Chess

Erinnerung an Michail Moissejewitsch Botwinnik

aspire5, 1/6, 18. Aug '25

aspire5 - 18. Aug '25
Michail Botwinnik wurde am 17. August 1911 in Kuokkala, Großfürstentum Finnland, Russisches Kaiserreich (jetzt: Repino, Russland) geboren und starb am 5. Mai 1995 in Moskau. Er stammte aus einer gut situierten jüdischen Zahnarztfamilie und war ein sowjetischer ( russischer ) Schach-Großmeister und der sechste Schachweltmeister (1948-1963). Er hielt den Weltmeistertitel fast 15 Jahre lang (mit zwei kurzen Pausen in den Jahren 1957 und 1960)
Botwinnik lernte erst im Alter von 12 Jahren Schach und bereits zwei Jahre später besiegte er Weltmeister Jose Raul Capablanca in einer Simultanpartie.
1936 teilte er sich mit Capablanca den ersten Platz in Nottingham, einen halben Punkt vor dem amtierenden Weltmeister Max Euwe und einen ganzen Punkt vor Alexander Aljechin, Samuel Reshevsky und Reuben Fine.
Er gilt nicht nur als der einflussreichste Schachtrainer der Geschichte, sondern auch als einer der besten Spieler aller Zeiten und als Pionier des Computerschachs. Aus diesen und weiteren Gründen gilt Botwinnik bis heute als einer der größten Weltmeister der Geschichte.
Nach Botwinnik ist ein Abspiel der Slawischen Verteidigung und ein System in der Englischen Eröffnung (1. c4 Sf6 2. g3 g6 3. Sc3 Lg7 4. Lg2 0–0 5. e4) benannt.

de.wikipedia.org/wiki/Michail_Moissejewitsch_Botwinnik
chess.com/de/players/mikhail-botvinnik#amateur

Vabanque, 2/6, 18. Aug '25

Vabanque - 18. Aug '25 Edited
In den 'Kommentierten Spielen' befinden sich 7 Weißpartien von Botwinnik (alle gewonnen!) und 5 Schwarzpartien (darunter nur 2 gewonnene, die anderen verloren).

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass einer der vielen Schüler Botwinniks ... heute den Namen Garri Kasparov trägt👍(zur damaligen Zeit hieß er nämlich Garri Weinstein)

aspire5, 3/6, 18. Aug '25

aspire5 - 18. Aug '25
1963 gründete Botwinnik zusammen mit anderen sowjetischen Trainern seine Schachschule. Die Botwinnik-Schachschule brachte die drei Weltmeister Anatoli Karpow, Garri Kasparow und Wladimir Kramnik hervor.

chess.com/de/players/mikhail-botvinnik

Vabanque, 4/6, 18. Aug '25

Vabanque - 18. Aug '25
Trotzdem ist Botwinnik nicht gerade ein beliebter Weltmeister. Es wird ihm vielfach trockenes Spiel vorgeworfen (m.E. zu Unrecht), und vor allem, dass er Stalinist gewesen sei (vermutlich war er eher Opportunist und konnte vom Stalin-Regime profitieren und dessen Repressalien geschickt vermeiden).
Es wird ihm auch vorgeworfen, dass er (genau wie Karpov, der auch nicht gerade der beliebteste Weltmeister ist) nicht dadurch auf den 'Thron' gelangt ist, indem er den vorherigen Weltmeister in einem Match besiegt hat.
Nun, das kann man aber weder Karpov noch Botwinnik vorwerfen. Im Fall Karpov trat Fischer nicht an (übrigens auch sehr zum Verdruss Karpovs, der dieses Match gerne gespielt hätte), und im Fall Botwinnik starb Aljechin, bevor ein Match organisiert werden konnte, woran zweifellos auch der 2. Weltkrieg schuld war. Schon in den späten 30ern, aber vor allem während Kriegszeiten (wo Schach verständlicherweise eine geringe Rolle spielte) hätte m.E. Botwinnik ziemlich gute Chancen gehabt, Aljechin in einem Match zu besiegen. (Sicher gilt Selbiges auch für Botwinniks damalige stärkste Rivalen, wie Reshevsky, Fine und Keres.)
Möglicherweise war Botwinnik ironischerweise in der Zeit, wo er wirklich der stärkste Spieler der Welt war (nämlich während des 2. Weltkrieges) NICHT Weltmeister, während er es sehr lange in einer Zeit war, wo er selbst nach eigener Aussage nur 'primus inter pares' (also der Erste unter Gleichen) war. Diese 'Gleichen' dürften neben den oben erwähnten noch Bronstein, Smyslov Tal und Petrosian gewesen sein.
Dass Keres gegen Botwinnik nie so recht Erfolg hatte, hat man häufig auf Verschwörungstheorien zurückgeführt, an die ich nicht so recht glauben kann. Wenn man sich nämlich die Partien Keres gegen Botwinnik anschaut, dann erkennt man, dass Keres mit Botwinniks Stil nicht zurecht kam, er 'lag' ihm einfach nicht, wie man so schön sagt. Keres (wie auch Bronstein) war quasi ein Aljechin ohne Killerinstinkt, beide waren viel zu nett, um wirklich Weltmeister zu werden.
Botwinnik war (wie später Kasparov) überhaupt nicht 'nett'. Er trainierte wahrscheinlich so hart wie keiner vor ihm. Er ließ sich in Trainingssitzungen Rauch ins Gesicht blasen (damals war das Rauchen im Turnierschach noch erlaubt) und das Radio auf volle Lautstärke stellen, um so mit Ablenkungen fertig zu werden. Was für eine eiserne, bewundernswerte Selbstdisziplin.

Vabanque, 6/6, 18. Aug '25

Vabanque - 18. Aug '25 Edited
Danke für die Links, ich habe die ersten paar mal kurz überflogen ... als Lehrer scheint Botwinnik ja wirklich allgemeine Anerkennung gefunden zu haben. Immerhin dies.

Auch wenn die Persönlichkeit eines Spielers sicher nicht ganz unberücksichtigt bleiben kann, letzten Endes sollten immer die Partien den Ausschlag für seine Beurteilung geben.
Und Botwinnik war äußerst kritisch auch in der Beurteilung seiner eigenen Partien, das darf ich noch positiv anmerken. In seinem eigenen Buch 'One hundred selected games' (ich kenne nur die engl. Ausgabe, den russ. Orig.-Titel kann ich hier mangels Russisch-Kenntnissen nicht wiedergeben), das ich ohne jegliches Wenn und Aber den '300 Schachpartien von Tarrasch' und den '60 memorable games' von Fischer an die Seite stellen würde, wirft er sich auch in seinen Gewinnpartien immer wieder selbst schwere Unterlassungssünden vor. Er war schon ein hartnäckiger Analytiker, und das lange, bevor ihm eine KI dabei hatte helfen können.