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Was ist eure Lieblingseröffnung? Und was nicht?

Tschechov - 01.02.19    

Ich weiß, daß es einen solchen thread hier schon mal gab, aber bestimmte Fragen veralten ja nicht bzw. die ehemaligen Antworten darauf schon, so daß die erneute Nachfrage durchaus lohnen kann. Also hier meine Frage: Welches ist eure Lieblingseröffnung (wenn ihr eine habt)? Und, falls ihr diese Frage auch noch beantworten wollt (beinhaltet ja ein gewisse Risiko, über seine Schwächen zu plaudern): Welche Eröffnungen mögt ihr überhaupt nicht? Ich gehe mit gutem Beispiel voran. Mit Weiß spiele ich sehr gerne Königsgambit, meine bisherige Bilanz: 42 Spiele insgesamt, 30 mal Weiß gespielt, mit Weiß 18 mal gewonnen, 8 mal verloren. 2 Remis. Gesamtbilanz 21 Siege, 14 Niederlagen, 6 mal Remis. 1. d4 meide ich zur Zeit, da ich aktuell nicht gerne Damengambit spiele, ich kriege da irgendwie nicht genug Dampf hinter mein Spiel mit Weiß. Mit Schwarz bei 1.e4 sehr gerne Französisch, 39 Spiele bisher gesamt, mit Schwarz 15 Siege bei 12 Niederlagen und drei mal Remis, Gesamtbilanz 21 Siege, 14 Niederlagen bei 4 mal Remis. Bei 1.d4 spiele ich mit Schwarz meist 1. ...Sf6, da ich, wie ich bereits sagte, das Damengambit nicht mag. Ein Mysterium ist englisch für mich. Bei bestimmten Eröffnungen sieht meine Bilanz sehr gut aus, was ich aber lediglich für einen - falls man das so nennt - statistischen Ausreißer halte. So könnte man mich, wenn man hört, daß ich 80% meiner Läuferspiele gewonnen habe, für einen ausgewiesenen Kenner dieser Eröffnung halten. Tatsächlich habe ich aber bisher nur 10 Läuferspiele absolviert, würde ich diese Eröffnung häufiger spielen, wäre meine Bilanz vermutlich nicht so gut. Habt auch ihr Lieblingseröffnungen?

Jupp53 - 02.02.19    

Da ich keine Turniere mehr mitspielen kann, nur noch online spiele und von 1.d4 nach e4 gewechselt habe eine historische Antwort.

Mit Schwarz Russisch, weil sich damit unter 2000 extrem gut auf Gewinn spielen ließ. Ich bin, um dazu zu lernen, auf Sizilianisch - Kan gewechselt. Mit Weiß Sizilianisch Rossolimo und Moskau. Da waren viele Schwarzspieler schon im Ansatz genervt. Zumindest Rossolimo ist deutlich aggressiver als Alapin.

Deine Vorlieben und Abneigungen führen bei mir zu einer Frage: Greifst Du auch dann gerne den König an, wenn eigentlich das Zentrum oder der Damenflügel zu bespielen wären? Falls ja, dann solltest Du Dir das ansehen und daran arbeiten. Am besten mit Fragen an bessere Spieler oder einem Trainer.

Schlafabtausch - 02.02.19    

Ich spiele mit weiss seit 30 Jahren fast ausschließlich den stonewall Angriff. Für mich eine der meist unterschätzen Eröffnungen. Ist nicht widerlegt, nur aus der Mode stonewall.mit schwarz findet man sogar auf GM Niveau, mit einem Tempo mehr als weiss soll es dann schlecht sein? Die Stellung ist sehr fest ich kann sie aber jederzeit zu einem für mich günstiger Zeitpunkt überfallartig öffnen und die darin gespeicherte Bewegungsenergie zu einem Angriff auf die gegnerische kurze rocharsttellung nutzen. Klar kann ich die nur unter bestimmten Voraussetzungen aufbauen aber das gilt ja für jede Eröffnung. Die Voraussetzungen habe ich aber in 90% der spiele auf meinem Niveau also Gegner in meiner Spielklasse hindern mich meist nicht rechtzeitig drann und erkennen zu spät was kommt, zumal ich sie über 1.d4 einleiten, die stonewall vom Charakter her aber f4 also holländisch ist, ich gehöre also zu denen die es unter zugunsten spielen.

Mit schwarz habe ich gegen 1.e4 sehr lange skandinavisch gespielt, da dann die Hauptvariante also den Wikinger Aufbau. Ich bin aber zur nimzowitsch Verteidigung übergegangen mit 1.e4 Sc6 2.d4 d5 also ähnlich dem skandinavisch aber ich spiele dt erst im zweiten Zug was aber tatsächlich viel dynamischer ist.

Gegen 1.d4 habe ich nicht so richtig was, da kommt meist entweder Owen Verteidigung, nimzondisch oder was Marke Eigenbau.

Was ich nicht mag ist sizilianisch. Das muss ich mir aber auch garnixht ansehen da ich das gegen 1.d4 eh nicht aufs Brett bekomme.

patzer0815 - 02.02.19    

Sizilianisch war bei mir auch recht früh der Grund, warum ich auf 1.e4 gänzlich verzichtete. In Traingspartien habe ich es immer mal wieder mit beiden Farben gespielt, aber für Turnierschach und meine Art zu spielen scheint es mir zu theorielastig.

Französisch mag ich an sich sehr, spiele es aber auch in Turnierpartien praktisch nicht mehr. Die Abtauschvariante ist für Weiß halt ein chancenreicher Weg auf Remis zu spielen, wen ihm das reicht. Grundsätzlich aber eine grundsolide Eröffnung.

Russisch bewerte ich ähnlich und habe das auch früher gern gespielt.

Caro-Kann hat diesen Nachteil (dass Weiß leicht auf Remis spielen kann) nicht. Ich habe da auch immer etwas sorgen, dass ohne tiefe Theoriekenntnisse zu spielen. Es ist aber sicherlich eine solide Eröffung mit Potenzial auf ein reichhaltiges Spiel mit Schwarz.

Wenn man entsprechend Arbeit leisten will und ein dnamischer Spieler ist kann ich gegen 1.e4 auch das Colorado-Gambit sehr empfehlen 1.e4 Sc6 2.d4 f5.




Gegen 1.d4 sind aus meiner Sicht praktisch alle gängigen Systeme auch theoretisch empfehlenswert. Persönlich ist meine Erfahrung, dass das Wolga-Gambit in der Praxis sehr aussichtsreich ist, wenn ich es auch theoretisch für nicht vollkommen geeignet um mit Schwarz (mindestens) auszugleichen.

Übrigens bin ich vor einiger Zeit von einem einige hundert DWZ-Punkte stärkeren Spieler von einer interessanten Idee im Grünfeld-Inder konfrontiert worden:
1.d4 Sf6 2.Sf3 g6 3.c4 Lg7 4.g3 0-0 5.Lg2 c5 6.Sc3 d5 7.dxc5 Da5 8.cxd5 Sxd5 9.Dxd5 Lxc3+ 10.bxc3!?
10. ... Dxc3+ 11.Dd2 Dxa1 12.0-0

Hasenrat - 02.02.19    

Interessant sind ja auch Eröffnungen, die man gern zu Lieblingseröffnungen machen würde, sie sich aber nicht zu spielen getraut - entweder, weil sie übel beleumundet sind, oder weil man sie gar nicht beherrscht.

Zu ersteren rechne ich bei mir jetzt aktuell die aus der ECO-Gruppe C20 1. e4 e5 2. Dh5 (Variante der Napoleon-Eröffnung mit 2. Df3, nicht?). :-)
Aktuell von Carlsen gespielt (bei der WM in St. Petersburg, Rapid), früher aber auch, auch auf GM-Niveau, von Nakamura. Beide GM-Partien gingen auch für Weiß verloren, aber nicht wegen der Eröffnung, sondern wegen Fehler im Mittelspiel. "... 2. Dh5 ist keineswegs ein Verlustzug, er ist nicht einmal direkt schlecht", so die Partiebesprechung in der aktuellen Ausgabe des Schachmagazins 64 auf S. 9.
Aber ernsthaft anwenden könnte ich diese Eröffnung wohl nicht: alle Reputation ginge verloren, man würde mich aller Ämter entheben und den Stuhl vor die Vereinsheimtür setzen, ich vermute.^^

Also zu den geheimen Lieblingseröffnungen damit! :-)

Ansonsten ziehen mich überhaupt Eröffnungen an, zu denen es wenig bis gar keine Theorie gibt.
Das Problem ist, wann wird der Bogen zur Unnatürlichkeit, des bloß gesucht Gekünstelten u. Originellen überspannt.

duennbraddel - 02.02.19   ++

Bei den Schacheröffnungen erkenne ich Analogien zum Essverhalten.
1. Irgendwann wird man es vielleicht mal satt immer und immer wieder die Berliner Verteidigung zu spielen, obwohl man gute Ergebnisse damit hat ungefähr so wie bei den berühmten Nudeln mit Tomatensoße.

2. Es gibt auch Lebensphasen, da steht man unbegreiflicherweise auf Nasi Goreng mit Glutamat. In einem solchen Lebensabschnitt liegt es nahe, es auch fast manisch intensiv, wie ich seit einiger Zeit mit der "tripy" Black Lion Eröffnung zu versuchen, obwohl Chefkoch vabanque mir es vor einiger Zeit nachvollziehbar austreiben wollte.

3. Als Schachanfänger nutzt man wahrscheinlich eher die Standarderöffnungen wie Spanisch oder Italienisch, weil man extravagante Eröffnungen als zu "spicy" einschätzt.

4. Es gibt Eröffnungen, die bleiben einem teuer und geschätzt, das sind die Butterbrote unter den Eröffnungen. Für mich ist das Damengambit sogar ein Butterbrot mit Käse und Tomaten, immer frisch und "Juicy"

5. Es gibt die Theorie, dass Kleinkinder mindestens 20 mal etwas probieren müssen, um auf den Geschmack zu kommen, d.h. mindestens zwanzigmal den Grob spielen zu müssen, um endlich den Genuss von Spargel erkennen zu können.

6. Fast food-slow food heißt das Stichwort. In Blitzpartien spiele ich gerne andere Eröffnungen (z.B. das ChickenMcNugget Gambit in der Burgerkingvariante) wogegen ich bei Fernschachpartien eher auf langsame Schmorgerichtseröffnungen abziele wie z.B. die rheinische Sauerbratenvariante mit Pumpernickelangriff im Endspiel.


Es wären sicherlich noch weitere Analogien feststellbar, aber das überlasse ich den Profiköchen unter uns. Euch allen ein schönes Wochenende! ;-)

JamesBond007 - 02.02.19    

"... gute Frage" !

Mit Weiss spiele ich nach wie vor 1. e2-e4 am liebsten. Der Doppelschritt des Königsbauers finde ich schön, flott und auch logisch ! :-) Was nachher folgt, das hängt weitgehend von meiner Spiellaune ab : Gambit oder kein Gambit ! In meiner langen Nahschachlaufbahn habe ich sozusagen fast jede Eröffnung gespielt. Aber immer blieb 1. e2-e4 mein Lieblings-Eröffnungszug !

Wenn ich mit Schwarz spiele, heisse ich der Englischen Eröffnung 1. c2-c4 nicht gerade Herzlich willkommen !! Vielleicht bildet 1. c2-c4 sogar der allerbeste Eröffnungszug für Weiss… "Verdammt" elastisch, mit Behauptung des Anzugsvorteil ! ;)

Schönes Wochenende wünsche ich Euch alle !

JamesBond007

Tschechov - 02.02.19    

Sizilianisch spiele ich immer mal wieder, mit ausgeglichener Bilanz, man muß es halt kennen, wenn man auf den Eröffnungszug 1.e4 nicht verzichten will und ich denke, man lernt es am besten kennen, wenn man es selbst hin und wieder spielt. Wobei es interessant wäre, einmal zu untersuchen, ob es Eröffnungen gibt, die einem nur mit einer Farbe liegen. @duennbraddel: Schöner Vergleich! Ich könnte rein punktemäßg hier bei cm vielleicht schon weiter sein, wenn ich mich auf das beschränken würde, was ich einigermaßen kann. Doch ich spiele Schach auch aus Lust und mit viel Neugierde und dem muß ich eben Tribut zollen. So könnte man vermuten, daß Nimzo-Indisch eine Katastrophe für mich ist und man mich damit immer besiegen kann (Bilanz: 18 Spiele, 1 Sieg, 3 Remis, 14 Niederlagen). Aber das liegt vorwiegend an einem Thementurnier, an dem ich teilgenommen habe und bei dem ich auf wesentlich stärkere Spieler traf.

Vabanque - 02.02.19    

>>ZITAT DUENNBRADDEL: In einem solchen Lebensabschnitt liegt es nahe, es auch fast manisch intensiv, wie ich seit einiger Zeit mit der "tripy" Black Lion Eröffnung zu versuchen, obwohl Chefkoch vabanque mir es vor einiger Zeit nachvollziehbar austreiben wollte.<<

Oho, ich der Chefkoch? Welche Ehre, lach ... nun es stimmt, ich habe mich abfällig über diese Eröffnung geäußert, weil sie den gesunden schachlichen Prinzipien widerspricht. Aber ich muss zugeben, ich kenne mich in in Black Lion null aus ... ich spiele gerne eine Partie gegen dich, in der du Black Lion spielst, und mich eines Besseren belehrst :-)

Kellerdrache - 02.02.19    

Also meine Lieblinsgeröffnungen haben sich über die Jahre immer wieder geändert. Früher hab ich mal sehr gerne Schweschnikov-Sizilianer gespielt. Als das dann in der Weltspitze auch populär wurde bekam es für mich uninteressant. Gerne und auch relativ erfolgreich habe ich auch Wolgagambit gespielt, bis die Theoretiker dann einfach zu spielende Wege entwickelten das Gambit abzulehen.
Königsgambit, was ich ursprünglich nur spielte weil ich auf ...e5 kein Russisch spielen wollte habe ich lieben gelernt, weil hier selbst die Verlustpartien selten langweilig sind.
Ungern spiele ich eigentlich alle Eröffnungen wo sich der Gegner, am besten noch mit Weiß nur einmauert und die Stellung entweder in ödeste Positionen verflachen oder durch meine Ungeduld verpatzt werden.
@ Schlafabtausch: <<Ich spiele mit weiss seit 30 Jahren fast ausschließlich den stonewall Angriff. Für mich eine der meist unterschätzen Eröffnungen. Ist nicht widerlegt, nur aus der Mode stonewall.mit schwarz findet man sogar auf GM Niveau, mit einem Tempo mehr als weiss soll es dann schlecht sein?>> Darauf teile ich hier mal die Antwort die mir ein IM mal auf die Frage gegeben hat, warum so eine solide Eröffnung wie das Colle-System auf höchster Eben kaum vorkommt. Die Korrektheit dieser Eröffnungen wird auch von GMs nicht bestritten. Allerdings ist die Remischance für Schwarz bei beiderseitig bestem Spiel sehr hoch. Da man mit Weiß im professionellen Schach aber mit eine halben Punkt selten zufrieden sein kann bedienen sich die Herren Titelträger da nicht so gerne. Auf unserer Ebene wo man in der Regel auf Gegner trifft, die sich mit diesen Systemen eher oberflächlich beschäftigt haben und die Pläne und Gefahren nicht verstehen sind diese Eröffnungen ungleich erfolgreicher.

Tschechov - 02.02.19    

@Kellerdrache: >>Königsgambit, was ich ursprünglich nur spielte weil ich auf ...e5 kein Russisch spielen wollte habe ich lieben gelernt, weil hier selbst die Verlustpartien selten langweilig sind.<<
Du sagst es! Ist ein bißchen wie Marvin Hagler vs. Thomas Hearns 1985, um mal einen Vergleich aus einer anderen Sportart zu wagen. Kein langes Abtasten, sondern ein wilder Schlagabtausch. Darüber hinaus habe ich manchmal den Eindruck, daß manche Spieler sich aus Prinzip mit dieser Eröffnung nicht beschäftigen, weil sie sie für veraltet halten. Nun ja, das ist nur eine Vermutung, tatsächlich aber kann man Gegner, die sich hier nicht auskennen, manchmal gewissermaßen schon innnerhalb der ersten zehn Züge gleichsam kalt erwischen.

Schlafabtausch - 02.02.19    

@duenndrabbel ne ich spiele stonewall schon seit 30 Jahren und hatte nie aooettit auf etwas anderes.

@kelleedrache. Das mag alles stimmen. Ich möchte nur bemerken dass dein Vergleich mit dem College nicht passt. Es unterscheidet sich zwar. Nur durch f4 vom stonewall ist aber vom Charakter etwas ganz anderes. Der Grund: volle ist tatsächlich ein solides d4 Spiel, stonewall ist holländisch, taktisch offensiv. Zumindest auf den Linien f-h auf den Linien a-e ist es geschlossen wie d4 es ist ein hybrid aus den beiden aber mehr holländisch.colle ist klassisches d4 spiel

Schlafabtausch - 02.02.19    

Übrigens habe ich mir schon von Landesliga Spielern sagen lassen: so wie ICH die stonewall interpretiere ist sie hoch aggressiv

Schlafabtausch - 02.02.19    

Sorry für die mehrfach Posts, es fehlt eine editieren Funktion: ich muss noch erwähnen, dass ich die stonewall für mich selbst entdeckt habe intuitiv. Als ich mir mit 8 Jahren Schach selbst beigebracht habe hatte ich keine Ahnung von Strategie, Taktik, Eröffnungen oder sonstwo. Ich experimentierte Rum und entwickelte für mich eine Eröffnung die zu meinem Spiestil passte und mit der ich mich wohl fühlte. Eine Stellung mit der Bauernletter c3d4e3f4 (ich liebte die kurze offensiv rocharden schon immer hatte aber Angst um Schach über die diagonal g1-c5). In die Leichtfiguren damals schon so standen weiß ich nicht mehr. Der sf3 bestimmt. Erst später fand ich heraus dass es die Eröffnung schon gibt und sie einen Namen hat. Ich las mir immer mehr dazu an durchforstet Datenbanken, diskutierte mit anderen stonewall Spielern, schaute mir Verwandte Systeme wie College an oder die stonewall Verteidigung..ich entwickelte und entwickelte sie Eröffnung für Mich ständig weiter .aber ich habe sie damals für.mixh entdeckt schon bevor ich den Namen kannte...ich habe sie spielerisch kennen gelernt und bin mit ihr aufgewachsen und im Schach sozialisiert ..übrigens habe ich im Verein i. Jeder Saison die Eröffnung in Frage gestellt und mir auch andere angesehen und probiert..ich kam immer wieder zum stonewall Angriff zurück.

Tschechov - 02.02.19    

Bemerken möchte ich noch, daß ich hier anfangs ohne jede Schachkenntnisse drauflosspielte und manchmal seriöse Eröffnungen dabei herauskamen, die ich höchst unseriös fand. "Was hast du denn da für einen Mist zusammengespielt?" dachte ich und merkte später erst, daß das durchaus spielbare Eröffnungen sind.

kimble - 05.02.19    

Die Frage könnte auch lauten, "Was spielen wir gar nicht?", wobei das nicht unbedingt ein Nichtmögen impliziert, sondern vielmehr Unerfahrung und/oder Nichtkenntnis.
Also zunächst gucke ich mir gerade bei Gegnern in den vollautomatiserten Turnieren, wo ja kein direkter Auswahlmodus stattfindet, über die playlists die Partien, bzw. Eröffnungen meiner Gegner an. Finde ich da eine Vorliebe für "Französisch", "Jugoslawisch", "Skandinavisch" und auch "Caro - Cann" (alles Eröffnungen die interessanterweise schwarz bestimmt...) gehe ich da sofort als Weisser auf d4.

Aktiv spiele ich diese Eröffnungen auch nicht,...sollte ich mich vereinzelt in Thementurniere verirren unter dem Aspekt, was lernen zu können, so wird mir regelmäßig schwindelig...;-)
Wohlgemerkt, ich achte und respektiere diese Eröffnung, insbesondere vor Französisch habe ich einen Heidenrespekt, spiele diese aber nicht aktiv.

Freue mich, wenn mir als Schwarzer d4 geboten wird und antworte darauf grundsätzlich holländisch, was ich meine , für meine Verhältnisse recht solide zu kennen.
Genauso freue ich mich über Königsgambit (...würd ich aktiv nie spielen), da kann ich da dann das Falkbeergegengambit anwenden, was auch immer wieder ganz gut Kompensation aufbaut.
Auf Sizilianisch antworte ich grundsätzlich mit dem Morra - Gegengambit.
Aktiv spiele ich gerne russisch und als Überraschung mag ich auch das Nordische Gambit ( was Einige hier gerne belächeln...) als auch Orang Utan.

Darüber hinaus bin ich auch der Meinung, man muss nicht alle Eröffnungen mögen oder beherrschen.
Die Erfahrung zeigt ja, Schach wird umso schwerer, je weniger Figuren auf dem Brett stehen.
Da nützt auch die vermeintlich beste Eröffnung nix...:-)

Tschechov - 05.02.19    

@kimble: Ja, ich forsche meinen Gegner auch oft aus und gucke, was er gerne spielt, damit ich dem aus dem Weg gehen kann. Immer beherzige ich das aber nicht. Manchmal bin ich auch in der Laune, gerade die Herausforderung zu suchen. Holländisch versuche ich gerade in mein Repertoire aufzunehmen, ich taste mich an für mich neue Eröffnungen gerne mit Freundschaftsspielen heran.

Schlafabtausch - 05.02.19    

Wegen Gegner ausforacjen: hatte Mal in einer Vereinsmeisterschaft einen Gegner zugelost bekommen dem ich dann sagte: "Christian, ich weiß was du spielen wirst du spielst ja eh immer das gleiche." " Ja vielleicht spiele ich das ja jetzt gerade nicht" " vielleicht will ich das ja," "dann spiele ich es vielleicht doch" "vielleicht will ich das ja..."

Hasenrat - 05.02.19    

Schön fand ich die einleitende Bemerkung eines künftigen ernsten Gegners, der zu Beginn des vorhergehenden freien Spiels äußerte: "Nur damit du's weißt: Ich spiel heute jetzt das Gegenteil von dem, was ich bei unserer Turnierpartie spielen werde."

Hasenrat - 05.02.19    

Woran die Frage in die Runde anzuschließen wäre: Gibt es in der weiten Welt der Eröffnungstheorie echte Gegensatzpaare? ;-)

Tschechov - 05.02.19    

Nochmal zum Königsgambit: Ich habe manchmal die Vermutung, daß manche Spieler diese Eröffnung aus einer Art Selbstüberschätzung nicht spielen. Kann natürlich auch sein, daß ich da ganz falsch liege. Was ich meine, ist Folgendes: Das Königsgambit ist eine sehr alte Eröffnung, die man natürlich als geradezu antiquiert betrachten kann. Die Frage ist doch aber, ab welcher Spielstärke eine Eröffnung als widerlegt gelten darf. Wenn Spitzenspieler auf bestimmte Eröffnungen die Widerlegung parat haben, heißt das doch nicht, daß ein Spieler wie ich, der meist auf seinesgleichen trifft, diese Eröffnung nicht spielen darf.

kimble - 05.02.19    

Der f Bauer ist doch unbestritten den schwächste Bauer in der Kette...
Im Königsgambit spielt er die zentrale Rolle!
Natürlich wird mir jetzt jeder überzeugte Königsgambitler die entscheidenden Vorzüge dieser Eröffnung erklären können und wollen...:-)

Tschechov - 05.02.19    

@Hasenrat: Leider bin ich nicht so versiert in Theorie, daß ich diese Frage beantworten könnte. Mit Gegensatzpaare meinst Du wohl gegensätzliche Ansichten. Keine Ahnung, ehrlich. Ein echter Gegensatz ist mir nur in bezug auf Schwarz vs. Weiß bekannt, was ja im weiteren Sinne auch mit der Eröffnung zusammenhängt, da ja Weiß zuerst zieht. Da gibt es einen Schachrebellen - leider habe ich den Namen nicht parat -, der behauptet, Schwarz sei im Vorteil (wir sprachen mal anläßlich einer Partie darüber, nur kurz).

Hasenrat - 05.02.19    

Es müsste ja schon ein farbgleicher Gegensatz sein.
Also letzten Endes lief es darauf hinaus, dass er von einer Flügeleröffnung zur anderen wechselte. (Aber das wusste ich auch ohne Vorankündigung - kryptisch oder arrogant?^^)
Mir gefiel das Absurde an der Aussage! Valentinesker Humor (im Übrigen wahrscheinlich ganz ungabalieresk!^^)

Tschechov - 05.02.19    

@kimble: >>Natürlich wird mir jetzt jeder überzeugte Königsgambitler die entscheidenden Vorzüge dieser Eröffnung erklären können und wollen...:-)<<

Tut mir leid, damit kann ich nicht dienen. Ich bin Anfänger und nicht sehr beschlagen in Sachen Schachtheorie. War es nicht Mark Twain, von dem die Bemerkung stammt: "Wissenschaftlich gesehen, kann die Hummel nicht fliegen. Aber sie weiß nichts davon und fliegt trotzdem."? Wenn ich mit KG gewinne, genügt mir das. :))

toby84 - 05.02.19    

Also ursprünglich ist es nicht von mark twain. Es ist ein wissenschaftsmythos, der sich hartnäckig hält.

Tschechov - 06.02.19    

Aha, danke für die Aufklärung. Der Mythos dient hier seinem Zweck aber ganz gut. Er verdeutlicht, worauf ich hinauswill.

Schlafabtausch - 06.02.19    

Tscheov: >>>Nochmal zum Königsgambit: Ich habe manchmal die Vermutung, daß manche Spieler diese Eröffnung aus einer Art Selbstüberschätzung nicht spielen. Kann natürlich auch sein, daß ich da ganz falsch liege. Was ich meine, ist Folgendes: Das Königsgambit ist eine sehr alte Eröffnung, die man natürlich als geradezu antiquiert betrachten kann. Die Frage ist doch aber, ab welcher Spielstärke eine Eröffnung als widerlegt gelten darf. Wenn Spitzenspieler auf bestimmte Eröffnungen die Widerlegung parat haben, heißt das doch nicht, daß ein Spieler wie ich, der meist auf seinesgleichen trifft, diese Eröffnung nicht spielen darf<<<

Das isdt für mich der Grund Warum ich stonewall spiele :-D mag sein,d ass man das auf Großmeisterlevel nicht spielen kann, aber gegen Gegner die das selbe niveau haben wie ich, die kann ich dann mit meiner Erfahrung in dieser Eröffnung ganz gut damit sagen wir mal Ärgern...

Vabanque - 06.02.19    

Der Stonewall wurde früher schon auch auf Top-Level gespielt. Spieler wie Tartakower und sogar Botwinnik (letzterer allerdings bloß mit Schwarz) haben ihn angewandt. Heute scheint er aus der Mode gekommen, ich denke aber, er ist immer noch auf GM-Level spielbar. Vieles wird z.Zt. von den Top-Spielern nicht gespielt, obwohl es nie widerlegt wurde: Läuferspiel, Wiener Partie, Max Lange-Angriff, Budapester Gambit, Albins Gegengambit (da gab es allerdings mal in den 90ern Rehabilitierungsversuche), Tschigorin-Verteidigung (dito) ...

Schlafabtausch - 06.02.19    

Kimble warum ist der f-Bauer unumstritten schlecht?

Was ist der nachteil an f2f4? Man kann sich Schach über die diagonale h4 - e1einfangen bzw. nach kurzer Rocharde schach über c5-g1. Das muss man natürlich im Hinterkopf haben, aber das ist bei allen Zügen so, dass sie vor und nachteile bringen die man kennen muss...ansonsten ist der f bauer gedeckt durch den Tf1 nach der Roacharde, ggf. durch den Lc1. Ausserdem soll der da ja garnicht lange stehen. Geplant ist ja Sf3 und Se5 mit Tausch Sc6xe5 f4xe5 und somit einem öffnen der f Linie für den kurz rochierten TUrm.Sollte der Se5 nicht getauscht werden stützt der f4 diesen und man hat ein Monster im Zentrum stehen. der f4 entlastet also den d4 beim kontrollieren von e5, womit d4 felxibler wird. ggf. kann auch der f4 sogar selbst vorgezogen werden, um ein Königsindischen g6 an zu greifen usw. ausserdem gibt mir der f4 auch die Möglichkeit Sf3 g5 zu spielen mit anschließenden Tf1f3-h3, Dh5 usw usf. Ausserdem habe ich auch noch auf Ld3 einen Läufer stehen der auch auf h7 zielt... Viele Vorteile, sehr aggressiv offensiv wenn der Gegner kurz rochiert rennt er voll in meinen ANgriff (was in weiit über 90% meiner spiele der fall ist). Und warum? Weil die meisten so denken wie du. Ich lebe mit meinem Stonewall angriff und dem f4 von eben genau jener Ignoranz der gegner, die nehmen meine Eröffnung nicht ern st, bis sie unter beschuss stehen.

Ähnlich falsche gerüchte gibt es über skandinavisch "Da verliert schwarz doch ein Tempo!" Wirklich? e4 d5 exd5....jetzt hat WEIS ein Tempo verloren...Dxd5 Sf6 die dame muss nochmal ziehen ja, aber schwarz gibt damit nur das zuvor gewonnene Tempo zurück, weis hat nichts ausser seinem Anzugsvorteil, den er sowieso hat, auch in jeder anderen verteidigung. Trotzdem hält sich das Gerücht: "Sakndinavisch ist mist, da verliert schwarz ein Tempo" tut er nicht. Ähnlich ist es mit den gerüchten um f4...

Schlafabtausch - 06.02.19    

Ja Vabanque ist zumindest in Deutshcland aus der Mode, im englischsprachigen Raum findet man wenigsnte ein Bisschen was...und ein Buch über den Stonwewall angriff ist schon fast antiquarisch, das beste buch ist the stonewall attac von Andrew soltis von 1987. Danach Nix mehr großartig....aber das reicht da sich ja auch die gegen Stonewall spiel fraktion nicht weiter entwickelt, und eaus erfahrung und verwandte systreme sich auch genug neues ableiten lässt

Vabanque - 06.02.19    

Naja, beim frühen Ziehen des f-Bauern muss man schon aufpassen, weil man gleich zwei Diagonalen schwächt.
Freilich ist das nur in offenen Stellungen wirklich von Bedeutung, und mit dem Stonewall strebt man ja eine geschlossene Partie an.
Auf 1. f4 im ersten Zug kann Schwarz allerdings mit e5 (Froms Gambit) die Schwächung auszunutzen versuchen. Ob das Gambit korrekt ist, ist allerdings bis heute nicht ganz geklärt, glaube ich. Es ist jedenfalls sehr nah dran an der Korrektheit.

1987? Puh ... Allerdings ist Andy Soltis ein guter Schachautor, finde ich, wobei ich von ihm nur seine Bücher über Morphy und Spassky kenne. Aber er ist einer, der sich in seinen Anmerkungen auf das wirklich Wesentliche beschränkt. Ist das im Stonewall-Buch auch so?

Bei so geschlossenen Stellungen wie sie der Stonewall anbietet, sind konkrete Zugfolgen sowieso weniger von Bedeutung als vielmehr Ideen, Pläne, Aufstellung der Figuren.
Die entscheidende Frage wäre also, ob seit 1987 entscheidende neue Ideen dazugekommen sind.

In dem Buch 'Bird's Opening' von Timothy Taylor (2005) findet sich auf den Seiten 122-133 immerhin eine kurze Darstellung des weißen Stonewalls.
In Büchern über Holländisch (was ja insgesamt eine populäre Eröffnung bleibt!) ist meistens auch eine Abhandlung des schwarzen Stonewalls enthalten. Die Ideen und Pläne lassen sich dann einfach auf Weiß übertragen.

Vabanque - 06.02.19    

Für eine Einführung in den Stonewall mit Schwarz sind die Seiten 43-70 in 'Starting out: The Dutch Defence' von Neil McDonald sehr gut geeeignet. Das Kapitel enthält auch ganze Partien, u.a. Schwarzsiege von Botwinnik und Short.
(Der größte Teil des Buchs ist allerdings dem Leningrader System gewidmet, das zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 2004 wohl populär war.)

Kellerdrache - 06.02.19    

Wenn man begrenzte Zeit für das Eröffnungsstudium hat und das dürfte ja den meisten hier so gehen kann ich eigentlich nur vor der Anlehnung ans Großmeisterrepertoire warnen. Nicht weil die von denen gespielten Eröffnungen etwa schlecht wären, sondern weil sich da die Theorie permanent (monatlich, manchmal wöchentlich) ändert. Gegner die sich auf einen von uns vorbereiten wollen finden dann in jeder beliebigen Schachzeitung Material und man spielt dann nicht mehr gegen Kellerdrache sondern gegen Carlsen, Aronian und Karjakin.
Das ist z.B. der Grund dafür, dass ich kein Spanisch spiele obwohl mir die Stellungen durchaus zusagen

Vabanque - 06.02.19    

>>kimble - vor 13 Std.

Die Frage könnte auch lauten, "Was spielen wir gar nicht?", wobei das nicht unbedingt ein Nichtmögen impliziert, sondern vielmehr Unerfahrung und/oder Nichtkenntnis.<<

Also überhaupt nie spiele ich: 1. g4, 1. h4, 1. h3, 1. a4, 1. a3, 1. Sh3 und 1. Sa3.

Ähnlich mit Schwarz, wobei ich da auch 1... b6 nicht spiele (hab mir das nie angeschaut und finde es auch sehr unangenehm, wenn ich als Weißer damit konfrontiert werde.)

Lettisches Gambit spiele ich auch nicht, bzw. alle Varianten mit schwarzem f5 in einer e-Bauern-Eröffnung. (In geschlossenen Eröffnungen ist schwarzes f5 ja unbedenklich, und das spiele ich auch.)

Ebenfalls nicht spiele ich Varianten, die bis zum 20. oder 25. Zug ausanalysiert sind, so wie etwa in Spanisch, vieles in Sizilianisch, oder im Zweispringerspiel.

Ansonsten habe ich fast alles schon in Blitzpartien oder freien Partien oder eben online, vor allem in Freundschaftspartien ausprobiert.

Vabanque - 06.02.19    

Ach ja, und Black Lion spiele ich auch nicht (wobei ich nicht mal genau weiß, wie das geht) :-))

Vabanque - 06.02.19    

Evansgambit, Göring-Gambit, sogar Nordisches Gambit habe ich früher schon das eine oder andere Mal ausprobiert, aber meistens bekomme ich nicht genügend Angriff für den Bauern (oder für die beiden Bauern), so dass ich das zumindest gegen einigermaßen starke Gegner nicht mehr spiele. Ähnlich mit Morra-Gambit.

Aber 1. e4 spiele ich sowieso selten, wegen der Fülle der Entgegnungen.

Schlafabtausch - 06.02.19    

Vabanque wegen 1.f4 e5 spiele ich ja die stonewall ja unter zugumstellung mit 1.d4 weil dann e5 zum englund Gambit führen würde, das meines Wissens nach tatsächlich widerlegt ist und deswegen eigentlich nie kommt. Stimmt. Solaris b schränkt sich größtenteils auf Figurenstellung Ideen Pläne in dem Buch, genau das was ich will, konkrete zugfolgen interessieren mich nicht. Klar gab's seitdem viel neues ich folge ja auch nicht so exakt soltis sondern habe für heute Erfahrung Diskussion mit anderen stonewall Spielern und eben Studium Verwandter Pläne MEINE stonewall für mich angepasst. Und die entwickelt sich auch ständig weiter in Nuancen...

Vabanque - 06.02.19    

Solaris?? Soltis! :-)

Schlafabtausch - 06.02.19    

jaja scheiss autokorrektur. Hatte ich hinterher bemerkt, editieren geht nicht, wollte nicht noch extra was posten um das forum nicht auf zu blähen. Aber da du drauf hinweist muss ich ja jetzt auch nochmal. Solaris = Soltis

Lounge - 06.02.19    

Spiele gerne e 4 mit L c4, ungern gegen d 4. Dann Holländisch mit wechselndem Erfolg. Bei Antwort d5 und Damengambit befürchte ich Schwierigkeiten auf dem Damenflügel. Allerdings bin alles andere als Theoriefest.

Kellerdrache - 06.02.19    

Was ich alles nicht spiele : Spanisch und offene Sizilianer. Beide führen zu Stellungen die ich gerne auf dem Brett habe, aber es gibt viel zu viel Theorie dazu. Die einzelnen Untervarianten sind auch oft so unterschiedlich, dass sich wenig nach Gefühl spielen lässt.
Früher habe ich Königsindisch (oder daran angelehnte Systeme) gegen alle geschlossenen Eröffnungen gespielt. Der Nachteil ist, dass bei einem Angsthasen als Weißspieler alles zu bleibt und die Stellungen sehr zäh zu spielen sind. Jetzt spiele ich es nur noch gegen geschlossene Aufbauten die ich nicht kenne, weil man sich eben aufbauen kann ohne allzu sehr auf die weißen Züge einzugehen.
Eröffnungen wie Colle oder den weißen Stonewall spiele ich nicht weil es in meinem näheren Umfeld zu viele tun und daher auch die Gegner gut vorbereitet sind. Darüber hinaus sind die entstehenden Stellungen auch nicht so mein Ding (was natürlich komplett subjektiv ist).

kimble - 06.02.19    

"Ebenfalls nicht spiele ich Varianten, die bis zum 20. oder 25. Zug ausanalysiert sind, so wie etwa in Spanisch, vieles in Sizilianisch, oder im Zweispringerspiel."
Zitat vabanque...
Und die hast Du alle im Kopf?*staun*

Vabanque - 06.02.19    

Eben nicht! sonst könnte ich sie ja wohl auch spielen :-)

Hasenrat - 06.02.19    

Etwas auswändig können und es verinnerlicht verstanden haben ist bekanntlich zweierlei! ;-)
So können vielleicht die "nassforschen" Typen die 20-25 Züge lässig runterspielen - aber nur soweit als der Gegner nicht gravierend abweicht oder umstellt.

Vabanque - 06.02.19    

Im letzteren Fall muss man ja selber denken - und das ist sooo anstrengend :-)

Vabanque - 06.02.19    

Stößt der Stonewall (mit Schwarz UND mit Weiß) eigentlich auf genügendes Interesse, um darüber eine kleine Reihe in den Kommentierten Spielen ins Leben zu rufen? (M.E. ist das lohnender als beim Orang-Utan.)

Schlafabtausch - 07.02.19    

Ich gucke da nie rein, wenn dann sag bitte nochmals gesondert Bescheid :-)

@hasenrat: Ich habe mal gelernt: Der wirkliche schlüssel zum erfolg ist den Gegner zum selber denken zu zwingen. Also ihn aus all seinem Buchwissen rausholen, und ihn zwingen einfach Schach zu spielen.

Liede rklappt das gegen mich auch ganz gut :-)

Jedenfalls: Man muss auch einfach mal dem Gegner die Möglichkeit geben mal einen Fehler zu machen,.

Hasenrat - 07.02.19    

Ja, deshalb möglichst schon innert der ersten drei Halbzüge out of book, meine Rede! :-)

toby84 - 07.02.19    

Das schafft man gegen mich mit jeder eröffnung ;)

Hasenrat - 07.02.19    

Fast am verheerendsten ist noch "out of book and into the Halbwissen" - worin ich meist strande ...^^

Schlafabtausch - 07.02.19    

Deshalb Versuche ich auch weder dem Gegner Angriffsmarken zu bieten noch selber zu früh an zu greifen...sich zurück halten dicht machen solide aufbauen den Gegner seine Strukturen festlegen und Fehler beim Aufbau mähen lassen und diese dann blitzartig ausnutzen. Hoffentlich

Hasenrat - 07.02.19    

Du weißt, wo der Barthel den Most holt ...! ;-)

Hanniball - 07.02.19    

Hasenrat

...manches mal ist der Barthel schneller da, als der Most serviert....aber man kann ja zwischen einer Fernsehpause die Frau noch fragen....:)...um dann blitzartig zuzuschlagen....

Schlafabtausch - 07.02.19    

Wie gesagt, HOFFENTLICH. Geht natürlich auch zu oft nach hinten los :-D

Tschechov - 07.02.19    

@Schlafabtausch: >>Ich habe mal gelernt: Der wirkliche schlüssel zum erfolg ist den Gegner zum selber denken zu zwingen. Also ihn aus all seinem Buchwissen rausholen, und ihn zwingen einfach Schach zu spielen. <<

Ich habe hier vor längerem mal einen thread eröffnet, bei dem mir heftig widersprochen wurde, trotzdem hänge ich immer noch an dem, was ich damals schrieb. Der Inhalt war meine Frage, ob man nicht mal den besten, sondern eher den zweitbesten Zug machen solle, wenn der zweitbeste nicht im Lehrbuch stehe. Tatsächlich klappt das leider auch gegen mich meist ganz gut. Und aus diesem Grund sind Lehrbücher für mich auch nur von begrenztem Nutzen.

Kellerdrache - 07.02.19    

Also es gibt sicher ein paar sehr taktische Eröffnungen wo es Sinn macht konkrete Zugfolgen zu lernen. Meistens sind das Eröffnungen wo man auf Messers Schneide balanciert und es einfach neben dem besten Zug nur noch richtig schlechte gibt.
Von diesen Beispielen abgesehen ist es immer sinnvoller zuerst die Grundidee einer Eröffnung und ihre üblichen Motive zu lernen (z.B. für Königsindisch: wie sieht ein typischer Königsangriff von Schwarz aus? Was sind die Angriffspunkte für Weiß? C-Linie und nach Abtausch der d6 usw.). Daran kann man übrigens, nach meiner Meinung die guten von den schlechten Eröffnungsbüchern unterscheiden: Erläutern sie die Ideen oder listen sie nur Varianten ?
Hat man eine Eröffnung verstanden kann es durchaus wirkungsvoll sein mal nicht den empfohlenen Zug zu machen, sondern den zweitbesten. Derjenige der nur Zugfolgen auswendig gelernt hat wird dadurch aus dem Konzept gebracht, wer sich auskennt den irritiert so was gar nicht. Der wird sich dann nur fragen: "Was tut dieser Zug für diese Stellung? Ändert sich der typische Plan oder ist er durch den schwächeren Zug sogar einfacher geworden."

Tschechov - 07.02.19    

@Kellerdrache: Das stimmt nun auch wieder. Ich hatte hier schon Spiele, wo ich nur von der Unerfahrenheit meiner Gegner profitierte, die meinen "unorthodoxen" (in Wahrheit aber einfach schlechten) zweiten oder dritten Zug nicht ausnutzten. Ich finde übrigens genau wie Du, daß gute Lehrbüche die Idee hinter einer Eröffnung erörtern sollten, da kann man dann auch bei nicht lehrbuchgemäßen Zügen des Gegners besser selbst denken, indem man sich fragt: "Was ist hier eigentlich meine Absicht?"

Hasenrat - 07.02.19    

Eine neuere visualisierende Masche ist da ja auch, am Ende des jeweiligen eröffnungstypischen Aufbaus alle Figuren vom Brett (Diagramm) zu nehmen, also nur beiderseits die Bauernstruktur stehenzulassen und die Felder u. Linien u. Stoßrichtungen zu markieren, um die es dann typischerweise im fortschreitenden Mittelspiel gehen wird.

toby84 - 07.02.19   +

Sind die Erkenntnisse, die man daraus zieht, dann Bauernweisheiten aus der Feldforschung?

Hasenrat - 07.02.19    

"Modernes Schach sorgt sich zu viel um Dinge wie die Bauernstruktur u. ä. Vergessen Sie nicht: Schachmatt beendet das Spiel!", soll Nigel Short gesagt haben.

Schlafabtausch - 08.02.19    

Da muss ich gerade an eine Dokumentation über Boris Becker denken. Er sagte da am Ende: "Ich bin kein Champion, weil ich schneller laufen könnte als andere, oder härter aufschlagen. Ich bin ein Champion, weil ich den letzten Punkt mache!"

Schlafabtausch - 08.02.19    

Und Hasenrat deswegen finde ich turniere mit "Abschätzen" auch schwachsinnig: es kann jemand zum Abschätzzeitpunkt x so gut stehen wie er will. Wer sagt dass er nicht ein paar Züge später dennoch nicht ins MAtt läuft? Aufgrund einer unachtsamkeit etc. Aber genau DAS gehört doch zu jedem Sport.

Vabanque - 08.02.19    

Abschätzung kann natürlich nicht die beste Lösung sein; aber bei solchen Turnieren weiß man ja auch vorher: Wenn man bis dann und dann keinen Sieg geschafft hat, droht Abschätzung. Da muss man sich halt mehr beeilen, den Punkt zu machen, um dies zu vermeiden. Gehört gewissermaßen dann zu dieser Sportart dazu.

Kellerdrache - 08.02.19    

Das mit dem Abschätzen ist schon eine häßliche Notlösung, aber auch eine Folge der Bedenkzeitregelung(en) bei chessmail. Will man ein Turnier innerhalb eines gewissen Zeitrahmens beenden, muß man sich eben überlegen was man mit den Partien macht die, warum auch immer, deutlich länger als der Schnitt dauern. Denn was wäre hier die Alternative zum Abschätzen ? Halt solange warten bis auch die beiden Spieler die bei ihrer 120 Züge Partie einmal in der Woche ziehen fertig sind ? Ist auch nicht so ideal wenn dann 80 Leute auf 2 monatelang warten müssen.
Deshalb fände ich, speziell für Turniere, eine Option "Gesamtbedenkzeit" als großen Fortschritt. Dann kann der Organisator besser planen und alle wissen wann es spätestens weiter geht

Vabanque - 08.02.19    

Vielleicht erleben wir ja die Gesamtbedenkzeit noch :-)

Vabanque - 08.02.19    

Aber auch dann können Spieler durch 'Urlaub' (Spielpausen) verzögern ...

Kellerdrache - 08.02.19    

Ja, aber das hat ja seine Grenzen. Wenn man sich überlegt, bei einem Turnier mit 7 Tage Bedenkzeit und zwei Spielern die beide tatsächlich nur einmal in der Woche ziehen, sind das im Monat gerade mal 2 Züge pro Spieler.
Habe ich dann noch eine Partie mit einer Zügezahl von z.B. 15 Zügen über der zweitlängsten Partie ist das eine Wartezeit von 7,5 Monaten (wenn keiner Urlaub nimmt, sonst noch länger).

brauna - 08.02.19    

@Vabanque: Das Spielpausen/Urlaub die GBZ verlängern, halte ich nicht für notwendig. Stell dir vor, die GBZ für dich ist auf 90 Tage eingestellt, dann kannst du 30 Tage Urlaub machen und hast immer noch gaaaanz viiiiiiieeeeeeeel Zeit, nämlich 60 Tage für den Rest deiner Züge :-)
Aber das Wichtige ist: Jeder weiß am Bsp. 90 Tagen GBZ: Das Spiel ist definitiv nach einem 1/2 Jahr beendet! Für die CLUBLIGA bspw. super notwendig!!

Schlafabtausch - 08.02.19    

Deshalb spiele ich turniere mit Abschätzen gar nicht mit :-)

Kellerdrache - 08.02.19    

Also 90 Tage hielte ich schon für arg kurz. Mann kann sich ja an hochgerechneten Werten orientieren. Wenn man davon aus geht, dass die Mehrheit der Partien unter 50 Züge lang ist ergäbe sich als Spielgeschwindigkeit der 3 Tage Regelung entsprechend ( 50 Züge x 3 Tage je Zug = 150 Tage). Entsprechend für die bisherige 24Std Partie wären wir bei 50 Tagen, für die 7 Tage Partie bei 350 Tagen. Mit oder ohne Urlaub ist dann ohnehin Sache der Turnierregeln

toby84 - 08.02.19    

Ich bin sowieso nicht der Meinung, dass das Timeout die sofortige Niederlage nach sich ziehen sollte. Eher sollte der Modus in einen Speed Modus übergehen mit 24 Stunden pro Zug, so ähnlich wie Inkrementzeit. Es geht nur darum, dass ab einer bestimmten Dauer dafür gesorgt wird, dass die Spiele zu einem raschen Ende kommen. In dieser Variante muss man nicht die vollen 350 Tage Bedenkzeit geben, sondern kann es etwas kürzer ansetzen.

brauna - 08.02.19    

@Kellerdrache: 90 Tage hältst du für arg kurz??? Denk dran, dein Gegner hat natürlich auch 90 Tage und die Partie dauert dann max. ein 1/2 Jahr (=180 Tage).

Und nun schau dir mal deine Partien an: Wieviel davon dauern denn 1/2 Jahr....bestimmt keine, oder? ;-)

Vabanque - 08.02.19    

Ich hatte mal eine Partie (ob hier bei chessmail oder auf einem anderen Server, weiß ich nicht mehr), da war die Bedenkzeit 7 Tage pro Zug. Mein Gegner zog von Anfang an langsam und tendierte dazu, die Bedenkzeit auszuschöpfen. Es enstand die Situation, dass ich die Damen tauschte. Mein Gegenüber hatte keine Wahl, der musste zurücknehmen (ein Zwischenzug war nicht möglich, da ich mit Schach schlug). Aber nicht nur, dass er sich auch für diesen komplett erzwungenen Zug 7 Tage Zeit ließ, er nahm auch noch 3 Wochen Urlaub ... so dass ich insgesamt 4 Wochen darauf warten konnte, bis er die Dame zurückgenommen hatte. Angesichts solcher Partien frage ich mich schon, ob man solche Phänomene (sagen wir besser Auswüchse) des Online-Schachs nicht durch Einführung von Gesamtbedenkzeit UND Eventualzügen eindämmen könnte ... zumindest Zwangszüge sollten doch schneller geschehen, oder etwa nicht?

Hasenrat - 09.02.19   +

Und wusste der Gegner azch vin dieser Brettsituation?


Ich sehe schon kommen, dass nach Einführung der Eventualzüge, im Forum die Klagewelle aufbrandet, dass ein unverschämter Gegner nicht die Eventualzugfunktion benutzt hat, obwohl es doch so naheliegend gewesen wäre und die Partie um 7 Tage verkürzt hätte ...!

Hasenrat - 09.02.19    

Zur besseren Gegnerkontrolle könnte man auch, wie bei Messengerdiensten, ein Augensymbol einführen, dass der Gegner die Partie aufgerufen u. die Stellung gesehen hat ... };-P

shaack - 09.02.19    

@Hasenrat "Ich sehe schon kommen, dass nach Einführung der Eventualzüge"
Dann müssten wir noch eine Funktion einbauen, die dafür sorgt, dass absolut logische und ersichtliche Züge automatisch ausgeführt werden, ohne, dass man was eingeben muss. :D

Lounge - 09.02.19    

zB Aufgabe

patzer0815 - 10.02.19    

Wenn ich daran denke wie viele wirklich eindeutige Gewinnstellungen ich beispielsweise mit einem Eingabefehler im Internet (nicht Fernschach-Bedenkzeit) weggeworfen habe ... :-P

japetus1962 - 10.02.19    

Wenn ich weiss bin: c4 = englisch. Ist eine Marotte von mir, ohne wissenschaftliche Begründung oder Nachweis, dass ich deshalb meine Gewinnchancen erhöhe. Dafür spiele ich zu mittelmäßig. Dieser Beitrag dient auch dazu, um zur Anfangsfrage zurück zu kommen. Gruß Robert

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