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Kommentierte Spiele

Oli1970 - 05.09.20   +
Kommentierte Spiele
Bis heute sind 370 Partien von Großmeistern und nicht ganz so großen Meistern auf chessmail kommentiert worden. Gezählt wurden dabei Partien, die ausführlich kommentiert sind und einen gewissen Lehrwert haben. D. h. besonders die frühen Partien zwischen chessmail-Nutzern sind nicht eingeflossen oder auch Partien, die einen eher illustren Charakter haben wie z. B. Bill Gates oder einige - sorry, pirc_! - grandiose Niederlagen in nur wenigen Zügen. Nicht enthalten sind ebenso Partien, die nicht kommentiert wurden oder wo lediglich auf Kommentare anderer Plattformen verwiesen wurde. In diese Statistik geschafft haben es eine Partie zwischen toge und johannba sowie drei Spiele von Executor.

Das dreckige Dutzend - die Spieler mit dem meisten Partien
Spitzenreiter ist Magnus Carlsen mit 14 Partien, auf dem geteilten 2. Platz stehen Vladimir Kramnik und Boris Spassky mit 13 Spielen.
Aronian ist mit zwölf Partien vertreten, Anand, Retí und Topalov mit je elf und Botvinnik, Karpov und Tal mit je zehn. Fischer und Kasparov folgen mit neun Begegnungen.

Erfolge
Von den 370 Partien wurden 242 von Weiß gewonnen, 116 von Schwarz. Weiterhin wurden 12 Remis-Partien vorgestellt.

Jung und alt
Die älteste Partie ist Anderssen - Kieseritzky von 1851, die jüngste momentan vom 22.03.2020 (Alekseenko - Vachier-Lagrave).

Schwarz und weiß
Die am häufigsten auftretenden Spieler in den Farben sind Spassky mit zehn Spielen als schwarzführender und Carlsen mit elf als weißführender Spieler.

e4 oder d4
Die Hälfte der Spiele begannen mit e4, etwas mehr als ein Drittel mit d4.

Groß oder klein
In über 50% der Partien wurde in den ersten 20 Zügen gleichseitig rochiert, in 12% zu verschiedenen Seiten.

Die Anfänge
Shaack stelle am 02.02.11 das Forum "Kommentierte Spiele"vor. Am 04.02.11 stellte Beton ein erstes Spiel vor. Der heutige PGN-Viewer zeigt nun die Varianten an, die damals bereits in der Partie eingearbeitet waren, jedoch vom Vorgänger nicht verarbeitet werden konnten. Am gleichen Datum veröffentlichte shaack "Die unsterbliche Partie" zwischen Anderssen - Kieseritzky, dessen PGN-Datei heute leider nicht mehr angezeigt wird.

Der Vorreiter
Am 29.07.2012 entstieg ein bestimmter Account einem Buch über Dawid Janowski und startete sein erstes Spiel auf chessmail. Diese Geburtsstunde ist an und für sich noch kein besonderes Ereignis. Nach Monaten in Kindergarten, Grundschule, Abitur und Studium wurde aus diesem chessmail-Kind ein begnadeter Kommentator, der am 15.12.13 begann, sein Werk der Öffentlichkeit vorzustellen. Vabanque startete mit der Reihe "Große Partien der Schachgeschichte", die es auf sage und schreibe 36 Folgen brachte und damit die bisher zweitlängste Reihe in den kommentierten Spielen ist. Vermutlich ist es aber die Reihe mit dem längsten Titel. Hasenrats Vorschlag, den Titel auf "GroPaScha" abzukürzen, konnte sich nicht durchsetzen.

Die Spitzenreiter
Vabanque mit weitem Abstand - 240 der 370 Partien, und damit fast zwei Drittel - sind von ihm kommentiert worden. Das nächste Drittel mit 80 Spielen hat der Kellerdrache beigesteuert. Sind übrigens wirklich runde Zahlen, keine gerundeten. Nicht mitgezählt und damit obendrauf kämen noch Vabanques Kurzkommentierungen zu z. B. Kandidatenturnieren.

Die glorreichen Sieben bis Acht
1. Glanzpartien unbekannter Spieler mit 40 Folgen von Vabanque.
2. Große Partien der Schachgeschichte (36, Vabanque)
3. Brillante Mattangriffe (30, Vabanque) endet mit Folge 29. Dafür gibt es Nr. 6 gleich zweimal, hat aber irgendwie keiner gemerkt.
4. Deutsche Schachgeschichte (15, Kellerdrache)
und Verlustpartien der Weltmeister (15, Kellerdrache & Vabanque)
5. Die Vergessenen (13, Kellerdrache & Vabanque)
6. 100 Jahre Schach (11, je eine pro Jahrzehnt von 1916 und 2012, Kellerdrache & Vabanque)
7. Locker, leicht und lehrreich (10, Vabanque)

Erwähnenswert ...
... weil oft als fade angesehen ist die Reihe "Glanzvolle Remis" (9 Partien von Kellerdrache & Vabanque), die vorführt, das Remispartien eben doch nicht immer fade sind.

Die lehrreichste Reihe
Heißt "Locker, leicht und lehrreich" mit Motiven, die anhand von zumeist einfachen Partien ausführlich besprochen werden. Das Highlight: Jede Partie ist mit einem Vor- und Nachwort versehen, in denen der Autor (jaja, er schon wieder) erläutert, welche Merkmale in der Partie vorgeführt werden und was der Lernende daraus mitnehmen kann. Warum die letzten zwei Folgen "Leicht, locker und lehrreich" heißen, hat der Autor bislang nicht verraten.

Der längste Thread
... mit den noch nachlesbaren Antworten ist ein Ratespiel um Jahr und Spieler einer bestimmten Partie, welches es auf 58 Antworten brachte. Partie und Thread finden sich unter https://www.chessmail.de/forum/topic.html?key=9fb479a2d36d296b0.

Wer Irrtümer oder Fehler findet, darf sie korrigieren!
gammapappa - 05.09.20    
Feiner Beitrag, steckt eine ganze Menge Arbeit drin. Man merkt der Sommer geht zu Ende und es steht wieder mehr Zeit fürs Schach zur Verfügung. Es eine Statistik, die Spaß macht zu lesen, weil sie nicht so todernst daherkommt.
Danke Oli.
Tschechov - 05.09.20    
Ich hoffe, Schachlehrer Vabanque wird in Sachen "Lehrreiche Partien" weiter aktiv bleiben. Ich selbst gehöre zwar nicht unbedingt zur Zielgruppe, aber dennoch kann ich mir vorstellen, dass es viele Interessenten gibt. Symphatisch, dass Spassky in der Statistik vor Fischer liegt, er ist mein tragischer Held.
Vabanque - 05.09.20    
>>3. Brillante Mattangriffe (30, Vabanque) endet mit Folge 29. Dafür gibt es Nr. 6 gleich zweimal, hat aber irgendwie keiner gemerkt.<<

>> Warum die letzten zwei Folgen "Leicht, locker und lehrreich" heißen, hat der Autor bislang nicht verraten.<<

Ha ha, daran sieht man wieder mal, wie 'betriebsblind' man selber ist :-)
Oli1970 - 06.09.20    
Vielen Dank für die netten Worte - schön, wenn Euch die kleine Historie etwas Spaß gemacht hat.

@Gammapappa - Dich darf man schon zu den chessmail-Urgesteinen zählen, Du bist still geworden in der Rubrik. Schön, dass Du mitliest und danke für Dein Lob!

@Tschechov: Warum siehst Du dich nicht zur Zielgruppe gehörig? Ich glaube, diese Kommentare sind gerade für Leute wie Dich und mich gemacht. Praktisch alles ist erklärt oder kann im Dialog geklärt werden. "Locker, leicht und lehrreich" hat mich zur aktiven Teilnahme am Forum gebracht, seither beschäftige ich mich intensiver mit Schach und im Bücherschrank musste Platz geschaffen werden.

Aus der Reihe habe ich für mein Spiel mehr mitgenommen, als aus sämtlichen Schachbüchern, die nie "alles" erklären und vor allen Dingen auf offene Fragen keine Antworten geben können oder für immer noch unverständliche Passagen keine anderen Worte finden. Ich muss vielleicht erklären, dass ich in keinem Schachverein bin oder war. Bücher, Internet und nicht zuletzt chessmail sind meine Lehrer.
Seit ich mich selbst an Kommentierungen versuche, weiß ich, dass das alles andere als schnell und einfach ist, da ich z. B. immer versuche, die mir unverständlichen Passagen zu recherchieren und in die Partie einzuarbeiten. Meine Defizite sind die Messlatte für die Länge der Kommentierung. :-) Engines nutze ich natürlich, sie zeigen aber bestenfalls, wo der Blick hinzurichten ist - nicht, warum, außer wenn das Matt vor der Tür steht. Ob ich dadurch besser spiele? Keine Ahnung, ich glaube schon. Jedenfalls achte ich auf mehr und vermute hinter Ta1-c1 eher einen Plan als einen Abwartezug. ;-)

Wie wird das gesehen? Zielgruppe oder nicht? Bringt die Rubrik voran - oder doch nicht? Ist so eine Partie Genuss oder Arbeit - oder gar Verschwendung von Freizeit? Sammelt Ihr die Folgen für die Ewigkeit oder ist das Kost für den Augenblick? Seit "Locker, leicht und lehrreich" habe ich hier keine Partie mehr ausgelassen und mittlerweile alle (370) für mich interessanten Partien zusammengetragen.


Errata
Die Reihe "Bemerkenswerte Endspiele" kam auf 12 Teile und somit noch vor "100 Jahre Schach", Vabanque verdrängt sich (und gemeinerweise meine Lieblingsreihe) selbst. Manchmal schläft man besser eine Nacht drüber, bevor man auf "Veröffentlichen" klickt ... soviel zu "betriebsblind". :-)

Keine Korrektur
Das mit den Dritteln kann ich, nicht, dass sich jemand beschwert hätte - hier war es der Dramaturgie geschuldet. Wahnsinn, dass im Wesentlichen zwei Leute über so lange Zeit geduldig immer wieder Spiele zeigen und Fragen beantworten. Danke!
Vabanque - 06.09.20    
Dass sich SF Tschechov nicht zu Zielgruppe gehörig fühlt, hat mich ebenfalls erstaunt.

Ich habe zwar die Zielgruppe für die Kommentierten Spiele nie explizit formuliert, erstens weil ich ein möglichst breites Publikum ansprechen und niemanden von vornherein vergraulen wollte, und zweitens weil ich mir selber darüber nie so klar geworden bin. Vornehmlich habe ich mich aber immer an die 'mittelstarken' Spieler gerichtet, weil ich bestimmte Grundkenntnisse meist vorausgesetzt habe (z.B. was eine Fesselung, eine Gabel, ein isolierter Bauer, ein Damengambit oder eine Opposition im Bauernendspiel ist). Für ganz starke Spieler sind meine Kommentare wohl größtenteils uninteressant, weil sie nur darstellen, was der starke Spieler sowieso selber sieht bzw. weiß.
Tschechov - 07.09.20    
Nun ja, vielleicht habe ich mein Licht allzu sehr unter den Scheffel gestellt (kann mir eigentlich jemand sagen, wo dieses Sprichwort herkommt? Was ist ein Scheffel?).