Miscellaneous

Bedienkultur

Famulus - 15.02.20    

Weihnachten mit 2 Freunden aus USA in gutem Restaurant. Hatte Tisch für 5 Personen bestellt. Beim Eintreten noch guten Abend von der Bedienkraft und Hinweis, unser Tisch sei der hinten in der Ecke. Dann verschwand sie. Den Tisch haben wir dann selbst gefunden.
Gestern mit Gattin in sehr gutem Restaurant zum Valentin. Hatte vor 4 Wochen bestellt. Die Begrüssung lautete, dann wollen wir mal sehen, wo wir sie noch unterkriegen.
Manchmal scheint der Gast in Deutschland der Störfaktor im Restaurant zu sein. Beide Abende haben sich dann aber noch gut entwickelt. Nach Gauland Problem sicher ein Fliegenschiss. Ähnliche Erfahrungen?

Cornwall - 15.02.20    

An der teilweisen schlechten Bedienkultur in Deutschland ist Herr Gauland nun wirklich nicht Schuld. Die gibt es schon sehr lange. Das merkt man so richtig, wenn man einmal in den USA gewesen ist. Dort ist der Service fast in allen Restaurants so gut (oder besser) wie in den weit überdurchschnittlichen bei uns.

Wobei es die mit sehr gutem Service auch bei uns gibt. Aber des öfteren trinke ich zum Essen ein Glas weniger als gewollt. Einfach weil mein leeres Glas nicht beachtet wird. Dann denke ich mir - anscheinend wollen die nichts verdienen (ich gehe in der Regel nicht allein essen, dann sind es meist schon mindestens Gläser weniger Umsatz). Immerhin wird immer öfters gefragt, ob man n a c h dem Essen noch etwas haben möchte - anscheinend Verkaufsvorgabe vom Chef - aber der Servicegedanke ist bei vielen einfach nicht fest verankert.

Insgesamt kann ich aber schon sagen, dass ich persönlich genug Restaurants kenne, in denen ich mich sehr gut bedient fühle.

Famulus - 15.02.20    

Dem letzten Satz stimme ich zu. Schlechtere Bedienung ist die Ausnahme.

Stellmacher - 15.02.20   +

Im Servicebereich wird man heute halt auch oft nur schlecht bezahlt: Da neigt man dann halt dazu, das eigene Engagement der Entlohnung "anzupassen".

Wenn man nur den Mindestlohn bekommt, liefert man halt auch nur Mindestleistung ab- schon auch irgendwie verständlich.

Vabanque - 15.02.20    

Ich habe es nicht nur in München, sondern auch in anderen deutschen Städten schon ziemlich oft erlebt, dass man in einer Gaststätte schlicht und einfach nicht beachtet wird, selbst wenn das Lokal nur mäßig besucht ist. Ich musste daher schon des öfteren nach einer halben Stunde wieder gehen, ohne überhaupt die Chance gehabt zu haben, eine Bestellung aufzugeben. Das ist ärgerlich, aber noch lange nicht die schlimmste Variante. Viel schlimmer ist es, wenn zwar ziemlich schnell jemand an den Tisch kommt und die Bestellung aufnimmt, aber dann schon die Getränke sehr lange dauern, und das Essen nach einer Stunde immer noch nicht da ist. Oder alle Personen unserer Gruppe bekommen nach angemessener Zeit ihr Essen, nur eine nicht (das bin dann meistens ich). Auf Nachfrage wird die Bedienung dann auch noch patzig (so geschehen im 'Preysinggarten' in München (den ich seitdem natürlich boykottiere). Oder man hat für eine größere Gesellschaft reserviert, aber bei Ankunft im Lokal weiß niemand davon (ist mir schon mehrmals passiert, also kein Einzelfall). Und so weiter und so fort ... ich könnte da endlos Geschichten erzählen. Ja, und natürlich kommt immer dann niemand an den Tisch, wenn man noch etwas nachbestellen möchte. Wenn man dagegen keinen Wunsch hat, wird permanent (und penetrant) nachgefragt, ob man noch etwas haben möchte.
Die Liste der Lokale, in die ich bestimmt keinen Fuß mehr setze, ist allein in München schon überdimensional lang, und das, obwohl ich höchstens alle paar Monate mal essen gehe (weil ich nämlich nie allein in eine Gaststätte gehe). Und die wenigen Lokale, wo ich mit dem Service und mit dem Essen zufrieden war, haben mittlerweile alle geschlossen, oder der Pächter hat gewechselt. Offenbar macht man mit guten Service nur Bankrott ...

Famulus - 15.02.20    

Es wird natürlich auch immer schwerer, gutes Personal, überhaupt Personal zu finden. In meiner Umgebung schliessen schon Gasstätten ganz oder tageweise, weil kein Personal zur Verfügung steht. Die Bezahlung ist ja auch nicht berauschend und bedienen will auch nicht jeder, was ich nachvollziehen kann. Gute aufmerksame Kellner stehen jedenfalls hoch in meiner auch Trinkgeld Gunst.

Vabanque - 15.02.20    

Ja sicher, man muss immer beide Seiten der Medaille betrachten.

verlierer - 15.02.20    

In den USA ist die Entlohnung der Bedienungen grundsätzlich anders geregelt, nix Mindestlohn sondern nur geringe bis gar keine Bezahlung. Es gibt eine Umsatzbeteiligung vom Betreiber sowie ein Trinkgeld, Tip, vom Gast. In der Regel von ca. 15% vom Rechnungsbetrag.
Was Wunder, dass die Servicekräfte aufmerksamer sind?

Jupp53 - 16.02.20    

Achtet mal darauf, wie viele Plätze eine Kellnerin, ein Kellner zu bedienen hat. Mit starken Gewerkschaften liefe da einiges besser. (Gilt auch in der Pflege, ...)

Cornwall - 16.02.20    

In der Bäckerei: Zwei Kunden vor, zwei Verkäuferinnen hinter der Theke. Ich als dritter dazu, einen halben Meter Abstand (bin ja nicht dran). Dann kommt noch ein vierter Mann, steht leicht versetzt hinter mir. Eine der beiden Verkäuferinnen wird frei und fragt: Was darf ich Ihnen geben, Herr S? Nein, ich war nicht Herr S. Zu viele Kunden ? ( Ich kaufe da trotz sehr guter Produkte nicht mehr ein).

Im Biergarten: Die Servicekraft kommt uns - leicht in Hektik - entgegen, aber zur Erwiderung unseres Grußes (sie hat uns also gesehen) reicht es noch. Im kleinen Biergarten sind drei oder vier der Tische besetzt, zwei -nebeneinanderstehend - sind noch frei. Wir, zwei Personen, wählen einen und warten und warten. Dann wird der letzte freie Tisch durch zwei Personen besetzt. Die Servicekraft kommt, bedient an einem der vorher besetzten Tische und geht. Irgendwann kommt sie wieder und nimmt die Bestellung an unserem Nachbartisch auf. Und geht - wir dann auch. Zu viele Plätze zu bedienen?

Immer wieder im Restaurant: Eine Servicekraft bringt Getränke/Essen an einen Tisch. Auf dem Rückweg kommt sie an einem Tisch vorbei, an dem Gäste mit dem Essen fertig sind. Und nun kann man zwei Fälle beobachten: Die Servicekraft geht an diesem Tisch vorbei (negativ) oder sie nimmt die leeren Teller/Gläser auf einem Weg mit. Auch das liegt ausschließlich in der Person der Servierkraft.

Wobei ich auf klar sage, dass es Aufgabe des Inhabers ist, ein organisatorisches Umfeld zu schaffen, in dem z. B unnötige Wege erspart bleiben.

Mglali - 16.02.20    

Moeglicherweise liegt es ja an den personen die bedient werden wollen. ;-)
So was spricht sich im service rum. Is ne begrenzte welt.

Cornwall - 16.02.20    

Im ersten Fall war das definitiv so. Ich war da noch neu in der Stadt - der mir vorgezogene Kunde ein (wie ich dann erfahren habe) stadtbekannter Immobilienmakler..

Cornwall - 16.02.20    

Ach ja - und im zweiten Fall habe ich ein sehr gutes Verhältnis zum Gastwirtsehepaar und dem Stammpersonal. Das wurde auch durch den Vorfall nicht beeinträchtigt. Und nebenan wurden wir dann sehr freundlich bedient.

Cornwall - 16.02.20    

Also vermute ich, schreibst Du Mglali, aus deiner persönlichen Erfahrung heraus.

aguirre - 16.02.20   +

Niemand betrachtet hier leider die andere Seite, was sich Serviceleister und Dienstleister von Kunden alles bieten lassen müssen.
Die "Servicewüste" Deutschland beginnt auch beim "König" Kunde, welcher der Meinung ist, sich gegenüber Service und Dienstleistern alles, aber wirklich alles herausnehmen zu können, von unfreundlichen Umgangston bis hin zu rüden Verhalten und persönlichen Beleidigungen.
"Brot" und nun Du Verkäufer, rate was ich will, nein "Bitte ein Mischbrot" und ein "Danke" sind heute schon zu viel.
Meine Erfahrung, trete ich Dienstleistrung und Serviceleistern höflich gegenüber werde ich auch höflich bedient.

Famulus - 16.02.20    

Die andere Seite wurde vorher schon angesprochen. Aber es stimmt: Wie es in den Wald schallt so auch heraus. Immer zwei Seiten.

Vabanque - 16.02.20    

>>aguirre - vor 21 Min.

Niemand betrachtet hier leider die andere Seite<<

Das ist definitiv falsch, sowohl SF Famulus wie auch ich haben die andere Seite erwähnt. Und auch SF Cornwalls Beiträge empfinde ich keineswegs als einseitig.

Nur, wenn man in einem fast leeren Lokal von den Servicekräften überhaupt nicht beachtet wird, dann lässt sich dafür m.E. nur schwer eine Rechtfertigung oder Entschuldigung finden.

verlierer - 16.02.20    

Man kann seinen Job gut oder schlecht machen, vielleicht fehlt manchen die Motivation, sie bekommen Ihr festes Gehalt...
Wenn allerdings der Personalschlüssel nicht stimmt sieht es anders aus.
Ansonsten: Wie man in den Wald ruft,...

triangel - 23.02.20    

Es ist echt traurig wie man teilweise behandelt wird.
War im Subway und folgendes spielte sich ab:
MIT ALLEM? Ja außer Gurken.
SALZ PFEFFER? Nein, danke.
SOßE?
Der Punkt ist er hat mich in einem Ton angebellt, der mir
den Eindruck vermittelte, dass der mein Geld gar nicht haben wollte.
Habe mich nach dem Bezahlen mich direkt beschwert.
Unglaublich sowas.

Famulus - 23.02.20    

Subway Köln?

triangel - 28.02.20    

Nein, frankfurt. Einfach unverschämt. In den USA wird man freundlich begrüßt.
Es gibt immer wieder Spezialisten, die behaupten, dass die Leute wegen schlechter Arbeitsbedingungen so drauf sind.
Das ist für mich kein Argument. Man soll also grundlegenden Respekt, gute Erziehung und Höflichkeit zu Hause lassen, wenn man zur Arbeit geht? Ich denke nicht.

Jupp53 - 28.02.20    

@triangel

Wer sich darüber aufregt, was du im Subway schilderst, der kann gar keine gute Erziehung zu Hause lassen, weil er gar nicht aufgenommen hat, was das heißt. Mit einem freundlichen Wort hättest Du die Situation entspannen können. Stattdessen entwickelst Du eine Anspruchshaltung bis hin zur Beschwerde und redest danach von Höflichkeit.

Realsatire!!!

Jupp53 - 28.02.20    

Ach ja, noch etwas. Die schlechten Arbeitsbedingungen sind zu gut 50% solche Kunden.

Beschwerte sich eine Kundin bei Aldi an der Kasse, es gehe ihr nicht schnell genug, bis sie an die Zigaretten käme in einem Ton, dass ich ihr sagte, sie möge fünf Päckchen am Tag rauchen, damit die Keiferei schneller ein Ende habe. Plötzlich lächelte die Kassiererin.

Vabanque - 28.02.20    

Subway ist doch kein Restaurant, auch wenn es sich selber so nennt, deswegen wäre es auch absurd, dort irgendeine 'Bedienkultur' erwarten zu wollen. Ich muss sagen, ich geh da auch nicht mehr hin, weil die Angestellten offenbar nicht nur in Köln und Frankfurt so sind, sondern auch in München. Diese Jobs sind ja nun wirklich nicht beneidenswert.

triangel - 28.02.20    

Jupp53: Du tolerierst also Respektlosigkeit? Hör mal zu, wer arbeiten geht und vor allem wenn man Kundenkontakt hat, der muss sich zu benehmen wissen. Würdest du als Chef eines Restaurants oder eines Imbiss solche Leute einstellen? Leute, die die Kunden in einem unhöflichen Ton anblaffen?
Wenn ich in einen Dönerladen oder Italiener gehe, werde ich nie so angebellt, wie der Angestellte es getan hat. Ich erwarte keine übertriebene künstliche Freundlichkeit, sondern man nicht angeblafft. Da erwarte ich noch nicht mal ein Lächeln oder eine Begrüßung. Wenn dir das schon zuviel ist, dann weiß ich nicht, wo deine Standards liegen.

Wenn alle Kunden so angeschnauzt werden, ist das nicht nur für die Kunden unangenehm, sondern auch langfristig für das Unternehmen und das betrifft weit mehr Menschen als, wenn man das schlechte Verhalten einer einzigen Person bemängelt.
Ich habe dies übrigenst nicht öffentlich gemacht, sondern unter vier Augen. Es gibt Leute, die nehmen das hin und gehen stattdessen auf Onlinebewertungsportale und schreiben unsachliche 1-Stern-Reviews.
Da bevorzuge ich da lieber die direkte Art. Was ist daran falsch mit dem Mitarbeiter zu reden? Ich hätte ja auch mit dem Chef reden können, ist das besser oder was?

Ich kenne Leute denen geht es sehr schlecht im Leben und dennoch üben sie ihren Job mit Freude und mit Respekt vor anderen Leuten aus. Wenn man etwas kritisiert so soll dies auch konstruktiv sein.