Annotated Games

Schacholympiade 2018 J. Tomczak - V. Kramnik

Oli1970 - 22.02.19   +

In der 4. Runde der 43. Schacholympiade in Batumi traf der polnische Großmeister Jacek Tomczak auf den russichen GM Vladimir Kramnik. Kramnik ging als Favorit ans Brett und dominierte die Partie lange Zeit. Aber auch Großmeister machen dann und wann eklatante Fehler, hier liefert Kramnik sogar eine kleine Serie. Als kleine Besonderheit zeigten die beiden in dieser taktisch geführten Partie das Matt.


[Event "43rd Olympiad 2018"]
[Site "Batumi GEO"]
[Date "2018.09.27"]
[Round "4.9"]
[White "Jacek Tomczak"]
[Black "Vladimir Kramnik"]
[Result "1-0"]
[BlackElo "2779"]
[ECO "C45"]
[Opening "Schottische Partie"]
[Variation "Mieses, 6...Qe7 7.Qe2"]
[WhiteElo "2614"]
[Termination "normal"]
[PlyCount "63"]

1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. d4 exd4 4. Nxd4 {In der Schottischen Partie
errichtet Weiß ein halbgeöffnetes Zentrum, das ihm eine leichte Entwicklung
seiner Figuren ermöglicht. Allerdings hat Schwarz genauso die Möglichkeit,
seine Figuren unkompliziert ins Spiel zu bringen. Vorteil und gleichzeitig
Nachteil dieser Eröffnung sind die relativ wenigen Variantenzweige.} Nf6
{In dieser Variante hat Weiß das Problem, e4 beschützen zu müssen, ohne
gleichzeitig die Entwicklung seiner eigenen Figuren zu behindern. Seine
Möglichkeit dazu ist Sc3, was aber Schwarz geradezu einlädt, weiterhin
anzugreifen.} (4... Bc5 5. Nxc6 Qh4 {Eine kleine Eröffnungsfalle: Schwarz
droht Dxf2#. Was als gute Idee aussieht, entpuppt sich als Reinfall.}
6. Nd4 {und Weiß hat einen Springer voraus.}) 5. Nxc6 bxc6 6. e5 {Mit Sxc6
wählte Tomczak einen kampfbetonteren Ansatz, um schnell die Initiative zu
bekommen - die Mieses-Variante, die komplizierte Stellungen verspricht.}
Qe7 7. Qe2 Nd5 8. h4 {Der gespielte Zug ermöglicht, den Turm früh ins Spiel
zu bringen, aber vor allen Dingen Lc1-g5.} Qe6 9. g3 {Hier wird ein
weiterer, hinter h4 verborgener Plan deutlich. Der Läufer hat nun die
Diagonale h3-c8, auf der er von seinem Turm gedeckt wird.} Nb4 {Wieder ein
Springerzug, statt weitere Figuren ins Spiel zu bringen. Allerdings so ganz
vernachlässigt Kramnik seine Entwicklung nicht. Der Zug drückt auf c2,
bereitet aber auch La6 vor.} 10. c4 {um La6 präventiv zu blockieren.} Ba6
11. Bf4 (11. a3 {Die sofortige Befragung des Springers ist nicht anzuraten.
Der Verlust des Turms wird nur dann aufgewogen, wenn der Springer die Ecke
nicht mehr verlassen kann.} Bxc4 12. Qxc4 Qxc4 13. Bxc4 Nc2+) 11... d5
12. a3 (12. exd6 Nd3+ {Die Dame ist gefesselt!} 13. Kd2 Nxf4 14. d7+ {Und nun
die Fesselung mit vertauschten Rollen.} Kxd7 15. gxf4) 12... Bxc4 {Kramnik
ist einen Bauern voraus.} 13. Qd1 Bxf1 14. Kxf1 Na6 {Viele Möglichkeiten
gab es ja nicht.} 15. Nc3 Nc5 16. b4 d4 17. bxc5 (17. Qxd4 {geht natürlich
nicht wegen} Nb3) 17... dxc3 18. Qd4 {deckt c5 und nimmt gleichzeitig den
Freibauern aufs Korn.} Rd8 (18... Qd5 {forciert den Damentausch, da sonst
Th1 hängt.} 19. Qxd5 cxd5) 19. Qxc3 Qd5 20. Kg1 Bxc5 21. Rc1 {erhöht den
Druck auf die c-Linie.} Bb6 22. h5 {Tomczak nutzt seinen h-Bauern und
droht, den Königsflügel aufzureißen.} (22. e6 {mit der Idee, den Weg für
Dxg7 freizumachen.} fxe6 23. Qxg7 Bd4! {Der Königsflügel ist zwar
aufgerissen, dennoch hat Weiß keinen Angriff mehr und Schwarz verfügt über
ein starkes Zentrum.}) 22... O-O 23. h6 Rfe8 {schafft ein Luftloch für den
König.} (23... gxh6 {mit Vorteil für Weiß.} 24. Rh4 h5! {andere Züge
verlieren, z. B.} (24... Rfe8 25. Rg4+ Kf8 26. Bxh6+ Ke7 27. Bg5+ {entweder mit Gewinn der Qualität oder starkem Angriff über Db4+ nebst Df4}) 25. Rxh5 f6
26. Qxc6) (23... g6 24. e6 Qd4 {wäre ebenso spielbar gewesen.}) 24. hxg7
Re6 {deckt c6 und sichert das Feld g6, da Kramnik mit Dc2 nebst Dxh7#
rechnen muss.} 25. Bg5 (25. Qc2 Rg6 {wehrt die Drohung Dxh7# nun schnell
ab.}) 25... Qa2? {Damit gerät Kramnik in Nachteil. Offenbar hat er
lediglich die Drohung Dxf2# gesehen, nicht jedoch die mögliche Verteidigung
wahrgenommen.} (25... Bd4 26. Qc2 {Neben der erwähnten Drohung Dxh7# auch
der einzige sinnvolle Zug.} (26. Qd2 Bxe5) 26... Rg6 {und Kramnik hätte
auf die gesamte g-Linie gedrückt.}) 26. Rh2 {Besorgt eine weitere Deckung
für f2 und erhält aber gleichzeitig den Druck auf der h-Linie. Bf2 ist von
Dame und Läufer angegriffen.} Rd5?? {Ein krasser Fehlzug von Kramnik, das
war es!} (26... Rd4 27. Qf3 Qd5 28. Qh5 Qe4 {mit Deckung für h7.}) 27. Qb4
{Auch auf f8 ist es schön.} c5? {Triplefehler von Kramnik. Wenn schon,
denn schon.} (27... Kxg7 {Nicht ganz so schlecht, aber mehr nicht.}
28. Qh4 Qxf2+ 29. Rxf2 Bxf2+ 30. Kxf2 Rdxe5 31. Rh1) (27... Rc5 {sieht nur
besser aus, ist es aber auch nicht.} 28. Rxc5 Bxc5 29. Qxc5 Qb1+) 28. Qh4
h6 29. Bxh6 Qb3 {Das Matt-Bild war ohnehin erreicht, Kramnik nimmt eine
Abkürzung.} 30. Bd2 Kxg7 {und wieder ein paar Züge gespart ...} 31. Qh8+
Kg6 32. Qh7# 1-0

Vabanque - 22.02.19   +

Eine wirklich seltsame Partie, die fast den Eindruck erweckt, dass es ziemlich einfach ist, gegen Kramnik zu gewinnen, und zwar auch noch aus schlechterer Stellung heraus, und ohne irgendwas Besonderes zu machen.

Obwohl ich mich schon einmal an einer Reihe über die Schottische Eröffnung (die Kellerdrache damals gestartet hatte) beteiligt habe, bin ich nach 8. h4 bereits 'out of book'. Üblich ist, so weit ich mich erinnere, c4. Den Randbauernzug habe ich noch nie gesehen, und doch ist er letztlich für den Partiegewinn verantwortlich, obwohl er eigentlich gegen die gesunden Eröffnungsprinzipien verstößt.

Nur sieht es ja zunächst sehr gut für Kramnik aus. Er gewinnt einen Bauern, und das, wie es scheint, sogar bei besserer Stellung. Einzig sein König findet keinen sicheren Unterschlupf, und genau das ist es, woran er letztlich scheitert.

Warum hat Kramnik denn im 18. Zug nicht mit Dd5, wie im Kommentar angegeben, den Damentausch forciert? Seine Stellung danach sieht doch eindeutig vorteilhaft aus, und so ein Gegenspiel am Königsflügel wie in der Partie hätte Weiß danach nicht mehr aufbauen können.

Dass Kramnik den Zug nicht gesehen hat, kann man bei jemandem wie ihm ausschließen. Also muss er die von ihm gewählte Fortsetzung für stärker gehalten haben. So wie er es gespielt hat, ist es aber zumindest komplizierter.

Bald zeigt es sich eben, dass der schwarze König nicht in der Mitte verbleiben kann, also rochieren muss, wonach er auch nicht viel besser dran ist. Denn der weiße h-Bauer läuft schnell. Nach 23. h6 gefällt mir Kramniks Stellung ehrlich gesagt überhaupt nicht mehr, egal wie es nun objektiv stehen mag.

Und man sieht ja auch, dass Kramnik mit der Verteidigung dieser Stellung nicht zurecht kommt.

Im Kommentar wird behauptet, dass Kramnik 3 Fehler direkt hintereinander macht. Abgesehen davon, dass es mir fraglich scheint, ob 27.... c5 noch als Fehler bezeichnet werden kann, da die schwarze Stellung da schon so und so verloren ist, ist das Phänomen, was hier passiert, wohl jedem Turnierspieler vertraut: Man macht einen suboptimalen Zug (hier 25... Da2), sieht, dass etwas schief läuft, und schiebt dann meist gleich einen ganz dicken Bock hinterher (hier 26... Td5).

Fehler passieren oft dann, wenn man sich schon nicht mehr wohl fühlt. (Umgekehrt passieren sie auch, wenn man sich allzu wohl in der Stellung fühlt und leichtfertig wird.) Man rechnet eine Reihe wenig befriedigender Züge durch, verwirft sie alle, und macht dann statt dessen einen ganz schlechten (den man nicht durchgerechnet hat).

Irgendwie muss Kramnik übersehen haben, dass Weiß Db4 mit Mattdrohung auf f8 spielen und damit anschließend seine Dame mit tödlicher Wirkung nach h4 bringen kann. Dabei ist es doch so einfach (sagt man hinterher, wie immer ... ).

Insgesamt finde ich, dass Kramnik in dieser Partie absolut nicht wiederzuerkennen ist. Fast möchte man meinen, dass die Namen der Spieler vertauscht wurden. Leider ist dies nicht der Fall.
Auf der anderen Seite ist es fraglich, ob Kramniks Gegner (dessen Name ich nie zuvor gehört hatte) auf diese Partie als große Leistung stolz sein kann. Denn eigentlich hat er nur einfache und selbstverständliche Züge gemacht.

Sicher, jeder Sieg gegen einen Exweltmeister verdient Beachtung, aber hier hat Kramnik seinen Gegner ja fast schon zum Sieg gezwungen.

Interessant ist die Partie trotzdem, oder vielleicht gerade wegen dieser Merkwürdigkeit.

Zumindest ist es tröstlich für uns alle, dass auch ein Kramnik mal solche Momente hat - wenn auch bloß einmal in 10 Jahren, wenn überhaupt.

(Wenn er wirklich, wie angekündigt, mit Schach aufhört, muss er sich ja bald nicht mehr über solche Partien ärgern ;-) )

Oli1970 - 23.02.19   +

Danke für Deine ausführlichen Anmerkungen, die sehr viele Überlegungen enthalten, die mich auch immer wieder beschäftigen. Z. B. warum schießt man diese entscheidenden Böcke, wenn man gerade vorher schon suboptimal gezogen hat? Das Bestreben ist, zu retten, was zu retten ist und stattdessen vergrößert man seinen Müll noch. Ist es Ärger über sich selbst? Der Wunsch, den vorherigen Zustand wieder herzustellen, trotzdem sich die Aufstellung gerade geändert hat, so dass man alles andere ausblendet?

Ich kenne es von mir selbst ähnlich. Nach einem kleinen Fehler kommt oft der dickere Bock hinterher. Im Versuch, den Patzer auszubügeln, wird ausgeblendet, dass der Gegner genau dies nicht im Sinn hat. In gewisser Weise passiert der eigene „optimale“ Zug unter der Voraussetzung, dass der Gegner im eigenen Sinne „optimal“ mitspielt und alles wieder schön ist. Ich rechne durchaus die Möglichkeiten durch, aber offenbar nur noch die, die für mich spielen. So ungefähr. Vielleicht ist das so, weil alles andere das eigene Ende vorherbestimmt oder weil man eigene Fehler nicht gerne wahrhaben möchte.

Kramniks dritter „Fehler“ ist sicher keiner mehr, der das Spiel verliert. Das ist im Zug vorher passiert. Es ist ein Fehler in dem Sinn, dass er nochmals nicht die objektiv stärkste Antwort findet. Vielleicht hat der Drehbuchschreiber mit seiner Wortwahl die Dramatik erhöhen wollen? ;-)

Tomczak kommt m M. n. zu hart weg. Immerhin gehört er in die Kategorie 2600, und die hat er sich irgendwie zusammengespielt. Wenn es „nur“ einfache und selbstverständliche Züge sind, die er spielt - zeichnet eine solide, klare Leichtigkeit nicht auch die Könner aus? Sicherlich muss man sagen, dass Kramnik mehr verloren als dass Tomczak gewonnen hat. Kramnik hat allerdings auch deutlich mehr Erfahrung und Routine. Tomczak mag schnörkellos gespielt haben, aber zielstrebig und fehlerlos. Seine Art Spiel kann ich als Hobbyspieler leichter nachvollziehen als jegliches tiefgründige Positionsspiel der großen Schachdenker.

Gerade wegen der relativen Einfachheit mag ich solche Partien. Sowas wie die Ideen hinter h4 in der Eröffnung kann man sich merken. Ungewöhnlich und unüblich, aber offenbar zu gebrauchen. Einfach eine Kleinigkeit, die man daraus mitnehmen kann.

freak40 - 23.02.19   +

Anmerkung zu Schottisch mit halt 8. h4

Gibt es da nicht eine hinreißende, irrationale Partie zwischen Nakamura (Weiß) mit Magnus?
Ausgang Remis
Ich habe meinen alten Compi verschrottet und mein Internet...halt tut ja nichts zur Sache.
Kurzum, ich komme nicht an meine Datenbanken und kann die Partie leider nicht anführen.
Sobald ich wieder über vernünftiges Equipment werde ich gerne suchen.

Dir Olli vielen herzlichen Dank für diese Partie!!

Zur Partie selber: Krammnik spielt 300 Partien und eine mißlingt ihm...mit dieser Quote kann man leben...ich will seinen Spielpartner (nicht Gegner!) nicht schmälern, aber bei einem Wettkampf hätte er wohl keine Chance.
Muß ja nicht stimmen.

An Alle: Have a nice time

Oli1970 - 23.02.19   +

Aber gern geschehen. :-)
Ich denke auch, dass Kramnik mit seiner Lebensleistung mehr als zufrieden sein kann. Es zeichnet ihn aus, dass er dem 28-jährigen die Gelegenheit gab, das Spiel zu beenden - er hätte genauso gut aufgeben können. Den Rest noch durchzustehen verdient Respekt.

Die Partie liegt seit Anfang Oktober auf meinem Rechner, sie fand im Turnier Beachtung. Vielleicht sagt das auch was über die anderen Partien des Turniers oder der Runde aus. Mir hat die Kommentierung Spaß gemacht, ich habe was aus dem Spiel mitnehmen können. Die Namen der Spieler dahinter sind mir egal. Gute und schlechte Tage haben wir alle. Schachlich oft mehr schlechte als gute. :-)

Oli1970 - 23.02.19    

Ich denke, Du meinst diese hier: http://www.chessgames.com/perl/chessgame.., richtig? Nakamura spielt ohne g3, nutzt h4 als Ausgang für seinen Turm. Das Spiel sieht interessant aus; mit seinen 73 Zügen dauert die Entdeckungsreise etwas. Asche auf mein Haupt, ich muss gestehen, dass mich Spiele solcher Länge abschrecken.

Kellerdrache - 23.02.19   +

Eine hübsche und, wenn man nicht vorher schon aufs Ergebnis geschaut hat, überraschende Partie. Ich hab sie probeweise einem Freund vorgeführt und der war nach 18...Td8 noch der Meinung, dass Schwarz besser steht oder doch zumindest bestimmt wo es lang geht. Schwarz kontrolliert die d-Linie, die weiße Rochade ist im Eimer und die Königsstellung hat mehr Löcher als ein Schweizer Käse. Warum sollte man sich da mit Remisvarianten al la 18..Dd5 beschäftigen ? Erst mit 25...Da2 kippt die Stellung.
Vermutlich hat Kramnik das Potential des Angriffs mit dem h-Bauern unterschätzt. Vor allem wie schnell es Weiß gelingt die Dame auf die h-Linie zu überführen

Oli1970 - 23.02.19    

Ich freue mich, wenn die Partie gefallen gefunden hat. Es stimmt, Kramnik hatte bis Da2 leichten Vorteil, dann leichten Nachteil. Wäre ihm der nachfolgende grobe Fehlgriff nicht passiert, wäre vermutlich auch dann noch alles drin gewesen. Wer weiß, was los war, ob er‘s tatsächlich einfach nur übersehen hatte; leider sind Hintergründe selten überliefert. Ich finde leider nichts im Netz, ob Kramnik die Partie kommentiert hat.

Vabanque - 24.02.19    

>>Oli1970 - 23.02.19

Danke für Deine ausführlichen Anmerkungen, die sehr viele Überlegungen enthalten, die mich auch immer wieder beschäftigen. Z. B. warum schießt man diese entscheidenden Böcke, wenn man gerade vorher schon suboptimal gezogen hat? Das Bestreben ist, zu retten, was zu retten ist und stattdessen vergrößert man seinen Müll noch. Ist es Ärger über sich selbst? Der Wunsch, den vorherigen Zustand wieder herzustellen, trotzdem sich die Aufstellung gerade geändert hat, so dass man alles andere ausblendet?<<

Genauso ist es.

>>Tomczak kommt m M. n. zu hart weg. Immerhin gehört er in die Kategorie 2600, und die hat er sich irgendwie zusammengespielt. Wenn es „nur“ einfache und selbstverständliche Züge sind, die er spielt - zeichnet eine solide, klare Leichtigkeit nicht auch die Könner aus? Sicherlich muss man sagen, dass Kramnik mehr verloren als dass Tomczak gewonnen hat. <<

Natürlich meinte ich mit 'einfachen und selbstverständlichen Zügen': auf diesem Spielniveau einfach und selbstverständlich. Ob ich sie gefunden hätte, ist trotzdem fraglich. Aber jeder GM und auch IM hätte sie gefunden. Dazu musste man kein Topspieler sein, und das ist Tomczak auch ganz bestimmt nicht. Er hat zwar tatsächlich 2600, aber ich habe mir mal angeschaut, gegen wen er bisher gewonnen hat. Da war Kramnik erst der zweite prominente Gegner. Der erste war Eljanov; eine Partie die fast noch seltsamer ist als obige.
http://www.chessgames.com/perl/chessgame..
67 Züge zwar, aber nach weniger als 40 Zügen hätte Eljanov die Segel streichen können. Tomczak hatte zu dem Zeitpunkt einen zentralen Freibauern und zusätzlich noch verbundene Freibauern am Damenflügel, wobei die Art und Weise, wie er sich dies erspielt hat, doch mehr als merkwürdig und nicht nachvollziehbar ist. Vermutlich hatte der Super-GM seinen jungen Gegner einfach bloß unterschätzt. In der Kramnik-Partie könnte es ähnlich gewesen sein.

Vabanque - 24.02.19    

>>Kellerdrache - vor 16 Std.

Eine hübsche und, wenn man nicht vorher schon aufs Ergebnis geschaut hat, überraschende Partie. Ich hab sie probeweise einem Freund vorgeführt und der war nach 18...Td8 noch der Meinung, dass Schwarz besser steht oder doch zumindest bestimmt wo es lang geht. Schwarz kontrolliert die d-Linie, die weiße Rochade ist im Eimer und die Königsstellung hat mehr Löcher als ein Schweizer Käse. Warum sollte man sich da mit Remisvarianten al la 18..Dd5 beschäftigen ?<<

Ich bin nicht sicher, ob es nach dem Damentausch Remis ist. Der schwarze Doppelbauer wäre aufgelöst, und Weiß hat immer noch Mühe, das materielle Gleichgewicht herzustellen.
Der Hauptpunkt wäre aber, dass nach dem Damentausch Weiß kein Gegenspiel mit dem h-Bauern mehr aufbauen kann.
Nach 18... Td8 sieht es zwar zunächst so aus, wie du schreibst. Aber die 'löchrige' weiße Königsstellung ist nicht angreifbar, weil Schwarz keinen weißfeldrigen Läufer mehr hat (und daher die Felderschwächen rund um den weißen König gar nicht ausnutzen kann), und die Rochade ist zwar 'im Eimer', doch steht der Turm auf h1 optimal zur Unterstützung des h-Bauern, der dann auf verblüffend einfache Weise dem schwarzen König nach der Rochade den Garaus macht.

>>Vermutlich hat Kramnik das Potential des Angriffs mit dem h-Bauern unterschätzt. Vor allem wie schnell es Weiß gelingt die Dame auf die h-Linie zu überführen<<

Da stimme ich doch komplett zu. Vor allem ist verblüffend, wie einfach sich das alles für Weiß spielt.