Chess

Vabanques Schachgedanquen (1): Restabbild und Opferschock

Vabanque, 1/9, 24. Jun '25

Vabanque - 24. Jun '25
Bevor sich jemand über den vermeintlichen 'Rechtschreibfehler' im Threadtitel auslässt: der ist volle Absicht!

Unter dieser Rubrik werde ich in loser und unregelmäßiger Folge alle schachlichen Inhalte bringen, die sich in meinen Augen nicht besonders gut für eine Aufgabe oder ein vollständig kommentiertes Spiel eignen, weil sie entweder zu kompliziert oder zu simpel oder zu fragmentarisch oder zu doof oder sonstwas sind😉

In der Regel werden es Partiestellungen oder Partiefragmente, Endspiele und vielleicht manchmal auch Eröffnungen sein, gelegentlich auch Anekdoten über (mehr oder weniger) bekannte Schachspieler, oder historische Informationen über Spieler bzw. Turniere.

Jetzt aber zur Sache:

In Folge 1 will ich mal das schachpsychologische Phänomen des 'Restabbilds' vorstellen.

'Seht' ihr denn in der Vorausberechnung (im Kopf!) nicht auch manchmal Figuren noch auf Feldern, auf denen sie gar nicht mehr stehen?

Mir geht es leider zu oft so, aber tröstlich ist doch, dass es auch GMs so geht.

Hier ein ganz drastisches Beispiel:

6k1/p6p/1p2rbp1/8/5P1P/P2R1P2/1PR1NK2/4r3 b - - 2 41

Darga-Lengyel, Interzonenturnier Amsterdam 1964

Schwarz spielte hier 1... T6xe2+ (??), und Weiß gab sofort auf, weil er glaubte, nach 2. Txe2 Lh4+ den Te2 zu verlieren (und somit mit einem Läufer in Rückstand zu bleiben).
Offenbar dachten beide (!) Spieler, dass Weiß auf das Läuferschach mit dem König nach g2 ausweichen müsste; sie hatten die Möglichkeit 3. Ke3!, wonach der K den T deckt (und Weiß eine Mehrqualität behält), völlig übersehen.

Wie war eine solche beiderseitige schachliche Halluzination möglich?

Nun, in der Diagrammstellung kann der wK das Feld e3 ja nicht betreten, da es vom Te8 beherrscht wird. Und genau das war das erwähnte 'Restabbild'. Die Spieler hatten nicht bemerkt, dass nach dem Opfer des Te6 auf e2 der Turm ja gar nicht mehr auf e6 stand, und somit das Feld e3 ja gar nicht mehr unter schwarzer Kontrolle war.

Ich möchte nicht wissen, wie sich Darga gefühlt hat, als er nach erfolgte Partieaufgabe bemerkte, was wirklich auf dem Brett 'los' war. Hätte er doch nur, statt schockiert von dem Opfer gleich aufzugeben (Opferschock ist ein weiteres häufiges schachpsychologisches Phänomen!), noch die Züge 2. Txe2 Lh4+ gemacht und danach noch einmal aufs Brett geguckt, dann hätte er sicher Ke3 gefunden und gewonnen. Und dann hätte sich der Ungar schlecht gefühlt😉

Nun sehr ihr sicher auch, warum dieses Beispiel ungeeignet für eine Schachaufgabe war.

Danque fürs Lesen!

Tschechov, 2/9, 24. Jun '25

Tschechov - 24. Jun '25
Schön, daß auch andere patzen.

Alapin2, 3/9, 24. Jun '25

Alapin2 - 24. Jun '25
Donque Vabanque 👍.

Vabanque, 4/9, 24. Jun '25

Vabanque - 24. Jun '25
>>Tschechov - vor 28 Min.
Schön, daß auch andere patzen.<<

Das war, so ganz grob verkürzt, auch die Message gewesen ... bloß dass diese 'anderen' halt 500-600 Elopunkte über mir sind (waren).

Hasenrat, 5/9, 24. Jun '25

Hasenrat - 24. Jun '25
👍
Vielversprechende neue Rubrik!

Vabanque, 6/9, 24. Jun '25

Vabanque - 24. Jun '25
>>Hasenrat - vor 12 Min.
👍
Vielversprechende neue Rubrik!<<

Danque, die wird auch fortgesetzt!

wodi, 7/9, 25. Jun '25

wodi - 25. Jun '25
werde ich gern verfolgen

graugruen, 8/9, 25. Jun '25

graugruen - 25. Jun '25
Sehr schön,
dieser schachpsychologische Edelstein, und tröstlich zudem.
Freue mich auf weitere Fundstücke !