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Fairness beim Blitzen

smypls - 20.06.20    

Ich habe im Forum kurz gesucht, aber nix gefunden. Also meine Frage: Beim 5-Min-Schach habe ich noch z.B. 50 Sekunden auf der Uhr, mein Gegenspieler nur 25 Sekunden, aber er steht eindeutig auf Sieg.

1. Ist es fair, dass ich von mir aus weder aufgebe noch Remis anbiete? Ich denke ja.

2. Ist es aber fair, ein Remis-Angebot meines Gegenspielers abzulehnen? Ich denke, dass es eigentlich Okay sein müsste, aber dennoch würde ich es annehmen, weil es mir doch irgendwie nicht so richtig fair vorkommt.

Wie seht Ihr das?

shaack - 20.06.20    

Es ist fair weil beim Blitzen die Uhr ein Teil des Spiels ist.

toby84 - 20.06.20   +

Es ist fair. Wer beim blitzen nicht damit klarkommt, dass der Gegner auf Zeit spielt, spielt das falsche Spiel.

Mikrowelle - 20.06.20    

Selbst der Weltmeister Magnus Carlsen "flaged", d.h. er spielt absichtlich auf die Uhr, wenn er nicht anders gewinnen kann oder auf Verlust steht und der Gegner kein gutes Zeitmanagment hat. Das ist Teil des Schnellschachs.

MarkD - 20.06.20    

Dazu nocheinmal dieses schöne Video
Alireza Firouzja vs Magnus Carlsen | World Blitz 2019
https://www.youtube.com/watch?v=lmUgUetQ..

Hasenrat - 20.06.20    

Jetzt sind wir wieder bei dieser Fairness-Diskussion - hoffentlich kommt jetzt nicht wieder ..., na ja.

Es ist nicht schon fair gespielt, nur weil man nach Regeln spielt!
Es ist aber in vielen Fällen, wie in diesen, eben auch nicht unfair.
Fair spielt, wer sich sehr generös zeigt und bewusst darauf verzichtet nur auf Zeit zu gewinnen. Unfair ist aber nicht, wer dies nicht tut.
Es gibt eben noch ein Dazwischen - und darin ist viel Spielraum.

MarkD - 20.06.20    

Fair ist, wer die Regeln einhält.

Hasenrat - 20.06.20    

Von wem kenne ich noch mal dieses Zitat?

Es gibt ja diese Fairnesspreise bei sportlichen Veranstaltungen. Für was werden die verliehen? Nun, Preise neben den eigentlichen Wettbewerbsresultaten bekommt man gemeinhin für besondere Leistungen.
Denken wir uns ein Blitzschachturnier, wo auch Fairnesspreise verliehen werden. Wenn Fairness ist, die Regeln einzuhalten, hätte jeder, der sich an die Regeln hält, also einen zünftigen Preis verdient - denn das scheint ja nicht selbstverständlich zu sein. Wie viele Preisträger wird es geben? Mehr als einen? Sogar mehr als 50%? Donnerlüttchen!?
Nein, werdet Ihr sagen, Hasenrat, ist doch klar, Fairnesspreise prämieren bloß besondereFairness!
Ach so, sag ich da, man kann besonders gut die Regeln einhalten und weniger gut die Regeln einhalten, oder bloß durchschnittlich die Regeln einhalten. Besonders fair ist also der, der zu 100% die Regeln einhält - und das ist offenbar keine Selbstverständlichkeit! Oder sollte es womöglich doch welche geben, die zu 150% die Regeln einhalten? Geht das überhaupt? Klingt eher nach abstoßender Beamtenmentalität in der Dienstausübung, nicht? Nicht nach Fairnesspreis jedenfalls.

toby84 - 21.06.20   +

Ja das Thema hatten wir schon einmal besprochen. Nach deiner flammenden Rede für die besondere, über die Regeln hinausgehende Fairness habe ich mal darüber nachgedacht, was für mich einen Fairnesspreis rechtfertigen würde.

Für mich sind es eher die Ausnahmesituationen, die vom Regelwerk nicht abgedeckt sind, die Fairplay ausmachen. Wenn draußen ein Schneechaos herrscht, und man nicht auf Sieg reklamiert, weil die gegnerische Mannschaft später als eine Stunde nach offiziellem Rundenbeginn anwesend ist. Das ist für mich Fairplay. Wenn allerdings der Tag sonnig ist und es keinen ersichtlichen Grund gibt, warum die gegnerische Mannschaft nicht rechtzeitig eintreffen konnte, man aber trotzdem nicht auf Sieg reklamiert, ist das für mich kein Fairplay. Das kann man machen, muss man aber nicht.

Wenn plötzlich vor dem Fenster des Turniersaals ein Autounfall passiert und der laute Knall die Spieler erschreckt, und einer der Blitzspieler deshalb 30 Sekunden verliert, bevor er sich wieder auf das Spiel konzentrieren kann, dann ist es Fairplay, ihn seine Uhr 30 Sekunden zurückstellen zu lassen. Wenn der Spieler einfach langsamer spielt und deshalb am Ende nur noch wenige Sekunden auf der Uhr hat, ist es in meinen Augen kein Fairplay, ihn seine Uhr nochmal 30 Sekunden zurückstellen zu lassen.

Gegnern immer Grundlos noch einen Vorteil draufzugeben, ist für mich kein Fairplay. In einer Blitzpartie eine eigentlich auf Zeit gewonnene Partie herzuschenken, ist für mich kein Fairplay. Fairplay ist es in meinen Augen immer dann, wenn es einen Grund gibt, von einer vorherigen unkontrollierbaren Verzerrung des Chancengleichgewichts auszugehen, das durch die Inkaufnahme eines eigenen Nachteils wieder mehr oder weniger hergestellt werden kann.

Hasenrat - 21.06.20    

Das ist eine sehr gute Definition.

Der Rest ist Fingerspitzen- und Taktgefühl.

MarkD - 21.06.20    

Ich bin sehr einverstanden mit Euren Beiträgen, Hasenrat und toby84.

Man muss Geschriebenes natürlich immer im Kontext sehen.

Fair ist, wer die Regeln einhält.

In der Fragestellung, unserem Kontext, ging es um den Faktor Zeit beim Blitzen.

Zeit ist im Schach neben der Qualität der Züge ein Faktor.
Immer, nicht nur beim Blitzen! Daher ist es absolut fair und
nichts aussergewöhnliches, eine Verluststellung auf Zeit noch
zu gewinnen. Die Regeln sind klar und beide Spieler wissen
vor dem Spiel, worauf es ankommt.

Aussergewöhnliche Umstände lassen dann Abweichen von diesem Handeln zu.
Z.B. habe ich schon des Öfteren in einer Serie von 5-Minuten-Partien Remis
gegeben, und zwar unabhängig von der Stellung, wenn der Gegner mir schrieb,
dass er parallel einen geschäftlichen Anruf bekam o.ä.

Die Schachregeln haben für solche Umstände natürlich auch "Regeln" -
das sind in meinen Augen
11.1 "Die Spieler dürfen nichts unternehmen, das dem Ansehen des Schachspiels abträglich
sein könnte. " und
12.2.1 "Der Schiedsrichter sorgt für faires Spiel".
Das sind natürlich "Gummiparagraphen", aber ich denke, die Regelhüter haben sie geschrieben, um Handlungsspielräume für Unvorhergesehenes zu schaffen.

Im Fußball übrigens gibt es den Fair-Play-Preis in der Regel übrigens schon dafür, wenn sich ein Spieler mal an die Regeln hält (als "Gefoulter" zugibt, dass es kein Foul war).

Eine kleine Anekdote aus dem echten Leben noch dazu, wie sich "faires Spiel" als Bumerang herausstellen kann. Mannschaftskampf, ich Mannschaftsleiter, selbst spielend. Den gegnerischen Club als besonders "fair" eingeschätzt. Mein Gegner kommt nicht, ich warte, frage den gegnerischen Mannschaftsleiter... Gegner kommt schliesslich verspätet, kein Wort der Entschuldigung oder des Dankes, ein ganz normales Spiel. Später sehe ich in der Tabelle, dass eben dieser Spieler zwei Punkte durch Zeitüberschreitung geholt hat - in der gleichen Liga! :-D

kimble - 21.06.20    

...nichts desto trotz führt eine regelkonforme Beendigung durch ZÜ einer, auf Verlust stehenden, Partie hier auf cm erfahrungsgemäß häufig zu späterem "ignore" des Gegners.
Aktuell erlebt gerade.
Schade!
In den seltenen Fällen, in denen mir ein solcher Partieverlust durch ZÜ passiert ist, habe ich mich natürlich auch geärgert.
Über mich.

pawnbroker - 21.06.20    

@toby84

In der Tat ist hier schon oft das Thema Fairness angesprochen wurde. Ich denke, dass die meisten von uns genug zu "Fressen" haben, wir insofern Bert's Ausspruch folgen und uns um daher um die Moral (zu der die Fairness gehört) streiten.

Ich persönlich - das spannende an der Moral ist, dass sie subjektiv sein wird - finde Dein Beispiel umgekehrt richtig. Gerade die Mannschaft, die bei Sonnenschein nicht reklamiert, zeigt mE die größere Fairness. Für den Schneesturm werden vermutlich mehrere Verständnis aufbringen und somit Milde walten lassen. Diejenigen, die ohne ersichtlichen Grund die Entscheidung im Spiel suchen und nicht in Gewinn durch Zeitverzug, gehen einen Schritt weiter. Und dies kann man steigern: Verzichtet die schwächere Mannschaft auf Verlust zu reklamieren, wäre dies vermutlich mehr Fairness, als wenn es die stärkere macht, die vermutlich ohnehin gewonnen hätte. Eine Mannschaft, die so handelt, obwohl es um Meisterschaft oder Abstieg geht, wäre höher zu bewerten als eine, die ein Freundschaftsspiel austrägt.

Es ist nicht unfair bei Sonnenschein und Zeitverzug auf Sieg zu reklamieren sondern regelkonform. Aber es ist große Fairness es im Abstiegskampf nicht zu tun.

Und vor all denen, die im realen Schach aber auch oft hier bei Chessmail auf diese Weise fair spielen, verneige ich mich, denn wenn wir satt sind, ist das große Moral.

toby84 - 21.06.20    

@Pawnbroker: ja, das ist genau der Fairnessbegriff, dem ich in meinem vorherigen Beitrag widerspreche.

Startzeiten für Turniere haben einen Grund, nämlich eine gewisse Verlässlichkeit bei den Zusammenkünften zwecks Partieaustragung. Wenn sich eine Mannschaft grundlos nicht an die vorgegebenen Zeiten hält, ist es in meinen Augen nicht begrüßenswert, ein Auge zuzudrücken, weil damit die Verlässlichkeit der Spielzeiten untergaben wird. Passiert so etwas häufiger ohne Konsequenzen, führt das nach einer Weile dazu, dass die Mannschaften einfach irgendwann im Laufe des Vormittags eintrudeln und irgendwie mal mit den Partien beginnen, vielleicht nicht mal gleichzeitig. Bei grundlosen Verspätungen ein Auge zuzudrücken untergräbt den Sinn der Terminvereinbarung, hat also meiner Ansicht nach mit Fairplay gar nichts zu tun.

Das Fairplay, das ich beschreibe, ergibt sich aus dem Verständnis des Sinnes hinter den Regeln, und darin, zu erkennen, wann die Regeln unangemessen sind, um den vorliegenden Fall adäquat abzudecken. Die Mannschaft, die wegen des Schneesturms zu spät kommt, respektiert die Fristen und kam ohne eigenes Verschulden zu spät. Hier ist es fair, nicht auf die Durchsetzung der Regeln zu bestehen. Die Mannschaft, die grundlos zu spät kommt, weil sie einfach keinen Wert auf vernünftige Organisation legt, respektiert die Fristen nicht. Ein Auge zuzudrücken, wäre nicht "besonders fair", sondern unangemessen.

Alapin2 - 21.06.20    

@MarkD Zu Deiner "Anekdote aus dem echten Leben" : Wir haben das immer so
gehalten-----Wenn ein "Zuspätkommer" sich geäußert hat und einen GUTEN Grund
angab (Unfall,Riesenstau,U-Bahn-Ersatzverkehr o.ä) waren wir fair.Wenn jemand
einfach nur seine Termine nicht auf die Reihe bekam (...weil er als Kind immer von Mama geweckt werden musste??),dann eben regelkonform knallhart !
Achtung Witz : Sagt eine Frau zu ihrer besten Freundin :" Du,stell Dir vor,ich muss
meinen Sohn jeden Morgen wecken und zur Schule fahren,damit er nicht zu spät kommt ! Geht leider nicht anders,weil es sonst einen ganz schlechten Eindruck macht,wenn seine Schüler immer so lange auf ihn warten !"
Weiter im Ernst ---- Was mich nickelt : Es hieß immer,bei Z.Ü. geht die Stellung auf dem Brett vor ! (Matt,Patt,Dauerschach ,aber auch,wenn das Material nicht
zum Mattsetzen ausreicht ).Inzwischen kann man z.B. mit ungleichen Läufern+den nackten Königen beliebig auf Zeit spielen.Es gibt nämlich ein Mattbild : weiß Kh8,Lg8 schwarz Kh6,Ld4 .
Es wird also in Erwägung gezogen,daß ein Spieler Problemkomponist sein möchte und ein "Selbstmatt" in x Zügen kreiert,oder was ??
Von diesen "totremisen" Selbstmattstellungen gibt es eine ganze Menge (Siehe
Carlsen-Firouzia ). FAIRNESS wäre für mich,sowas sofort remis zu geben....da pfeife ich auf die "REGELN"!

pawnbroker - 21.06.20    

@toby84

Vorab: Ich möchte Dich nicht bekehren. Ich akzeptiere Deine Meinung, mE gibt es hier kein richtig oder falsch.

Du vermischt allerdings zwei Dinge in Deiner Antwort. Die erzieherische Maßnahme, wenn man erkennt, das jemand die Zeitüberschreitung bewusst ausnutzt, und faires Verhalten.

Wenn jemand bewusst zu spät kommt, in der Annahme die Fairness des anderen ausnutzen zu können, wäre ich vermutlich nicht gewillt, die Fairness auszuüben. Kommt jemand aus eigenem Verschulden zu spät, ohne es gewollt zu haben (zB weil er verschlafen hat), kann ich persönlich durchaus Fairness walten lassen ohne erzieherisch sein zu müssen und zukünftiges Verschlafen zu verhindern.

Alapin2 - 21.06.20    

@ toby84 "...kommt jemand zu spät,weil er verschlafen hat...",dann soll er sich einen Wecker kaufen ! Fühle mich extrem verar...,wenn ich pünktlich am Brett sitze
und da taucht...aus so einem Grund..jemand erheblich verspätet auf !
Hat nix mit erzieherisch zu tun ! Ist einfach eine Frechheit,jemanden so lange warten zu lassen.Die anderen Leute (Gegner!) sind auch noch da.Ich,ich,ich,oder wie ?

toby84 - 21.06.20    

@Alapin: was deinen letzten Beitrag angeht, ist der glaube ich eher an pawnbroker als an mich gerichtet :)

Was deinen vorherigen Beitrag an MarkD angeht: ich sehe nach wie vor einen Großteil deiner Probleme durch Inkrement gelöst. Zwei Sekunden Inkrement pro Zug reichen, um nicht verlierbare Stellungen nicht zu verlieren. Dass in der von dir im anderen Thread geschilderten Stellung von Carlsen und Firouzia Inkrement im Spiel war, kann ich mir nicht vorstellen. Da müsste Firouzia schon schwer gepatzt haben, um die Partie nicht heimzuschaukeln. Er hatte ja tatsächlich gar nichts mehr zu verlieren, konnte mit seiner Übermacht jeden Zug durchführen, ohne groß nachdenken zu müssen.

@pawnbroker: es handelt sich hierbei nicht um Erziehung. Die Zielsetzung ist eine ganz andere, nämlich wie bereits gesagt die Gewährleistung verlässlicher Spielzeiten. Erziehung beabsichtigt eine Veränderung des Verhaltens der zu erziehenden Person. Oder mit anderen Worten: das Ziel ist, dass möglichst viele Spiele pünktlich beginnen, und nicht, dass einzelne Spieler zur Pünktlichkeit erzogen werden. Wenn du denkst, dass das keinen Unterschied macht, will ich dir widersprechen: ein erzieherischer Auftrag gegenüber deinem schachlichen Gegner lässt sich tatsächlich nur schwer begründen. Das Bemühen, den Ligabetrieb soweit möglich zu einem reibungslosen Ablauf verhelfen zu wollen, lässt sich hingegen sehr gut begründen. Schließlich funktioniert so ein Ablauf umso besser, je mehr der Beteiligten sich um dessen Reibungslosigkeit bemühen. Deine Formulierung mit dem "erzieherisch sein" halte ich deshalb für irreführend, da sie eine Übergriffigkeit (ich erziehe einen fremden, erwachsenen Menschen) suggeriert, die den Kern der Sache nicht trifft.

Wenn du dir nun im Einzelfall sicher bist, dass eine Verspätung eine absolute Ausnahme war und sich garantiert nicht wiederholen wird, liegt es natürlich in deinem Ermessen, die Entscheidung zu fällen, die Verspätung nicht zu reklamieren. Mit dem Begriff Fairness wäre ich in so einem Fall allerdings vorsichtig. Ich halte es nämlich für äußerst fragwürdig, Ligateilnehmer immer wieder zu so einem "augenzudrücken" zu motivieren, indem man diese Großzügigkeit, die man nur mit Vorsicht anwenden sollte, noch pauschal mit dem Label "besonders fair" auszeichnet. Dann kann man die Regel nämlich auch gleich abschaffen. Sie dient dann nur noch der Selbstbeweihräucherung der ständigen Augenzudrücker.

MarkD - 21.06.20    

Nur zu dem Carlsen-Blitz. Schau Dir das oben von mir gepostete Video (am Ende) an. Es wurde mit Inkrement gespielt und ihm fiel der König um. Einfach Nervosität, denke ich.

Alapin2 - 21.06.20    

Sorry,Toby ... war wirklich an P.B. gerichtet...Hatte die erste mit der Zweiten Kopfzeile vertauscht !

Alapin2 - 21.06.20    

@ MarkD ..".nur zu dem Carlsen Blitz"...sorry,Carlsen stand platt und die einzige
Chance zu gewinnen,wäre ein ähnliches Läufer-Selbstmatt gewesen,wie von mir
oben beschrieben.Daß Firouza vorher mit dem Ellenbogen den König umwarf und
dadurch Zeit verlor,hat m.E. NICHTS damit zu tun,daß Carlsen in der Endstellung
keine Mattchance mehr hatte,außer dem erwähnten "Selbstmatt in x Zügen".Das
unter Supergroßmeistern.Da streikt mein Menschenverstand!

toby84 - 21.06.20    

@MarkD: ja jetzt habe ich mir das Video auch mal angesehen. Dass der König umfiel, ist natürlich Pech, aber es ist auch offenkundig, dass Firouzja die Zeit nicht im Blick hat. Das ist menschlich, aber so ist das blitzen. Hätte er einfach ein paarmal den Läufer übers Feld gezogen, hätte er sich damit ohne Risiko genug Zeit erspielt, um die Partie zu gewinnen. Er hat hier schlicht und einfach eine gewonnene Blitzpartie verschenkt, weil er die Zeit vergessen hat. Das passiert sicher jedem manchmal.

MarkD - 21.06.20    

Ja, sicher eine Sondersituation. Ich habe das damals live gesehen und ging (wie vielleicht auch Carlsen) davon aus, dass es nun Remis sei. Dass er damit gewann, ist sicher grenzwertig. Aber eben ein gutes (und prominentes) Beispiel für eben diese Grenze und wo sie regeltechnisch gezogen wird.

toby84 - 22.06.20   +

"Dass er damit gewann, ist sicher grenzwertig"

Das ist ja die Ansicht, die auch Alapin2 sehr vehement einnimmt. Das Problem ist, dass es nur drei mögliche Ergebnisse gibt, nämlich Sieg, Unentschieden und Niederlage, während die Unterschiede zwischen den Stellungen sehr feine Nuanchierungen annehmen können. Irgendwo ist IMMER eine minimale Stellungsänderung, die den Unterschied zwischen Unentschieden und Niederlage ausmacht.

Beispiel Weiß Ka1 Da8 gegen Kb7. Die schwarze Zeit fällt. In einem Zug wäre es Remis gewesen. Kein Mensch könnte ernsthaft annehmen, dass hier ein Großmeister nicht im nächsten Zug die Dame schlagen würde. Wo genau ist hier der Unterschied zu dem Beispiel mit Carlsen und Firouzja? Wenn man die Regelung ausweiten und sagen würde: "wenn im nächsten Zug und auf gänzlich ersichtliche Weise das Unentschieden zu erreichen ist, wird die Partie unentschieden gewertet", was ist dann mit dem vorletzten Zug? Und dem vorvorletzten? Wo zieht man die Grenze? Alapin2 macht es sich leicht, indem er von den Herren da oben spricht, die die sinnlosen Regeln machen. Die Regelung ist plausibel, so wie sie ist. Eine weitere Aufweichung würde zu unendlich vielen Streitfällen führen. Weil die überprüfbare Bedingung "es darf kein Matt mehr möglich sein" zu der schwammigen Bedingung "Es darf unter Berücksichtigung der schachlichen Fähigkeiten des Spielers kein Matt mehr möglich sein" würde, was offensichtlich Unsinn ist. Alapin2 hat sich geweigert, über die Problematik der Regelformulierung überhaupt nur nachzudenken. Es darf sich aber gerne jemand anderes daran versuchen, wenn er meint, eine bessere Formulierung der Regeln parat zu haben.

JamesBond007 - 22.06.20    

"[...] Beispiel Weiß Ka1 Da8 gegen Kb7. [...]"

Da hat Weiss wohl "Glück" gehabt... "Pech" für Schwarz! Und, sei es wie es wolle: 1-0! Daran ist wohl nicht zu rütteln...

Im Verein oder auch privat (jetzt endlich wieder möglich) spielen wir jede Partie auf Gewinn.... Und bei sozusagen jeder Sitzung kommt es mal vor, dass einer von uns eine "nicht mehr zu gewinnenden" Stellung dank Zeitüberschreitung gewinnt... Es ist eben so und wir leben damit! Beim Blitzspielen bildet die Zeit einen integrierenden und unzertrennbaren Bestandteil des Spiels... Und manchmal, wenn sowas vorkommt, sagt der Sieger: "Es ist halt Blitz!"

Und beim Recht, was geschieht wenn man im Grunde genommen zu 100% recht hat, aber z.B. die Einsprachefrist verpasst hat?

VG Marcel ~ alias JamesBond007

MarkD - 22.06.20    

toby84, ich bin ja genau Deiner Meinung!

"Grenzwertig" meinte ich mit "genau an der Grenze",
aber eben auf der eindeutigen Seite.
Und ich finde es auch gut so, denn so sind die Regeln an dieser Stelle eindeutig
und eben nicht diskutierbar.

Ich persönlich sehe es ansonsten genau wie auch JamesBond007, "es ist eben so"!
Und damit kann ich gut leben...

Hasenrat - 22.06.20    

Man kann die ganze Sache auch noch von einer anderen Seite her angehen und damit wieder mehr für Skrupel bei den Feinsinnigen unter den Schachspielern sorgen^^:

Wenn Fairness auch und vor allem heißt, das unbedingte Siegen-wollen nicht an erste Stelle zu setzen, das Siegen um jeden Preis, sondern das schöne Spiel an sich, den gerechten Sport, und wenn man den Fairness-Spruch zu Partiebeginn "Der Bessere möge gewinnen!" ernstnimmt, dann hat jedes bloße Gewinnen auf Zeit immer ein Geschmäckle, um so mehr, je größer die Diskrepanz zwischen der womöglich "unterirdischen" spieltechnischen Performance auf dem Brett und dem letztlich nur zeitbegünstigten Sieg ausfällt.
Natürlich ist der Faktor Zeit bei allen wettkampfmäßigen Partien Teil des Spiels - aber sollte dieser Teil mitbestimmende 50 oder mehr als 50 % ausmachen? ;-)

Hasenrat - 22.06.20    

Es müsste ein sportethischer Algorithmus entwickelt werden, der im Hintergrund immer mitläuft, und der das Spiel automatisch beendet, Alarm schlagend: Also ab hier wäre ein Sieg auf Zeit vollkommen geschmacklos! ;-)

underdunk - 22.06.20    

Ein sportethischer Algorithmus! Sehr schön! Wenn wir mal so weit sind, mach ich mir um das ganze autonome Zeugs keine Sorgen mehr. Der muss die Ethik dann aber für alle passend auslegen!

:-)

Hasenrat - 22.06.20    

Das dürfte doch keine allzu große Sache sein. ;-)

toby84 - 22.06.20    

@Hasenrat:
Sind Blitzpartien und das schöne Spiel an sich denn überhaupt unter einen Hut zu bringen? Oh, einen Läufer verloren? Egal, ist ja nur Blitz, den kriegt man zurück. Partien, die an Ästhetik nicht zu überbieten sind :)

Was die unteirdische spieltechnische Performance angeht, die trotzdem gewinnt: in der Liga hatten wir zuletzt einen Modus mit 30 Sekunden Inkrement pro Zug. Das bedeutet, dass man für 10 Züge so viel Zeit hat wie sonst für eine komplette Blitzpartie. Da kann man mit hinreichender Übermacht einfach nicht mehr verlieren. Außer man erinnert sich erst nach der Reklamation des Gegners, dass man so etwas wie ein Zeitlimit hatte.

Und um noch in die Philosophie einzusteigen: Wenn das erstrebenswerte Ziel "Der Bessere möge gewinnen!" sein soll, woran ist dann der Bessere zu erkennen? "der Bessere im Schach" sagt sich so leicht, aber was genau bedeutet das? Es gibt einige Spieler, die in langen Partien überproportional stärker sind als in kurzen Partien und umgekehrt. Es bedarf auch ganz anderer Fähigkeiten, schnelle Partien zu absolvieren als langsame. Auch Fernschachpartien stellen nochmal einen ganz anderen Anspruch an die Spieler als Echtzeitpartien. Was davon ist jetzt Schach? Wer von den unterschiedlichen Talenten ist jetzt besser "im Schach"? Gehörst du zu denen, die bewusst oder unbewusst nur den üblichen Turniermodus mit mehrstündigen Partien als "echtes Schach" verstehen und Blitzschachweltmeister auch mal als potenzielle Schach-Luftnummern bezeichnen, wie in diesem Forum bereits geschehen? Oder gehörst du zu den Theoretikern wie Vabanque, die die Schachpartie umso mehr schätzen, je hochwertiger und tiefgründiger sie ist? :) ist nur der, der an solchen Partieperlen mitwirkt, dann besser "im Schach"?

Hasenrat - 22.06.20    

Blitzschach verhält sich zu "Normalschach" wie Fastfood zu Slowfood - beides kann große Lust bereiten. Gesünder und nahrhafter und schöner ist nur eins von beiden.

toby84 - 23.06.20    

Metaphern sind wie Reden von Donald Trump: sie klingen gut und suggerieren einfache Lösungen.

Fast food ist schädlich für die Gesundheit, wie viele Studien nahelegen. Hauptsächlich daher kommt seine negative Reputation. Dass Blitzschach demnach quasi mental ungesund ist, wäre erst noch zu beweisen. Deine Metapher stülpt also die negative Meinung über Fast Food wegen gesundheitlicher Bedenken über das Blitzschach, obwohl der zentrale Grund der Bedenken hier gegenstandslos ist oder zumindest jeder sachlichen Überprüfung entbehrt. Wie man merkt, bin ich kein Freund von Metaphern. Meist sind sie nur Realitätsverzerrer.

Hasenrat - 23.06.20    

Gut pariert! ;-)
Na, es führt hier auch zu weit und vom Ausgangs"problem" weg.
Belassen wir es beim abschließenden oben schon gefundenen "es ist eben so", und dass das "Problem" irgendwie jeder für sich selbst lösen muss, in jeder Situation neu, mit "Fingerspitzengefühl" ...

toby84 - 23.06.20    

Danke :)

Mit Sicherheit wird so eine Diskussion irgendwann wieder hier aufflammen. Das ist doch mit den meisten Diskussionen so :) Bis dahin können wir es gerne dabei bewenden lassen.