Vergleich der Wertungssysteme, hm, je mehr ich drüber gelesen habe, umso mehr bin ich der Meinung, dass man sie kaum vergleichen kann. Schon z. B. innerhalb des Elo-Systems kommt es stark darauf an, wie alt die Wertung ist und wie viele Spieler insgesamt im Rating-Pool gezählt werden, wann sie wegen Inaktivität nicht mehr zählen und wer weiß was. Die DWZ gilt aufgrund ihrer Berechnungssystematik als genauer als die FIDE Elo, die FIDE Elo listete früher erst ab 2000 (oder 2200, weiß ich nicht mehr), mittlerweile ab 1200 Punkten. Der Betrachtungszeitraum hat schon großen Einfluss auf den „Wert“ der Elo-Zahl. Bei Glicko kommen mehr Faktoren bei der Berechnung hinzu, wie z. B. Spielpausen zwischen Ratings.
Je kleiner die DWZ, desto größer die Abweichung zur Elo, je höher die Ratings, desto enger liegen sie beieinander. Oft hört man von 50 - 100 Punkten Abweichung, was vermutlich den 2000er Raum betrifft. Soviel zur Einleitung für die, die das Thema interessiert.
John Curdo hat eine FIDE Elo, zuletzt gewertet 2013, von 2239 im Standard-Schach.
ratings.fide.com/profile/2001705Seine USCF Elo lag 2013 gleichfalls knapp über 2230. Aktuell (zuletzt gewertet 4/2020) liegt er bei genau 2200, sein Spitzenwert Anfang der 1990er Jahre über 2500. Er ist FIDE Master, US Life Master und Original Life Master, also auch hier Vergleichbarkeit. Bei der USCF ist Curdo online gelistet mit 1035 Events zwischen 1991 und 2020.
uschess.org/msa/MbrDtlMain.php?10009201Die USCF gibt eine Umrechnung für FIDE-Elo an. Es wird unterschieden zwischen FIDE-Elo bis und größer 2000.
glicko.net/ratings/rating.system.pdf (Abschnitt 2.7). Die Formeln werden immer mal angepasst, so konnte man z. B. 2018 noch einfach 80 Punkte von der FIDE-Elo (bei >2000) abziehen und erhielt das USCF-Elo-Äquivalent - als Basis für Spielende mit FIDE-Elo, jedoch ohne USCF-Rating! Es geht also nur um die Schaffung einer Rechenbasis, nicht um unumstößliche Vergleichbarkeit.
Mit der DWZ ist es komplizierter, hier gibt die Wertungsordnung, Abschnitte 6.1 und 4.9.3 Auskunft. „Für (insbesondere ausländische) Spieler ohne DWZ können FIDE-Rating-Zahlen oder nationale Wertungszahlen aus entsprechenden aktuellen Listen unter der Voraussetzung entnommen werden, dass sie von der Wertungszentrale nach vorhergehender Prüfung als vergleichbar eingestuft wurden. Es ist in solchen Fällen darauf zu achten, ob die Wertungszentrale des DSB besondere Umrechnungsformeln vorgeschrieben hat.“
schachbund.de/wertungszahlen.html Echte Vergleichbarkeit gibt es nur innerhalb eines Systems, und überall gilt das Gleiche wie auch bei chessmail - je mehr Partien gezählt werden, desto genauer das Bild des Spielenden. Zurück zu Curdo: Er hat vergleichsweise wenig FIDE-Wertungen, mehr als 2500 USCF-Wertungen allein ab 1991. Diese erzielte er in Open; schaut man durch die jüngeren Events war die Gegnerschaft nicht mit ihm vergleichbar, was wohl auch die ungeheure Zahl an Turniersiegen erklärt. Welchen Schluss zieht man jetzt? Spielstark - oder erfahren - war / ist er wohl. Wäre er noch gleichauf mit anderen 2200ern oder würde das Rating dann bröckeln?