Miscellaneous

Scheinheilige Politik

eika13 - 02.10.18  

Gibt es einen Konflikt wenn gläubige Juden in eine christliche Partei wie die CDU oder CSU eintreten ?
Jedenfalls hat der jüdische Dachverband in Deutschland wie ich finde jüdische Bürger verunglimpft, die in der AfD eine eigene Gruppe gründen wollen, indem Infrage gestellt wird ob das "ordentliche" Juden sind ?!
Dazu kommt eine einseitige Darstellung duch Medien.

duennbraddel - 02.10.18   +

Aus
https://www.dw.com/de/wie-j%C3%BCdisch-i..

Die Partei Alternative für Deutschland und hier lebende Juden haben nichts miteinander zu tun, lautet ein Klischee. Doch die Verbindungen sind enger als dem Zentralrat der Juden lieb ist.



AfD-Chefin Frauke Petry wirbt um jüdische Mitglieder

Verwundert reiben sich viele die Augen: Die AfD als Beschützerin ausgerechnet der Juden? Parteichefin Frauke Petry hat der Tageszeitung "Die Welt" gesagt, die AfD sei "einer der wenigen politischen Garanten jüdischen Lebens auch in Zeiten illegaler antisemitischer Migration nach Deutschland".

In Erinnerung ist da eher eine Rede des Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke. Der hatte kritisiert, dass sich Deutschland mit dem Berliner Holocaust-Mahnmal ein "Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat". Höcke hatte zudem eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert. Gegen ihn läuft zwar ein Parteiausschlussverfahren, er hat aber viele Anhänger vor allem im Osten Deutschlands. Die Rede ist auch immer wieder von dem inzwischen aus der baden-württembergischen AfD-Fraktion, aber nicht aus der Partei gedrängten Wolfgang Gedeon. Gedeon hat in einem Buch die Erinnerung an den Holocaust als "Zivilreligion des Westens" bezeichnet. Das Judentum sieht er darin als "inneren Feind" des "christlichen Abendlandes".

Entsprechend warnen jüdische Vertreter immer wieder vor der AfD. Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte jüngst vor Bonner Schülern, die AfD sei eine Partei, "die uns wirklich Sorge bereitet". Und Ronald Lauder, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, hat die Partei in der "Welt" als "Schande für Deutschland" bezeichnet.
Deutschland Flüchtlinge kommen an der ZAA in Berlin an (Getty Images/S. Gallup)

Viele Juden haben Angst vor zu vielen muslimischen Flüchtlingen in Deutschland


Doch vielleicht sind sich beide Seiten näher, als es vordergründig scheint. Es gibt nämlich nicht nur jüdische Sympathisanten der AfD, sondern sogar aktive jüdische AfD-Politiker. Allein im Landesverband Baden-Württemberg, also ausgerechnet in dem des Antisemiten Wolfgang Gedeon, sind von den 38 Direktkandidaten vier Juden, wie die Wochenzeitung "Die Zeit" herausgefunden hat.

Der Grund ist offenbar vor allem die Angst vieler Juden vor immer mehr Muslimen in Deutschland und deren Antisemitismus. Erst diese Woche sorgte der Fall eines jüdischen Schülers an einer Berliner Gemeinschaftsschule für großes Aufsehen. Er wurde von türkisch- und arabischstämmigen Mitschülern gemobbt.

Da die AfD sich von Anfang an gegen Bundeskanzlerin Angela Merkels offene Flüchtlingspolitik gewandt hat, durch die vor allem Muslime ins Land kamen, liegt es da so fern, dass sich auch manche Juden von der Partei angesprochen fühlen? In der "Zeit" äußern sich zwei jüdische AfD-Politiker aus Baden-Württemberg offen dazu: Alexander Beresowski aus Stuttgart sagt: "Ich habe Angst vor der Islamisierung der Gesellschaft." Auch zur EU hat der aus der Ukraine stammende Beresowski etwas AfD-Typisches zu sagen. Auf seinem Internetportal schreibt er: "Ich bin nicht deshalb aus der UdSSR ausgewandert, um mich eines Tages in der EUdSSR wiederzufinden!"


Dass sich Rechtsparteien aufgeschlossen für Juden zeigen, ist ein ziemlich neues Phänomen. Und es hängt deutlich mit der großen Migrationswelle der letzten zwei Jahre zusammen. Die Avancen sind aber nicht auf Deutschland beschränkt. Jean-Marie Le Pen, der Vater der heutigen Front-National-Chefin Marine Le Pen, hatte von den Gaskammern der Nationalsozialisten noch von einem "Detail der Geschichte" gesprochen. Seine Tochter dagegen sagte 2015: "Es besteht eine Gefahr für Juden in Frankreich. Sie sollten auf Seiten jener kämpfen, die sich über die Gefahr des islamistischen Fundamentalismus im klaren sind."

Der niederländische Rechtspopulist und Islamfeind Geert Wilders ist ein großer Freund Israels und dort ein gern gesehener Gast. Für Wilders Partei für die Freiheit sitzt der Jude Gidi Markuszower im niederländischen Senat. Auch die Freiheitliche Partei Österreichs hat mit David Lasar einen Abgeordneten im österreichischen Nationalrat, der zur Israelitischen Kultusgemeinde gehört. Die Karte Migration und Islam spielte auch die rechtsnationale ungarische Regierung unter Viktor Orban. Kurz vor einem Referendum über die europäische Flüchtlingspolitik im Herbst 2016 warb der regierungsnahe Historiker Laszlo Tokeczki im staatlichen Rundfunk für eine harte Linie: "Man muss Feministinnen, Homosexuellen, Juden und Atheisten klarmachen, dass es mit ihnen vorbei sein wird, wenn der Islam gewinnt."

...
Die AfD wirbt inzwischen gezielt in jüdischen Altersheimen um Stimmen, offenbar mit Erfolg. Denn der Zentralrat sieht sich zu der Warnung an die Gemeinden in ganz Deutschland genötigt, sich nicht "von einer antimuslimischen, hetzerischen Rhetorik der AfD umgarnen zu lassen".

Die frühere Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch sieht in Petrys Werben unterdessen einen ungeheuerlichen Vereinahmungsversuch. Es sei "an Dreistigkeit und Verlogenheit kaum zu übertreffen, wie die AfD die berechtigten Sorgen jüdischer Menschen vor Antisemitismus unter Muslimen in Deutschland für ihre Zwecke missbraucht". Für Knobloch gibt es keine Kompromisse: Für Juden sei die AfD "nicht wählbar".

eika13 - 02.10.18  

qnnenbraddel
Den Stand hatte ich schon.
Und auch meine Meinung dazu dargelegt, mich würden andere Meinungen dazu interessieren.

crysi40 - 02.10.18  

AfD-Chefin Frauke Petry??
Wußte gar nicht das Sie wieder dabei ist.

attacca - 02.10.18    

Für mich ist sie blau.

verlierer - 02.10.18   +

Viele Menschen, die mit der Politik unzufrieden sind, sich von den etablierten Parteien unverstanden fühlen, treten der AFD bei. Warum sollten gerade Juden da eine Ausnahme bilden?
Wahrscheinlich sind gerade Juden über die Hofierung des Islam hier in Deutschland besorgt.

crysi40 - 02.10.18  

Wir haben eine Demokratie ich schreibe auch keinen vor welche Partei er wählen oder eintreten soll.

Tschechov - 02.10.18   +

Nun ja, es ist ja bei Angehörigen der Linken oder auch nur sogenannten progressiven Menschen nicht selten anzutreffen, daß sie quasi einem Rassismus mit umgekehrtem Vorzeichen erliegen. Das Objekt ihrer Begierde wird in Umkehrung zum "normalen" Rassismus mit allem Positiven ausgestattet. Darüber vergessen sie dann, daß die von ihnen Hofierten schlicht ganz normale Menschen sind, nicht schlechter, aber auch nicht besser als der Rest der Menschheit. Es gibt eben auch rechte Juden. Ob die mit der AFD aber wirklich gut fahren, mag man bezweifeln.

schachzeit - 02.10.18    

Wie kann duennbradel für seinen differenzierten Beitrag ein minus erhalten?

japetus1962 - 03.10.18    

die plus-minus Geberei ist mir vollkommen schnupps.
Der Kommentar von duennbradel regt zum Denken an, danke sehr.
Es ist ohnehin schier unmöglich, dass <die einen> entweder <das andere> wollen oder <die anderen> nicht mögen, usw. usw.. Man möge sich mal mit den Wahlprogrammen der Parteien befassen und sich merken, was so im Lauf der Zeit von den Vertretern der Parteien vom Stapel gelassen werden, und sich dann die Meinung bilden, inwiefern man seine eigenen und Interessen wieder findet.

macmoldis - 03.10.18    

"Juden in der AfD", jo mei, da gibt es auch eine "schwul-lesbische Plattform" und "Homosexuelle in der AfD", bei denen kann ich mir noch weniger vorstellen, dass sie mit bzw in der AfD gut fahren.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat sich schon immer gegen die AfD ausgesprochen, das ist nix neues nach gewissen Ausfällen und Duldungen, seitens der Partei.

so gesehen fährt man bei der AfD wohl auch zweigleisig, einerseits sagte Pretzell (nicht mehr AfD) "Israel ist unsere Zukunft" oder um mal Geert Wilders sinngemäß übersetzen: "von Isreal lernen, heißt siegen lernen" wenn es um den Islam geht, anderseits aber auch Gedeon (noch in der AfD), welcher das Judentum als inneren Feind sieht, den Islam als den äußeren.

Wobei man nun als gemeinsamen Feind, den Islam finden kann ... aber sonst?

Weiß nicht, ob seitens des Zentralrats der Juden eine Infragestellung des "ordentlichen" Juden geschehen ist, habe nichts derartiges gefunden.
Ein erklärtes Unverständnis über jüdische Mitglieder in der AfD kann ich aber sehr wohl verstehen und auch aus der Erkenntnis "Natürlich treffen Juden nicht nur kluge Entscheidungen" kann ich allein noch keine Verunglimpfung sehen, auch Deutsche und Christen treffen nicht immer kluge Entscheidungen.

halt stop. hab doch noch eine Betrachtung gefunden ob bzw. wer "ordentlicher" Jude ist oder nicht (bzw. wie man's wird/werden kann), in einer Regionalzeitung ... in der man sich dies im Allgemeinen betrachtet bzw. auch im Besonderen zu einem der Gründungsmitglieder "Juden in der AfD" aus der Region, der da eben halt nicht mal Mitglied der Jüdischen Gemeinde ist.
Aber das asgt ja nix, es gibt auch die "Christen in der AfD" und im Parteivorstand ruft man zum Kirchenaustritt auf.

Die Gruppierung "Christen in der AfD" wird übrigens auf etwa 125 Mitglieder geschätzt, der Einfluss auf die Partei gilt als gering.
Schätze mal "Juden in der AfD" wird vielleicht nicht mal auf die Stärke kommen, viel Aufregung um ? kaum nennenswert

Für die AfD ist sowas dann aber natürlich eine Schlagzeile, ein Aushängeschild / Feigenblatt um sich bürgerlich zu geben, wir sind doch nicht antisemitisch, wir können doch keine Nazis sein, wir haben doch die "Juden in der AfD".

Scheinheilig sehe bei der Geschichte insgesamt eher die AfD und nicht den Zentralrat der Juden, denn der ist auf seiner Linie geblieben.

Mikrowelle - 04.10.18    

Es gibt ja auch FußballBundesligavereine, die deutlich gegen die AFD Stellung beziehen und das Gedankengut dieser Partei ablehnen.

Jupp53 - 04.10.18   +

Juden das Recht AfDler zu sein abzusprechen ist platter Antisemitismus. Chaqu'un a son goût lässt sich schlieblich auch so übersetzen: Jeder hat das Recht, auf seine Art zur Hölle zu fahren.

Die "einseitige Darstellung in den Medien ist Quatsch". Die haben berichtet, was der Zentralrat der Juden gesagt hat. Aber das kennen wir von AfD-Fans. Kritik an ihren Ansichten verstehen die per se als Hetze. Mimimimimimi.

Ich sehe eine viel größere Tragödie, die in der öffentlichen Diskussion Tabu ist. Als Schachspieler kennen wir alle Siegbert Tarrasch. Er gehörte zu einer Gruppe assimilierter Juden und es gibt mindestens eine Partiekommentierung einer Partie von ihm gegen Kieseritzki, die nationalistisch und militaristisch ist. Den Partieverlauf vergleicht er mit dem Kriegsverlauf 1870/1871 gegen Frankreich. Schlimmer war z.B. nach dem 1.Weltkrieg der jüdische Frontkämpferbund, der nationalistische Ideen unterstützte und förderte. Diese Menschen haben an einem Klima mitgewirkt, das zu den Verbrechen der Nazis und der Wehrmacht führte. Dazu hat der Zentralrat der Juden meines Wissens noch nie Position bezogen.

Wer den historischen Hintergrund kennt, der versteht auch folgenden bitteren jüdischen Witz:
Zwei BdM-Mädel sitzen am Ufer eines Sees und genießen die Sonne. Da sagt die eine: Mein künftiger Mann soll groß sein, stark, blond und Siegfried heißen. Entgegnet die andere: Das mit dem Aussehen verstehe ich ja. Aber muss es unbedingt ein Jude sein?

keinstein - 04.10.18    

Irgendwie unterstützt das meinen Gedanken, dass auch Zuwandererer/ Zugewanderte auf die Idee kommen können, dass ihnen die Zuwanderung, so chaotisch wie sie hierzulande praktiziert wird, schadet.
Jedenfalls finde ich, dass wir zwischen Zuwanderern und Zuwanderung streng unterscheiden sollten.
M.E. würde das auch die Polarisierung dämpfen.
Es ist ja die Unterstellung , dass Gegner der Zuwanderungsploitik auch Gegner der Zugewanderten sind, die zur Polarisierung in der Gesellschaft führt.

Kellerdrache - 05.10.18    

Einwanderer und Flüchtlinge haben ja per se eine völlig unterschiedliche Haltung zu ihrem Einwanderungsland. Ein Flüchtling flieht seine Heimat, weil er es dort nicht aushalten kann. Er erwartet von seinem neuen Land einfach ein besseres Leben ohne an seinem Zielland (dessen Kultur, Geschichte) im Ernstfall groß interessiert zu sein. Wären die Verhältnisse in seiner Heimat besser würde er nie hierher kommen.
Ein Einwanderer sucht ein Land dessen Eigenarten besser zu ihm passen. Er wandert in ein neues Land ein weil dieses eben genauso ist wie es ist (oder er denkt, dass es ist). Dieser Einwanderer ist seiner neuen Heimat gegenüber viel aufgeschlossener als ein Flüchtling, den nur die Not trieb.

macmoldis - 07.10.18    

"Muslime in der AfD" ... Jetzt haben sie die Chance die Partei zu übernehmen und das Programm zu ändern.

und wenn der Islam schon nicht zu Deutschland gehört, so kann er aber wohl zur AfD gehören.
Scheinheilig?

https://amp.welt.de/politik/deutschland/..

crysi40 - 07.10.18  

Es gab viele Politiker, die sich für einen Abbruch der Partnerschaftsbeziehungen zu Ditib aussprachen. Der Dachverband ist ein wichtiger Teilnehmer der Islamkonferenz (von der man schon lange nichts mehr hörte). Julia Klöckner und Jens Spahn von der CDU sprachen sich für einen Abbruch der Beziehungen aus. Spahn fordert auch jetzt ein "komplettes Verbot staatlicher Geldzuwendungen an Religionsgemeinschaften aus dem Ausland

https://www.heise.de/tp/features/Bundesr..

Das ist scheinheilig...es läuft nicht so wie die Politiker es gerne wollen und schon wird die Unterstützung gestrichen.....und bitte ich glaube die Ausrichtung war wohl alle bekannt:-)

attacca - 07.10.18    

Aber wer a sagt muss nicht b sagen bei geänderter Einschätzung.

crysi40 - 07.10.18  

Geänderte Einschätzung ..der ist gut;-)

Jupp53 - 08.10.18    

Ohne Links zur Verfügung zu haben: Da kamen von der CDU in NRW und Köln Äußerungen, die zumindest in den Fernsehnachrichten und der SZ auf eine deutliche Enttäuschung hinwiesen. Für mich hörte sich das nach einer Veränderung der Einstellung zu DITIB an.

Zurück zu dem jüdischen Arbeitskreis in der AfD. Da es sich nach den Äußerungen, die ich mitbekam, um Nationalisten handelt, müssten erdoganfreundliche Deutsche türkischer Herkunft auf Dauer die natürlichen Verbündeten sein. Es sei denn, die Religion passt nicht. Aber sonst passt das doch zusammen.

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