Vabanque, 1/8, 30. Oct '25
Ich will mal eine recht leichtgewichtige Folge posten.
Nicht selten kommt es bereits in der Eröffnung zu einem 'erstickten Fesselungsmatt', wie ich es nennen möchte. Das folgende Schema soll den Typus veranschaulichen:
Schema
Hier spielt Weiß Sd6#.
Der Angreifer hat also eine schwere Figur (meist die Dame, denn so früh kommt der Turm in der Regel noch nicht raus) auf der e-Linie, und ein Springer setzt den von seinen Getreuen so liebevoll umgebenen feindlichen König unter Ausnutzung der Fesselung des e-Bauern matt. (Da sieht man mal wieder, wie einem Liebe die Luft zum Atmen nehmen kann.)
Wir schauen uns nun an, wie dieses Matt aus verschiedenen Eröffnungen entstehen kann; dazu gibt es vier Beispiele (im letzten darf dann endlich Schwarz auch mal Matt setzen). Die Namen der Spieler habe ich weggelassen, da (wie immer bei Eröffnungsfallen) diese kurzen Partiechen keine 'Unikate' sind, sondern im Gegenteil schon mehrmals oder sogar recht häufig vorkamen.
Beispiel 1: Caro-Kann
[White "?"]
[Black "?"]
[Result "1-0"]
[ECO "B17"]
1. e4 c6 2. d4 d5 3. Nc3 dxe4 4. Nxe4 Nd7 5. Qe2 $5 {Ein typischer Fallenzug;
eigentlich sollte Schwarz sich an dieser Stelle fragen, warum Weiß mit der Dame
den Lf1 verstellt?} 5... Ngf6 $4 {Er fragt es sich nicht!} (5... Ndf6 $1 {war
korrekt.} ) 6. Nd6# 1-0
Beispiel 2: Tenisson-Gambit
[White "?"]
[Black "?"]
[Result "1-0"]
[ECO "A06"]
1. Nf3 d5 2. e4 {Das Tennison-Gambit, das üblicherweise aus Skandinavisch (1.
e4 d5 2. Sf3) entsteht.} 2... dxe4 3. Ng5 Bf5 4. Nc3 Nf6 5. Qe2 {Im Gegensatz
zu der vorhin gezeigten Situation in Caro-Kann ist der Damenzug hier logisch;
e4 wird noch einmal angegriffen und außerdem droht Weiß Db5+ (ob diese Drohung
so stark ist, dass Schwarz zu seinem nächsten Zug greifen muss, steht natürlich
auf einem anderen Blatt).} 5... c6 $6 ( {Am kräftigsten kontert Schwarz hier
mit} 5... Nc6 $1 {mit der Option Sd4.} ) 6. Ngxe4 Nbd7 $4 {Und wieder haben wir
die gleiche Situation wie vorhin, und das mit völlig 'natürlichen' Zügen!} 7.
Nd6# 1-0
Beispiel 3: Skandinavisch
[White "?"]
[Black "?"]
[Result "1-0"]
[ECO "B01"]
1. e4 d5 2. exd5 Qxd5 3. Nc3 Qa5 4. Bc4 Nf6 5. d3 Bg4 6. f3 Bh5 7. Bd2 {Nun
muss Schwarz - wie oft in Skandinavisch mit Da5 - mit der Belästigung seiner
Dame durch einen Abzug des Sc3 rechnen.} 7... c6 8. Qe2 $1 {Hier stark auch
ohne konkrete Fallenabsicht, denn es wird kein Lf1 verstellt und Weiß
beabsichtigt die lange Rochade.} 8... Nbd7 $2 9. Nb5 Qd8 $4 {Darauf hat Weiß
gerechnet!} ( {Nach} 9... Qb6 $1 10. Nd6+ Kd8 11. Nxf7+ Bxf7 12. Bxf7 Qxb2
{war noch nicht alles verloren.} ) 10. Nd6# 1-0
Beispiel 4: Budapester Gambit
[White "?"]
[Black "?"]
[Result "0-1"]
[ECO "A52"]
1. d4 Nf6 2. c4 e5 3. dxe5 Ng4 4. Bf4 Nc6 5. Nf3 Bb4+ 6. Nbd2 Qe7 7. a3 Ngxe5
$1 {So weit ist alles etablierte Theorie dieser Eröffnung. Aber Weiß glaubt nun
anscheinend, Schwarz hätte so mir nichts dir nichts einfach den Lb4 einstehen
lassen ...} 8. axb4 $4 ( {Korrekt ist} 8. Nxe5 Nxe5 9. e3 {, und die schwarze
Drohung ist verpufft.} ) 8... Nd3# 0-1
Das letzte gezeigte Beispiel dürfte das berühmteste und vergleichsweise am häufigsten vorgekommene sein. In seinem Buch 'Die neue Schachschule - Meister durch schöpferisches Spiel' erzählt der Autor H.C.Opfermann, dass er selbst einmal in einer Stadtmeisterschaft mit dieser Falle eine Partie gewann, wonach ihm sein Gegner das vollbesetzte Schachbrett mit allen Figuren ins Gesicht schleuderte.
(Hierzu erspare ich mir den Kommentar und überlasse ihn ggf. euch😁.)
Danque fürs Lesen, Liken und ggf. Kommentieren!
Nicht selten kommt es bereits in der Eröffnung zu einem 'erstickten Fesselungsmatt', wie ich es nennen möchte. Das folgende Schema soll den Typus veranschaulichen:
3qkb2/3npp2/8/8/4N3/8/4Q3/8 w - - 0 1
Schema
Hier spielt Weiß Sd6#.
Der Angreifer hat also eine schwere Figur (meist die Dame, denn so früh kommt der Turm in der Regel noch nicht raus) auf der e-Linie, und ein Springer setzt den von seinen Getreuen so liebevoll umgebenen feindlichen König unter Ausnutzung der Fesselung des e-Bauern matt. (Da sieht man mal wieder, wie einem Liebe die Luft zum Atmen nehmen kann.)
Wir schauen uns nun an, wie dieses Matt aus verschiedenen Eröffnungen entstehen kann; dazu gibt es vier Beispiele (im letzten darf dann endlich Schwarz auch mal Matt setzen). Die Namen der Spieler habe ich weggelassen, da (wie immer bei Eröffnungsfallen) diese kurzen Partiechen keine 'Unikate' sind, sondern im Gegenteil schon mehrmals oder sogar recht häufig vorkamen.
Beispiel 1: Caro-Kann
[Black "?"]
[Result "1-0"]
[ECO "B17"]
1. e4 c6 2. d4 d5 3. Nc3 dxe4 4. Nxe4 Nd7 5. Qe2 $5 {Ein typischer Fallenzug;
eigentlich sollte Schwarz sich an dieser Stelle fragen, warum Weiß mit der Dame
den Lf1 verstellt?} 5... Ngf6 $4 {Er fragt es sich nicht!} (5... Ndf6 $1 {war
korrekt.} ) 6. Nd6# 1-0
Beispiel 2: Tenisson-Gambit
[Black "?"]
[Result "1-0"]
[ECO "A06"]
1. Nf3 d5 2. e4 {Das Tennison-Gambit, das üblicherweise aus Skandinavisch (1.
e4 d5 2. Sf3) entsteht.} 2... dxe4 3. Ng5 Bf5 4. Nc3 Nf6 5. Qe2 {Im Gegensatz
zu der vorhin gezeigten Situation in Caro-Kann ist der Damenzug hier logisch;
e4 wird noch einmal angegriffen und außerdem droht Weiß Db5+ (ob diese Drohung
so stark ist, dass Schwarz zu seinem nächsten Zug greifen muss, steht natürlich
auf einem anderen Blatt).} 5... c6 $6 ( {Am kräftigsten kontert Schwarz hier
mit} 5... Nc6 $1 {mit der Option Sd4.} ) 6. Ngxe4 Nbd7 $4 {Und wieder haben wir
die gleiche Situation wie vorhin, und das mit völlig 'natürlichen' Zügen!} 7.
Nd6# 1-0
Beispiel 3: Skandinavisch
[Black "?"]
[Result "1-0"]
[ECO "B01"]
1. e4 d5 2. exd5 Qxd5 3. Nc3 Qa5 4. Bc4 Nf6 5. d3 Bg4 6. f3 Bh5 7. Bd2 {Nun
muss Schwarz - wie oft in Skandinavisch mit Da5 - mit der Belästigung seiner
Dame durch einen Abzug des Sc3 rechnen.} 7... c6 8. Qe2 $1 {Hier stark auch
ohne konkrete Fallenabsicht, denn es wird kein Lf1 verstellt und Weiß
beabsichtigt die lange Rochade.} 8... Nbd7 $2 9. Nb5 Qd8 $4 {Darauf hat Weiß
gerechnet!} ( {Nach} 9... Qb6 $1 10. Nd6+ Kd8 11. Nxf7+ Bxf7 12. Bxf7 Qxb2
{war noch nicht alles verloren.} ) 10. Nd6# 1-0
Beispiel 4: Budapester Gambit
[White "?"]
[Black "?"]
[Result "0-1"]
[ECO "A52"]
1. d4 Nf6 2. c4 e5 3. dxe5 Ng4 4. Bf4 Nc6 5. Nf3 Bb4+ 6. Nbd2 Qe7 7. a3 Ngxe5
$1 {So weit ist alles etablierte Theorie dieser Eröffnung. Aber Weiß glaubt nun
anscheinend, Schwarz hätte so mir nichts dir nichts einfach den Lb4 einstehen
lassen ...} 8. axb4 $4 ( {Korrekt ist} 8. Nxe5 Nxe5 9. e3 {, und die schwarze
Drohung ist verpufft.} ) 8... Nd3# 0-1
Das letzte gezeigte Beispiel dürfte das berühmteste und vergleichsweise am häufigsten vorgekommene sein. In seinem Buch 'Die neue Schachschule - Meister durch schöpferisches Spiel' erzählt der Autor H.C.Opfermann, dass er selbst einmal in einer Stadtmeisterschaft mit dieser Falle eine Partie gewann, wonach ihm sein Gegner das vollbesetzte Schachbrett mit allen Figuren ins Gesicht schleuderte.
(Hierzu erspare ich mir den Kommentar und überlasse ihn ggf. euch😁.)
Danque fürs Lesen, Liken und ggf. Kommentieren!