variante in der ich mich besser auskenne.
Bisher hat noch niemand gegen mich das kritische Sxg4, die Annahme des Gambits gespielt. Vielleicht weil ich g4 immer ohne zu zögern spiele und damit den Eindruck von vorbereiter Variante erwecke ;)

Hanniball - 24.02.20  

triangel

...Hallo...du spielst eine Philidor- Eröffnung?

....die spielt man höchstens noch in einer Kreisklasse, denn mit dieser ist kein Staat zu gewinnen.

LG Hanniball

Hanniball - 24.02.20   ——

triangel

...Hallo...du spielst eine Philidor- Eröffnung?

....die spielt man höchstens noch in einer Kreisklasse, denn mit dieser ist kein Staat zu gewinnen.

LG Hanniball

Jupp53 - 24.02.20    

Gegen bestimmte Gegner spielt Igor Khenkin in großen Abständen Philidor als Überraschungswaffe und das sind, zumindest unter der Oberfläche ausgesprochen scharfe taktische Partien. Negi hat auch keine Varianten in seinem Buch, die Schwarz Angst machen müssen.

Es ist eine Kontereröffnung. Nicht mein Stil, aber wenn ich wieder zu 1.e4 zurückkehre, dann werde ich das nicht unterschätzen.

Stellmacher - 24.02.20   +

Philidor ist gerade gegen Spieler mit großer Klappe eine recht brauchbare Eröffnungswahl...

JamesBond007 - 24.02.20    

@ Stellmacher - 28.12.19

"Philidor wäre ja evtl. eine interessante Idee für ein Thematurnier!?" :

Da wäre ich sofort dabei, mit Weiss... und mit Schwarz! :)

MfG Marcel - alias JamesBond007

cesmoll - 24.02.20   +

Ich wäre auch dabei :)
Auch wenn es eine unwürdige Kreisklasse-Variante ist in manches Hochnasen-Augen.. :/
Auf anderem Niveau ist damit durch Staat zu machen.

cesmoll - 24.02.20    

*durchaus ( Das Mobiltelefon hat seinen eigenen Kopf..)

Vabanque - 24.02.20    

Im Übrigen hat SF triangel ja nicht geschrieben, dass er Philidor selbst spielt, sondern was er GEGEN Philidor spielt ...

Vabanque - 24.02.20    

Außerdem hat er seine Spielklasse nicht genannt. Selbst wenn es nur die Kreisklasse sein sollte, da kommt es dann immer noch auf das Brett an. Am 1. Brett kann man da durchaus Spieler mit 2000 oder gar 2100 DWZ antreffen, die auch Landes- oder Oberliga spielen könnten, dann natürlich nicht mehr an einem vorderen Brett.

Vabanque - 24.02.20    

Interessant ist übrigens auch die von SF triangel genannte Zugfolge. Da scheint Schwarz zunächst eine Pirc-Verteidigung spielen zu wollen, statt aber den Königsläufer zu fianchettieren, geht er in die Hanham-Verteidigung (um die handelt es sich ja wohl) über. Vermutlich geht man mit dieser Zugumstellung einigen unangenehmen Varianten bzw. Fallen aus dem Weg?

Alapin2 - 24.02.20    

Das Ganze gibt es sogar mit 3) ...e5 , gespielt u.a. von Caruana,Grischuk und
Rapport ! ( soviel zum Thema "Kreisklasse")
Also : 1) e4 d6 2) d4 Sf6 3) Sc3 e5
In diese Stellung kommt schwarz mit obiger Zugfolge fast immer herein !
Nix mit Königsgambit,Wiener Partie usw. wie in der "Klassischen" e4 e5 -Partie

Vabanque - 24.02.20    

Ah ja, das ist dann ähnlich dem Altindischen (1. d4 Sf6 2. c4 d6 3. Sc3 e5), nur ohne weißes c4. Ist auch gut spielbar, freilich kann auch noch Königsindisch draus werden (und wird es oft), wenn später doch noch g6 und Lg7 erfolgt. In ähnlicher Weise kann aus Philidor dann vielleicht später auch noch Pirc werden? Denn mit einem passiv auf e7 gestellten Königsläufer würde ich mich nicht wohl fühlen.

Es gibt ja auch Bücher, die 1... d6 gegen alles propagieren. Das System hat in der Tat den Vorteil, dass Weiß es nicht verhindern kann. Man muss die entstandenen Stellungen halt auch mögen.

Z.B. sehe ich nicht, warum Schwarz Königsgambit oder gar Wiener Partie fürchten sollte, eher ist doch Spanisch der Grund, warum viele Spieler auf 1. e4 nicht e5 spielen. Spanisch ist halt so unglaublich ausanalysiert, man muss viel Variantenwissen mit sich herumschleppen, wenn man sich auf so etwas einlässt. Da ist auch Russisch (1. e4 e5 2. Sf3 Sf6) nicht wirklich ein Ausweg, das Variantengetümmel ist dort schlimm genug, außerdem sind die entstehenden Stellungstypen schon sehr offen, das mag dann nicht jeder.

Vor diesem Hintergrund ist Philidor vielleicht gar keine schlechte Wahl. Weniger Varianten zum Lernen und relativ geschlossener Stellungstyp (wo Weiß mit 1. e4 doch etwas Offenes angestrebt hatte).

Alapin2 - 24.02.20    

Vabanque,Du hast ja Recht ! K.-gambit oder Wiener Partie sind in der Tat nicht zu
fürchten.Man kommt jedoch leichter über o.a. Zugumstellung ins Philidor;braucht
dann auch nicht soviel Theoriewissen !
Was das Ganze mit Spanisch zu tun haben soll,ist mir nicht klar : Da kommt man
auch über die "normale" Zugfolge 1) e4 e5 2) Sf3 d6 eher nicht rein.

Vabanque - 24.02.20    

Ja eben, Spanisch wird damit auch noch vermieden.

Alapin2 - 27.02.20    

Kann ich auch bei dem Philidor-Turnier mitspielen,wenn ich nicht bei "chess-
connektion" bin ?

KroMax - 27.02.20    

Ja.
Du müsstest dich nur als Gast/Mitglied bei uns anmelden Alapin.
https://chessmail.de/club/Chess_Connection

Beste Grüße
Max

triangel - 28.02.20    

@Hanniball ich spiele selbst kein Philidor, sondern begegne der Eröffnung desöfteren.
Ich spiele in der bezirksklasse. Also eins über der Kreisklasse A.
Londoner System, Grand Prix-Angriff, Skandinavisch, KIA sind unter Amateuren recht beliebt, weil die meisten irgendetwas spielen wollen wo sie die Züge abspulen können ohne zu denken.

Vabanque - 28.02.20    

Ja, aber das geht nur bis zu einem bestimmten Punkt, spätestens wenn der Gegner einen herausfordernden Zug macht, muss man anfangen zu denken. Oder wenn der Standard-Aufbau des jeweiligen Systems abgeschlossen ist.

triangel - 29.02.20    

habe ja nicht behauptet, dass man nicht nachdenken soll. Es erleichtert halt nur die erste Phase einer Partie. Es gibt ja viele Feinheiten/Zugfolgen, die man beachten muss. Die kann man nur meistern, wenn man die Stellung versteht. Ich beobachte oft, wie die Spieler ihr System abspulen, obwohl der Gegner einen kleinen Zug gemacht hat, der bei schablonenhafter Antwort zu einer schlechteren Stellung führt.
Ein Beispiel ist das Londoner Sytem, wo es manchmal besser ist c4 zu spielen anstatt c3.
Oder ein besonders schönes Beispiel: Carlsen - Tomashevsky, wo Carlsen im Londoner System seinen weißfeldrigen (!) Läufer auf d3 gegen einen Springer auf g6 abtauscht. Die meisten LS-Spieler spulen an dieser Stelle ihre schablonenhaften Züge ab und verpassen evtl. bessere Alternativen um entweder Vorteil zu erlangen oder einen Nachteil abzuwenden.

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triangel - 29.02.20    

Das ist übrigenst die Partie von der ich spreche:

Carlsen - Tomashevsky (13. Ld3xg6! mit der Idee Se5 und der Springer kann nicht mit f6 verjagt werden wegen Bauernverlust auf g6)
https://www.chessgames.com/perl/chessgam..