Chess topics

Marotten bei der Figurenaufstellung

Hasenrat - 21.09.18    

Mich würde mal eine kleine Erhebung interessieren, ob und wie man im Nahschach seine Figuren speziell ausrichtet - und sagt es was über den (Spiel-)Charakter aus, über nerdige Zwanghaftigkeit oder völlige vergeistigte Gleichgültigkeit gegenüber den Holzpöppeln, die ja nur für Gangarten und Kraftfelder stehen, hinaus?

Man kennt es ja: wenn man sich an's Brett setzt, rückt man erstmal die Figuren (alle?) zurecht. Minimalanforderung: sie stehen mittig auf ihren Feldern.

Aber dann geht es doch mit den Springern los: Ist es einem egal, wohin sie gucken, oder dreht man sie in eine bestimmte Richtung? Meiner Beobachtung nach drehen die allermeisten die Springer zurecht, entweder nach vorn (aggressiv!) oder zur Seite (besser zu fassen - der Pragmatiker!). Dass sie nach hinten gucken, erträgt wohl keiner.

Ich drehe tatsächlich (fast) jede einzelne Figur in eine bestimmte Ausrichtung. Das Kreuz der Königskrone muss parallel zur Grundlinie stehen. Und bei Türmen, Springern und Läufern möchte ich durch die Art der Ausrichtung ihre Flügelzugehörigkeit festhalten. Das heißt: der Königsspringer guckt schräg zum König, der Damenspringer guckt schräg zur Dame. Bei den Läufern werden die Schlitze der Bischofsmütze entsprechend ausgerichtet und bei den Türmen stehen die gedachten Zinnenkreuzlinien des Königsturms gerade, beim Damenturm schräg. Diese Ausrichtungen bemühe ich mich durch das ganze Spiel hindurch aufrecht zu erhalten, um die Flügelzugehörigkeit nachvollziehen zu können. (Meist bleibt es bei diesem seltsamen Vorsatz ... - wenn man erstmal zu denken anfängt, hat man andere Sorgen ...)

Tschechov - 21.09.18    

Zumindest was die Springer angeht, dürftest Du nicht allein sein. Wer die Springer nach hinten schauen läßt, hat schon verloren. :)

Hasenrat - 21.09.18    

Auch dies könnte ja ein psychologischer Kniff sein: betonte Geste der Nachlässigkeit - wenn es wie zufällig aussieht! Überhaupt die Aufstellung gar nicht zurecht rücken und wie hingerotzt stehen zu lassen, so wie vorgefunden, eilig aufgebaut vom Veranstalter.
Ich glaube, das würde den zwanghaften Gegner wahnsinnig machen! :-D

toby84 - 21.09.18    

Das ist wirklich hochinteressant. Vor dem nächsten Spiel stelle ich alle meine Figuren in ausgewürfelte Ecken ihrer Felder, und zwar während der kompletten Partie. die springer lasse ich 2/3 nach hinten schauen, das königskreuz zielt jederzeit auf den gegnerischen König. Ich habe schon so gut wie gewonnen.

Hasenrat - 21.09.18    

Und dann stößt du auf einen ordnungsfanatischen Gegner, der permanent übergriffig deine Figuren zurechtrückt. :-D

toby84 - 21.09.18    

Jedes Mal, wenn dieser Banause meine Figuren anfasst, ohne sie zu schlagen, lasse ich den Schiedsrichter antanzen ;)

Ich sehe schon, wie meine Beliebtheitswerte durch die Decke schießen (oder der wütende Gegnermob durch die Decke mich erschießt, wie auch immer)

Hasenrat - 21.09.18    

Ist es nicht erlaubt, dass der Gegner auf eigene Bedenkzeit unter "j'adoube!"-Ansage deine Figuren justiert?
Natürlich nicht permanent.

attacca - 21.09.18    

Ja absolut, er darf sich auch selbst matt setzen mit der fremden Figur.

duennbraddel - 21.09.18    

Ich achte penibel auf die korrekte Ausrichtung direkt in da face of da enemy. Jo. Unordentlich platzierte Figuren werden umgehend gedissst und womöglich abgetauscht.

Turbohans - 21.09.18    

So, nun stehen die Figuren, jeder so nach seinen Ritualen.
Wie ist es mit den dann folgenden Zügen? Schaut der Springer dann immer noch nach vorn? Werden die Figuren auch mittig gestellt?

Hasenrat - 22.09.18    

Kommt drauf an.

schachzeit - 23.09.18    

Bei mir steht der Springer immer mit dem Gesicht zur Seite, welche ist egal.

toby84 - 23.09.18    

Eine Hypothese: wer mit einer Hand den Springer zurechtdreht, wird ihn in fast allen Fällen so greifen, dass der Kopf zu der Seite hinzeigt, auf der sich Daumen und Zeigefinger befinden. Ich glaube von mir selbst, es in meinem ganzen Leben noch nicht anders getan zu haben, denn schon der Gedanke daran fühlt sich irgendwie falsch an. Angesichts der Beweglichkeit der Hand sind somit zwei Endstellungen möglich, nämlich für die rechte Hand der nach vorne oder zur linken Seite blickende Springer, für die linke Hand entsprechend der nach vorne oder rechts blickende Springer.

Akagi - 23.09.18    

Ich baue immer von innen nach außen auf, Bauernreihe danach und ja, die Gäule schauen immer nach vorne :)

Hasenrat - 28.08.19    

Hab jetzt beiläufig eine Umfragenstatistik zur Springerausrichtung gefunden. :-)

http://www.rochade-kuppenheim.de/die-spr..

Schlafabtausch - 29.08.19    

So einen ähnlichen >Thread gab es mal "Ritauale beim Schachspielen". zu deinem Hinweis >>Man kennt es ja: wenn man sich an's Brett setzt, rückt man erstmal die Figuren (alle?) zurecht. Minimalanforderung: sie stehen mittig auf ihren Feldern<<

Ja, das mache ich auch, aber nicht wirklich um die fguren aus zu richten, das ist bei mir der vorwand, dass niemand denk ich habe einen an der waffel...es geht bei mir darum jede figur einmal an zu fassen vor beginn der partie. So ähnlich wie wenn eine Mannschaft sich alle abklatschen und viel glück wünschen. ich will einfach einen Kontakt zu jeder figur herstellen, dass ich sie später nicht vergesse.

Wie sie dann tatsächlich stehen ist egal.

Voyaman - 29.08.19    

Meine Springer stehen immer in der Anfangsstellung mit dem Kopf nach rechts :))

taffarell - 01.09.19    

meine pferde sehen immetr die königin an.wenn sie nicht mehr da ist gibt es konfusion.

ydna - 02.09.19    

ich wusste nicht, dass die Springer sehen können - ich dacht die seien aus Holz. Werde aber demnächst darauf achten, daher danke

Schlafabtausch - 03.09.19    

Ne sind nicht zwingend aus Holz. gibt ja auch figuren aus Stein, Glas, Plastik, Metall, Schokolade...

EintrachtbS - 05.09.19    

Die Figuren sollen gefäligst dem Feind ins Auge schauen. Am Vereinsabend, wenn wir teilweise mit zusammengesammelten Figurensets spielen, stelle ich die kräftigsten Bauern immer ins Zentrum, da da erwartungsgemäß der wichtigste Kampf stattfindet.

Vabanque - 05.09.19    

>>Am Vereinsabend, wenn wir teilweise mit zusammengesammelten Figurensets spielen<<

Das kenne ich auch. Der Bauer ist z.B. dann größer als der Läufer und wird gelegentlich auch für einen solchen gehalten ;-)

Schlafabtausch - 12.09.19    

Es kommt halt DOCH auf die Größe an!

Hasenrat - 12.09.19    

Eine ultimative psychologische Wirkung verspräche ich mir davon, zu Partiebeginn demonstrativ nicht die üblichen Zurechtrückereien und abergläubischen Befingerungen der platzierten Figuren vorzunehmen, sondern allein die Bauernreihe in der Art eines Hütchenspielers in wahnsinnig fingerfertigem Tempo durch die Bank untereinander die Plätze tauschen zu lassen und dabei unverwandt mit stechendem Blick den Gegner zu fixieren - die Wirkung dürfte kolossal und das 1:0 nicht mehr zweifelhaft sein ...

aguirre - 12.09.19    

zu Partiebeginn...., Du fängst mit dem A Bauern an, Dein Blick sticht..... und Dein Gegner sagt trocken "berührt geführt" :-)

Schlafabtausch - 13.09.19    

Es geht ja hier wie ich das versteeh um die Intrinsische Motivation des Zurechtrückens etc, also nicht darum ob jemand was macht um eine Auswirkung zu haben auf den Gegner, sondern für SICH. Wie gesagt, ich fasse alle Figuren einmal an vor Partiebeginn, wobei es mir nicht um das zurechtrücken geht, sondern um ein "Kontakt herstellen". Wie das psychologisch auf den Gegner wirkt spielt dabei für mich keine Rolle.

Psychotricks wende ich andere an :-D

This post can no longer be commented