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1. e4 ...?

Tschechov - 01.08.20    

Im neunzehnten Jahrhundert war die beliebteste Erwiderung auf 1. e4 e5. Man bevorzugte also offene Spiele. Heute ist 1. e4 e5 nicht mehr die beliebteste Erwiderung, der Doppelschritt des schwarzen Königsbauern wurde durch c5, also sizilianisch, auf die Plätze verwiesen. Welche Eröffnungen folgen aber eigentlich in der Beliebtheitsskala? Ich meine mich zu entsinnen, mal gelesen zu haben, daß auf Platz 2. französisch rangiert, gefolgt von Caro-Kann. Stimmt das?

Vabanque - 01.08.20    

In der Datenbank von chesstempo.com kann man die Häufigkeiten der Eröffnungszüge nachlesen.

https://old.chesstempo.com/game-database..

Bis hin zur Spielstärke 2500+ (wählbar rechts oben im Scrolldown-Menü) ergibt sich auf 1. e4 folgende Häufigkeitsreihenfolge:

1... c5
1... e5 (!)
1... e6
1... c6
1... d6
1... g6
1... d5
1... Sf6
1... Sc6
1... b6

gefolgt von 'Exoten'.

Ab der Spielstärke 2600+ rangiert aber 1...e5 interessanterweise wieder vor 1... c5.
Dies steht in Einklang mit der Tatsache, dass auf Weltspitzenniveau Sizilianisch als eher riskant gilt und nur gespielt wird, wenn es um Sieg oder Tod geht. Geht es darum, das Remis in der Hand zu behalten, ist 1... e5 sicherer.

Tschechov - 01.08.20    

Danke! Ich habe festgestellt, daß ich selbst auf 1.e4 meist mit e5 antworte. Sizilianisch ist eine Wissenschaft für sich, ich kann das einfach nicht gut. Und bei französisch schreckt mich die Abtauschvariante ein bißchen ab.

Vabanque - 01.08.20    

Ich habe jahrzehntelang Französisch gespielt, jetzt nur noch selten.

Die Abtauschvariante ist einer der Gründe, die Vorstoßvariante ein anderer. Mit beiden kam ich nie so richtig gut zurecht, allerdings aus verschiedenen Gründen.

Auch wenn Caro-Kann heute erschreckend weit hinten in der Beliebtheit zu rangieren scheint, so darf man nicht vergessen, dass dies einst die Lieblingsverteidigung von Botwinnik war.

Auch wenn im Spitzenschach Caro-Kann nur noch eine geringe Rolle spielt: Für Amateure, die eine bombensichere Verteidigung gegen 1. e4 suchen, dürfte Caro-Kann immer noch erste Wahl sein, da die meisten Varianten weniger kompliziert als bei Französisch, Pirc oder gar Sizilianisch sind.

darkenergy - 01.08.20    

wenn nach 1. e4 e5
2.Sf3 kommt schwenke ich gerne in die russische (Petrow) verteitigung ein :)
absolut solide für schwarz und schwer zu knacken für weiß...

Vabanque - 01.08.20    

Man muss sich aber auskennen.

darkenergy - 01.08.20    

<<Man muss sich aber auskennen>>

aber das gilt doch für jede eröffnung/verteitigung wenn man was reißen möchte, Vabanque :)

Vabanque - 01.08.20    

Stimmt leider :-/

crimsonfripp - 07.08.20    

"Auch wenn Caro-Kann heute erschreckend weit hinten in der Beliebtheit zu rangieren scheint, so darf man nicht vergessen, dass dies einst die Lieblingsverteidigung von Botwinnik war.

Auch wenn im Spitzenschach Caro-Kann nur noch eine geringe Rolle spielt: Für Amateure, die eine bombensichere Verteidigung gegen 1. e4 suchen, dürfte Caro-Kann immer noch erste Wahl sein, da die meisten Varianten weniger kompliziert als bei Französisch, Pirc oder gar Sizilianisch sind."

Will ich mal unterstützen, insbesondere die Hauptvariante ist nicht allzu schwer zu erlernen.
Und da der Name Botwinnik fiel, kann man noch weitere Titelträger aufzählen: Karpov, Capablanca und Smyslov.
Bei den letzten beiden gibt es auch ein System, das nach Ihnen benannt ist.
Und Karpov hat ein Buch über Caro-Kann geschrieben.

Was man allerdings schon sagen sollte:
Caro-Kann ist etwas für Strategen und Spieler mit Geduld - und auch für jemand, der gerne auch erst im Endspiel gewinnt.
Taktiker schlafen dabei eher ein bzw. sind in der Gefahr zu früh loszuschlagen :-)

Turmgabel - 07.08.20    

Die gesunkene Beliebtheit von Caro-Kann dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass die Weißspieler aktive Möglichkeiten gefunden haben, den Gegner beim Aufbau seiner soliden Stellung zu stören - z. B. durch frühes g4 (nach schwarzem Lf5). Es ist also sehr fraglich, ob Karpow, Capablanca & Co, wenn sie heute aufstrebende Supertalente wären, sich noch einmal für Caro-Kann als eine ihrer Hauptverteidigungen gegen e4 entscheiden würden.

Wilf - 07.08.20    

Möchte jemand (mit Weß) Caro-Kann gegen mich spielen ;-)

Alapin2 - 07.08.20    

Hehe,da war ich auch schon reingefallen ! Vorsicht,der ist richtig gut !!! (War als Lob
+Warnung gedacht !!)

Vabanque - 08.08.20    

>>Es ist also sehr fraglich, ob Karpow, Capablanca & Co, wenn sie heute aufstrebende Supertalente wären, sich noch einmal für Caro-Kann als eine ihrer Hauptverteidigungen gegen e4 entscheiden würden.<<

Guter Aspekt! Es kann natürlich auch sein, dass sie nach Verbesserungen für Schwarz gesucht und diese dann auch gefunden hätten, so wie es schon manchmal der Fall war, wenn ein Top-Spieler eine bisher als zweifelhaft angesehene Variante durch eigene Neuerungen wiederbelebt hat (ich denke jetzt spontan an Verbesserungen in der Tschigorin-Verteidigung und im Albin-Gegengambit durch Morozevich).

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Caro Kann 'widerlegt' ist oder sich überhaupt widerlegen lässt. Es gibt halt Varianten, in denen Schwarz sehr präzise spielen muss. Und die man dann genau kennen muss, wie in jeder Eröffnung, wie oben schon mal jemand anmerkte :-)

Vabanque - 08.08.20    

Kritisch bzw. manchmal an der Grenze zur Widerlegung sind eher Pirc (1... d6), Aljechin (1... Sf6), Skandinavisch (1... d5), Nimzowitsch (1... Sc6). Aber auch hier wurden dann immer wieder Verbesserungen für Schwarz gefunden, welche die entsprechende Spielweise noch spielbar erhalten. Im Sizilianer wurde der 'Drachen' ja schon mehrfach totgesagt, und lebt auch noch. Selbst in Französisch und Russisch gibt es kritische Abspiele, wo Schwarz sehr genau spielen muss, um nicht unter die Räder zu kommen. Mit Schwarz zu spielen ist halt generell kein Honiglecken :-/
Vielleicht liegt die Lösung ja doch in einer total unorthodoxen Aufstellung (1... a6 und b5 oder 1... h6 und g5), um den Weißspieler von vorneherein aus seinem ganzen Repertoire zu werfen? ;-)

crimsonfripp - 08.08.20    

@ Turmgabel:
Mit Deinem Hinweis auf frühes g4 nach Lf5 spielst Du auf die Vorstoßvariante an?
Also etwa e4,c6 - d4,d5 - e5, Lf5 - Sc3,e6 - g4, Lg6?
Will ich dir zustimmen, mag ich auch nicht.
Genauso nervig finde ich, wenn Weiß im 4. Zug Sf3, also die Short-Variante spielt.

Aber dem weiche ich in der Vorstoßvariante einfach aus, in dem ich auf 3. e5 mit 3... c5 antworte.
Habe ich gute Erfahrungen gemacht, habe ich bei cm erst einmal verloren, in Turnierpartien noch gar nicht.