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Aktuelles Sportstudio

Konstantin_3 - 07. Jan '24 Edited
Ein wunderbarer Bericht von Vincent und ein wirklich super Clip vom Magnus C.

Für alle die es noch nicht gesehen haben. Sehr charmant!

https://www.zdf.de/sport/das-aktuelle-sportstudio/schach-talk-..


Liebe Grüße
Oli1970 - 07. Jan '24
Danke für den Tipp, ein kurzweiliges Interview!
Warum hat beim ZDF keiner bemerkt, dass das vom Schachbrett übertragene Bild (im Hintergrund) gespiegelt ist? Sowas entwertet den Teil des Beitrags in meinen Augen - Leute die Schach nicht kennen, interessieren sich ohnehin weniger für diesen 17-Minuten-Beitrag. Die, die Schach spielen, werden vor den Kopf gestoßen. Vom Aktuellen Sportstudio sollte man mehr erwarten dürfen.
Das Grußwort von MC fand ich ziemlich emotionslos runtergeleiert, Vincent Keymer schaute auch nicht sonderlich berührt.
schach2018 - 07. Jan '24 Edited
Vielen Dank für das lange, schöne und interessante Interview vom ZDF.

Ich bin positiv überrascht über den Inhalt und die Länge des Interviews. In keiner Sekunde empfand ich es als langweilig.

Die Moderatorin stellte interessante, inhaltlich gute und kritische Fragen. Sie zeigte großen Respekt vor diesem Schachsport und machte auf ihre Art und Weise Werbung für diesen Sport.

Mir schien, als hätte Vincent eine kleine Fangruppe ins Studio mitgebracht. Die Stimmung im Publikum war entspannt, gut gelaunt und in einigen Momenten auch lustig.

Von Interviews kenne ich das von Magnus Carlsen, dass er bei Grußworten recht trocken und langweilig rüberkommt. Man konnte am Gesichtsausdruck von Vincent aber ablesen, dass er sich über die Worte von Magnus Carlsen gefreut hatte.

Ich würde diesen Bildhintergrund nicht überbewerten. Der Inhalt des Interviews, die Atmosphäre im Studio und die kleinen und interessanten Videoeinspielungen sind im Großen und Ganzen eine gelungene und runde Sache gewesen.
shaack - 07. Jan '24 Edited
Die meisten nicht Schachspieler haben von Vincent Keymer sicher noch nie etwas gehört. Daher finde ich es sehr wichtig, dass solche Beiträge im Mainsteam-Fernsehen laufen.

Er kommt äußerst sympathisch rüber. Was mir vor allem gefallen hat ist die wiederholte Aussage, dass das wichtigste der Spaß an der Sache ist.
schach2018 - 07. Jan '24
Ergänzung:

Der Beitrag vom ZDF und das Interview mit Vincent Keymer geben Außenstehenden einen kurzen und kleinen realistischen Einblick in den Beruf als Schachspieler, der viel Selbstdisziplin, Übung, Freude, Erfahrung, Kreativität und Talent voraussetzt, um an die Weltspitze gelangen und sich auch dort behaupten zu können.

Vincent wirkt in Interviews bodenständig, freundlich, ruhig, offen, entspannt, erfahrend, fokussiert, sachlich und fachlich kompetent. Er ist für den Nachwuchs das Aushängeschild des Deutschen Schachbundes.

Wie in allen männerdominierten Sportarten fehlt mir nur noch das weibliche Pendant dazu.
Hatte man GM Elisabeth Pähtz medial auch genauso viel Aufmerksamkeit geschenkt wie beim jüngsten, deutschen GM Vincent Keymer?
Vabanque - 07. Jan '24
Lustig fand ich, dass die Moderatorin mit 1. f2-f4 eröffnete und damit Vincent schon fast aus seinem Repertoire geworfen hätte😁
Vabanque - 07. Jan '24
>>Wie in allen männerdominierten Sportarten fehlt mir nur noch das weibliche Pendant dazu.
Hatte man GM Elisabeth Pähtz medial auch genauso viel Aufmerksamkeit geschenkt wie beim jüngsten, deutschen GM Vincent Keymer?<<

Nun, Keymer hat fast 300 Elopunkte mehr als Pähtz ...
aguirre - 07. Jan '24
ja und? Ist Elisabeth Päthz nicht trotdem die stärkste deutsche Schachspielerin ?
schach2018 - 07. Jan '24 Edited
Wenn ich mich recht entsinne, gibt es bei den Frauen in der Weltspitze eine andere Aufteilung der Elo-Wertung.

Es geht mir bei dieser Frage mehr um die mediale Würdigung ihrer beruflichen Leistung als weibliche deutsche Schachspielerin, sprich:

Erhielt Elisabeth Päthz im deutschen Schachverbund von den Funktionären und auch von der Presse im Funk- und Fernsehen 2002 als Jugendmeisterin, 2005 als Juniorenweltmeisterin und später 2022 als Großmeisterin genauso viel mediale Aufmerksamkeit?

Nachtrag -
Anders formuliert:
Wurde sie als Aushängeschild für den weiblichen Nachwuchs im Deutschen Schachverbund und in den öffentlichen Funk- und Fernsehanstalten medial genauso stark werbewirksam vermittelt wie bei Vincent?

Schließlich klagt man doch darüber, dass der Schachsport immer noch männerdominiert ist.
toby84 - 07. Jan '24
"Nun, Keymer hat fast 300 Elopunkte mehr als Pähtz ..."

und wie kommt es, dass die stärkste schachspielerin 300 dwz weniger hat als der stärkste spieler? in einer geschlechtergerechten welt wäre es sexistisch, die 300 dwz schwächere stärkste spielerin genauso hervorzuheben wie den besten mann, einfach nur weil sie eine frau ist. wir leben aber nicht in einer geschlechtergerechten welt.
aguirre - 07. Jan '24
stimmt genau! Am Ende hat Elisabeth Pähtz bisher sporltich viel mehr erreicht als Vincent Keymer mit seinen 300 Punkten mehr, was ist nur so schwer daran das anzuerkennen?
Vabanque - 07. Jan '24 Edited
>>und wie kommt es, dass die stärkste schachspielerin 300 dwz weniger hat als der stärkste spieler?<<

Mangelnde Mädchen- und Frauenförderung im Schach, mangelndes Interesse der Mädchen und Frauen an diesem Sport?

>>in einer geschlechtergerechten welt wäre es sexistisch, die 300 dwz schwächere stärkste spielerin genauso hervorzuheben wie den besten mann<<

Die Geschlechtertrennung im Schach ist sexistisch! Eigene Titel für Frauen mit geringeren Anforderungen als bei den gleichen Titeln für Männer bedeuten doch, dass man Frauen im Schach von vorneherein keine den Männern ebenbürtigen Leistungen zutraut. Kein Wunder, dass Judit Polgar von vorneherein nur an Männerturnieren interessiert war und Frauenturnieren keinerlei Wert zumaß.

Aber die Diskussion über Männer- und Frauenschach wurde schon so oft hier wie anderswo durchgekaut, dass ich sie gar nicht mehr hören kann.

Und streng genommen gehört sie ja auch gar nicht in diesen Thread, der Vincent Keymer gewidmet ist.

Keymer ist aktuell Nr. 12 der Weltrangliste, und er ist der Jüngste in diesem Top-Dutzend. Und dann noch so sympathisch, normal und bescheiden. Das ist schon großartig.
schach2018 - 07. Jan '24 Edited
Ich möchte eigentlich nur sagen, dass die Festhaltung an der Geschlechtertrennung im Sport, also auch im Schach, ein de facto vom (Männer geprägten) System erwünschtest Kriterium ist. (Welches Geschlecht sitzt denn überwiegend in den Vorständen?) Auf diese Weise legitimiert man m.E. die unterschiedliche Höhe der Siegprämien für Frauen und Männer.
Es hat nichts mit Fairness, Sportlichkeit und Gerechtigkeit zu tun, was der Sport an sich mündlich und schriftlich immerzu propagiert.

Im Interview berichtete Vincent Keymer, dass Indien viel mehr Gelder in den Schachsport investiert. Soviel ich weiß, ist Schach in Indien auch ein Unterrichtsfach für Mädchen und Jungen.
In Deutschland fließt das meiste Geld in den Fußball, was Tradition hat.
aguirre - 07. Jan '24
"Kein Wunder, dass Judit Polgar von vorneherein nur an Männerturnieren interessiert war und Frauenturnieren keinerlei Wert zumaß."

Finde es eher sexistisch sportliche Erfolge von Frauen abzuwerten weil sie gegen andere Frauen errungen wurden und nicht gegen Männer! Was soll der Quark?

Das würde bedeuten die Fussballerinnen der deutschen Nationalmannschaft sind in Wirklichkeit auch nicht erfolgreich und ihre Titel nichts wert weil sie diese nicht gegen Männermannschaften geholt haben?
Sorry aber das ist ..... darf ich hier leider nicht schreiben
Vabanque - 07. Jan '24
>>Soviel ich weiß, ist Schach in Indien auch ein Unterrichtsfach für Mädchen und Jungen.<<

Schach als Unterrichtsfach möchte man sich in jedem Land wünschen.

>>In Deutschland fließt das meiste Geld in den Fußball, was Tradition hat.<<

Hat Schach in Deutschland etwa keine Tradition? Lasker, Tarrasch, Unzicker, Pfleger, Hübner etc.
Vabanque - 07. Jan '24
In den meisten Sportarten (Bewegungs- und Kraftsportarten) ist die Trennung von Männern und Frauen durch körperliche Unterschiede bedingt und dadurch sicher größtenteils auch gerechtfertigt.

Aber welche körperlichen Unterschiede rechtfertigen im Schach eine solche Trennung? Die Begründung könnte ja in diesem Fall ja nur darin bestehen, dass das weibliche Gehirn für Schach schlechter geeignet wäre ... allerdings ist mir keine einzige Untersuchung bekannt, die so eine These stützen würde. Und die Frauen wären sicher die allerersten, die sich gegen solche Behauptungen wehren würden.

Deswegen halte ich die Trennung von Männern und Frauen im Schach schlicht für Diskriminierung - nämlich Diskriminierung der Frauenhirne bzw. der geistigen Fähigkeiten von Frauen.
Konstantin_3 - 08. Jan '24 Edited
@Oli1970 Scharfer Verstand und Adler Augen die du uns hier mit Bedacht zeigst

<<Warum hat beim ZDF keiner bemerkt, dass das vom Schachbrett übertragene Bild (im Hintergrund) gespiegelt ist? Sowas entwertet den Teil des Beitrags in meinen Augen - Leute das Schach nicht kennen, interessieren sich ohnehin weniger für diesen 17-Minuten-Beitrag.>>

Ich bin eigentlich nicht so streng...aber recht hast du, in der Kamera Technik Branche sollte das echt nicht passieren. Das ist so wie wenn ein F1 Fahrer beim Boxenstopp 3 Reifen bekommt und das vierte vergessen wird. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Hätte ich das jetzt nicht selber gesehen, ich hätte auf den Kameramann gesetzt :) Aber Fehler passieren halt.

Zum Beitrag
Natürlich haben Top Spieler eine kleine Inselbegabung nicht desto trotz repräsentieren mich diese Menschen, genauso wie andere egal ob Frau oder Mann.
Ich fand bis vor kurzem Vidit einfach spitze aber Vincent hat mich total überzeugt. Das letzte Jahr war einfach phänomenal.
Und auch jetzt im Interview - Er ist einfach sympathisch, möchte alles richtig machen, schwitz...zieht sogar die Figur zurück...ein Perfektionist aber Notation hätte er ja sagen können.
Empathie zeigen ist eine Emotion die Unterschiede aufweist, das gilt sowohl für Magnus wie auch bei Vincent gleichermaßen, das schmälert aber nicht mein Eindruck, dass die sich beide wirklich sehr gefreut haben eben auf ihrer Weise.

Zu den Comments
Judit Polgar war und ist eine Granaten - Frau aber Schach ist eben so intensiv und es gibt eben auch andere Dinge im Leben. Das hatte Sie ja ausführlich beschrieben und ich glaube die letzten Jahre, hat Sie einige Simultan Partien gespielt. Und ich gönne es Ihr.
Ich schaue mir sehr gerne Frauen Schach an, wenn ich die Möglichkeit dazu habe. Ganz ehrlich, mich stört die Elo Zahl überhaupt nicht aber das ist doch auch Person zu Person verschieden.

Allgemein würde ich mir eine Schachförderung in Schule auch wünschen nicht nur auf der Mittelschule und Hochschule. Ich kann mir eigentlich fast keine Frau zuhause wünschen die kein Schach spielt und wir haben deutlich zu wenig Frauen.

haha :-)
Vabanque - 08. Jan '24
>>Judit Polgar war und ist eine Granaten - Frau aber Schach ist eben so intensiv und es gibt eben auch andere Dinge im Leben.<<

Das könnte vielleicht tatsächlich einer der entscheidenden Punkte sein: Frauen sind vermutlich deutlich weniger als Männer bereit, ihre gesamte Lebenszeit dem Schach zu widmen und (fast) alle anderen Dinge außen vor zu lassen - was aber wohl nötig ist, um wirklich zur absoluten Weltspitze aufzusteigen und auch dort zu bleiben.
schach2018 - 08. Jan '24 Edited
Man kann ebenso die These aufstellen, dass Männer weniger bereit sind bzw. sein können, ihr traditionelles Rollenverhalten aufzugeben, da Männer bei gleicher Leistung in der Arbeitswelt finanziell besser gestellt sind.
Frauen sollen Kinder auf die Welt bringen, sie aufziehen, arbeiten, den Haushalt führen, ihren Mann versorgen etc. Wo ist da die Zeit für die Frau, ihre gesamte Lebenszeit dem Schach zu widmen?

Die wenigen Schachspielerinnen in der Weltspitze können diese Forderung nur erbringen, weil sie ein familiäres Umfeld haben, in dem der Mann sie ganz und gar unterstützt. Dies gilt auch für Spitzenpolitikerinnen, was Seltenheitswert hat.
Konstantin_3 - 08. Jan '24
Ja ich meine mich zu Erinnern, dass Sie das für sich so entschieden hat und das auch so gesagt hat. Dass eben für eine Frau auch andere Dinge im Leben wichtig sind.

Und das Frauen eine andere biologische Uhr haben kann man ja auch nicht unterschlagen.
Mir tut es immer sehr sehr leid wenn ich mitbekomme, dass sehr engagierte junge Frauen zwischen 24-28J. im Schach, dann mal kein Platz in der Bundesliga bekommen.
Das kotzt mich total an aber jede Mannschaft möchte gewinnen und dann zählt halt die Elo Zahl nun mal. Das zu akzeptieren kann vermutlich schmerzhaft sein da haben es die Männer gewiss einfacher, keine Frage.
schach2018 - 08. Jan '24 Edited
Es ist ein gesamtgesellschaftliches, politisches und strukturelles Problem.
Konstantin_3 - 08. Jan '24 Edited
@schach2018 so kann man das interpretieren und dazu bedarf es sicherlich mehrerer 17 min Interviews beim Sport Studio
* https://www.schachgefluester.de/judit-polgar-interview/

Meine erste Schachfigur habe ich tatsächlich in der 9 Klasse angefasst. Da ist ein russischer Schulfreund "Wendelin" einfach in die Schule gekommen, mit Schachbrett. Hat sich hingesetzt, die Figuren aufgebaut und dann gesagt "Ich bringe euch jetzt alle die Regeln bei" und hat dann gegen jeden Schach gespielt. So was prägt einfach ungemein. Wir schauten dann alle im Kreis zu, du hättest meinen können, die Weltmeisterschaft wird gerade gespielt. Die Lehrer waren erst total überfordert aber dann begeistert und wir durften immer zu Ende spielen. Das hat dann überhand genommen aber es war beeindruckend auch wie entsetzt er über uns war :-)
Beule - 08. Jan '24
Guten Morgen,

mir hat das Interview ebenfalls sehr gut gefallen. Nach der Niederlage von Magnus Carlsen im letzten Jahr in Baku war klar, das er die Partie aus 2019 in Karlsruhe in seinem Grußwort zitiert ...

https://www.dw.com/de/magnus-carlsen-siegt-gegen-nachwuchs-tal..

... und nicht die Verlustpartie aus 2023 im Worldcup. Sind doch auch alles nur Menschen ;-)

Gruß
Andi
toby84 - 08. Jan '24
"Die Geschlechtertrennung im Schach ist sexistisch! Eigene Titel für Frauen mit geringeren Anforderungen als bei den gleichen Titeln für Männer bedeuten doch, dass man Frauen im Schach von vorneherein keine den Männern ebenbürtigen Leistungen zutraut."

ja das stimmt, den frauen wird nicht viel zugetraut. allerdings sind die bedingungen für frauen auch weiterhin schlecht. im eigenen umfeld höre und lese ich immer mal wieder, wie frauen im schach sexistisch angegangen werden. in den schachclub einer guten freundin kommt jemand aus einem anderen club, um teilnehmer für ein von ihm ausgerichtetes turnier zu werben. sie möchte mitmachen, wird aber ausgeschlossen, da angeblich zu jung (was an sich schon ein unglaublich dämliches argument ist. sie ist älter als ich). und kurze zeit später wird ein jüngerer vereinskollege akzeptiert. das ist die realität, mit der frauen im schach sich herumschlagen müssen, und das ist kein einzelfall. und solange das so ist, haben frauen mit anderen bedingungen zu kämpfen als männer.
Vabanque - 08. Jan '24 Edited
Das kenne ich so überhaupt nicht, aber möglicherweise ist die Situation von Verein zu Verein ganz unterschiedlich (vielleicht sogar von Bundesland zu Bundesland oder von Schachbezirk zu Schachbezirk).
Altersbeschränkungen für Turniere gibt es natürlich (Obergrenzen für Jugendliche, Untergrenzen für Seniorenturniere), aber die müssen selbstverständlich vorher festgelegt sein und für alle gelten.
Und wer Teilnehmer für Turniere wirbt, sägt doch den Ast ab, auf den er sitzt, wenn er Teilnehmer(innen) ablehnt.
Insofern fragt man sich wirklich, ob man sich hier im falschen Film befindet.
Von diesem Einzelfall lässt sich aber nicht auf die gesamte Situation schließen. Wie schon gesagt, ich kenne so etwas nicht. Die (sehr wenigen) Frauen, die mir in Mannschaftskämpfen und Turnieren begegnet sind, wurden für meine Begriffe mit dem nötigen und eigentlich selbstverständlichen Respekt angesehen.
Vabanque - 08. Jan '24
>>im eigenen umfeld höre und lese ich immer mal wieder, wie frauen im schach sexistisch angegangen werden.<<

Dazu kann ich eigentlich nur ein einziges Erlebnis beitragen. In einem Mannschaftskampf (ich war damals noch Jugendlicher, und es war auch noch die Kreisklasse) verlor unser Brett1-Spieler gegen eine Frau (eigentlich noch ein junges Mädchen). Hinterher musste er sich dann anhören: 'Hast ihr wohl zu tief in die Augen geschaut?', worauf er konterte: 'Das ging gar nicht, sie hatte sooo dicke Brillengläser auf!' Um man das nun als sexistisch werten soll? Tendenziell ja, aber ich halte es noch für recht harmlos.
toby84 - 08. Jan '24
"Und wer Teilnehmer für Turniere wirbt, sägt doch den Ast ab, auf den er sitzt, wenn er Teilnehmer(innen) ablehnt."

ja das sollte man meinen. ist aber nicht so.

'Das ging gar nicht, sie hatte sooo dicke Brillengläser auf!'

das ist einfach nur beleidigend, egal über welche person man das sagt.
Vabanque - 08. Jan '24
Beleidigend? Es war objektiv korrekt.
Vabanque - 08. Jan '24
>>"Und wer Teilnehmer für Turniere wirbt, sägt doch den Ast ab, auf den er sitzt, wenn er Teilnehmer(innen) ablehnt."

ja das sollte man meinen. ist aber nicht so.<<

Aber ist es wirklich erstrebenswert, bei Turnieren mitzuspielen, die auf diese Weise gehandhabt werden?
schach2018 - 08. Jan '24
Vabanque
"Beleidigend? Es war objektiv korrekt."

Die Äußerung mag eine objektiv korrekte Beschreibung sein, doch die Betonung "soooo" ist eine Abwertung der Person. Man hat damit die Leistung der Schachspielerin nicht anerkannt und gewürdigt, vielmehr hat man sie herabgewürdigt.

Würde man diese Äußerung auch bei Männern machen, die auch dicke Brillengläser tragen, wenn man gegen sie verliert? Ich denke nicht.
Vabanque - 08. Jan '24
Das Beispiel hätte ich besser nicht bringen sollen, obwohl es genau so abgelaufen ist.

Mit 'tendenziell sexistisch' meinte ich eher den Vorwurf: 'Du hast ihr wohl zu tief in die Augen geschaut?'.
toby84 - 08. Jan '24 Edited
"Beleidigend? Es war objektiv korrekt."

es ist objektiv korrekt, dass die brillengläser so dick waren, dass es unmöglich war, durch die gläser ihre augen zu sehen? tut mir leid, aber das halte ich für schlichtweg unmöglich. und selbst wenn es so gewesen wäre: wenn ich sage, dass du nach brokkoli stinkst, ist das auch dann eine beleidigung, wenn es der wahrheit entspricht (realer vorwurf, selbst erlebt, übrigens gegenüber einer älteren frau, aber das ist in diesem fall vermutlich wirklich zufall und kein sexismus).
Vabanque - 08. Jan '24 Edited
Ach so, ja. Mit 'objektiv korrekt' meinte ich, dass ihre Brillengläser tatsächlich dick waren.

Aber wie dem auch sei, ob nun sexistisch oder beleidigend, die Bemerkung war zumindest doof, unpassend, unangemessen oder was auch noch immer.

Nur sollte man vielleicht etwas schnell Dahingesagtes nicht auf die Goldwaage legen, und vor allem: In diesem Fall war es nicht der Person selbst gegenüber geäußert. (Umso schlimmer, wird man mir dann wohl wieder entgegnen, denn dann kann sich die Person nicht dagegen wehren. Worauf ich antworte: Es ist oft besser, wenn man nicht alles erfährt, was über einen gesprochen wird, zumindest wenn es so substanzlos ist wie hier.)

>>wenn ich sage, dass du nach brokkoli stinkst, ist das auch dann eine beleidigung, wenn es der wahrheit entspricht<<

Nach Knoblauch kann man riechen, aber nach Brokkoli? Scheint mir ziemlich absurd.

Sind absurde Vorwürfe eine Beleidigung? Wenn sie als Beleidigung beabsichtigt sind, dann schon. Der Kontext, in dem diese Äußerung getan wurde, wäre hier halt wichtig.

Aber jetzt sind wir doch wieder ganz schön weit off-topic geraten.
schach2018 - 08. Jan '24 Edited
Vabanque
"Nur sollte man vielleicht etwas schnell dahingesagtes nicht auf die Goldwaage legen, (...)"

Generell stimme ich dir zu. Allerdings hängen die subjektive Wahrnehmung und Bewertung solcher Äußerungen immer davon ab, in welchem Kontext man sich bewegt.
Vabanque - 08. Jan '24
Siehe meine nachträgliche Ergänzung, da haben sich unsere Beiträge überschnitten.
schach2018 - 08. Jan '24 Edited
Ja, der Kontext ist: Ein Mann hat gegen eine Frau im Schach verloren. Er würdigt nicht ihre Leistung, vielmehr schmälert er sie mit einer Äußerung, die mit dem Schach überhaupt nichts zu tun hat.
Vabanque - 08. Jan '24
Ja, aber das läuft generell so ab, auch beim Verlust gegen einen Mann, nur bringt man dann andere 'Gründe'.
schach2018 - 08. Jan '24 Edited
Es gibt geschlechtsspezifische Unterschiede in der Bewertung der "Gründe" in einem von Männern geprägten und dominierenden System.

Weil es immer so abläuft, muss man solche diskriminierenden Äußerungen nicht dulden, oder?
toby84 - 08. Jan '24
"Aber ist es wirklich erstrebenswert, bei Turnieren mitzuspielen, die auf diese Weise gehandhabt werden?"

was ist die alternative? einfach weniger turniere spielen, um sexismus zu entgehen? was also wiederum bedeutet, dass den frauen weniger möglichkeiten geboten werden, ihr hobby oder ggf. gefühlte berufung genauso auszuüben wie männer? das ist nicht wirklich eine lösung. ich kann schon verstehen, dass frauen oft keine lust auf schach haben.
schach2018 - 08. Jan '24 Edited
toby84
"(...) was ist die alternative? einfach weniger turniere spielen, um sexismus zu entgehen? was also wiederum bedeutet, dass den frauen weniger möglichkeiten geboten werden, ihr hobby oder ggf. gefühlte berufung genauso auszuüben wie männer? das ist nicht wirklich eine lösung.ich kann schon verstehen, dass frauen oft keine lust auf schach haben."

Ja, es ist ein Armutszeugnis. Man legt den Frauen Steine in den Weg auf unterschiedlichste Weise.

Soll nicht die Leistung primär im Vordergrund stehen und nicht das Geschlecht oder andere diverse "Gründe"?
Vabanque - 08. Jan '24
Aus den geschilderten Beispielen lässt sich aber noch lange keine allgemeine Regel ableiten.
Wie schon gesagt, ich kenne es so gar nicht, meine Beobachtung ist vielmehr, dass Frauen und Mädchen schon von vorneherein viel weniger Interesse am Schach zeigen, also schon lange bevor sie in Schachvereinen oder bei Turnieren negative Erfahrungen machen konnten.
Das Problem setzt also schon vorher ein.
Schach gehört wohl tatsächlich zu den Sportarten mit dem weitaus geringsten Frauenanteil. Nur beim Sportfischen und beim Dart soll es noch weniger Frauen geben. (Ich weiß nicht, wie es bei Skat und Poker ist.)
Vabanque - 08. Jan '24
>>Soll nicht die Leistung primär im Vordergrund stehen<<

Sicherlich. Aber damit landen wir bloß wieder beim Ausgangspunkt. Denn die Leistung wird in harten Zahlen (DWZ/ELO) gemessen, und da landet die beste deutsche Frau 300 Punkte hinter dem besten deutschen Mann. (Weltweit sind es übrigens immerhin 200 Punkte, die You Hifan weniger hat als Magnus Carlsen.)
Konstantin_3 - 08. Jan '24 Edited
Ich habe mir jetzt über Weihnachten und Urlaubszeit Annas Cramlings Twitch Kanal gegönnt.

Turnier Ergebnis
* https://chess-results.com/tnr816243.aspx?lan=1&art=0&turdet=ye..

Ihre Mutter GM hatte die Spiele kommentiert - was besseres kann einem als Zuschauer nicht passieren!

Hier sieht Frau zu Frau einfach wie man auch am Schach Spaß haben kann. Diese Art für Schach Werbung zu machen und jungen Frauen zum Schachspiel zu animieren und zu begeistern ist immer mehr im kommen.
Das Internet füllt sich rasant auch im deutschsprachigem Sprachraum!

Hier sieht man die Freude zum 5 Platz - einfach herrlich
* https://www.youtube.com/watch?v=28nRy8GKcLw

Wie eingangs ja schon Shaack richtig gesagt hat, geht es großteils um den Spaß an der Sache was auch die Worte vom Winni gewesen sind um langfristige Erfolge zu zeigen.

Eventuell braucht es auch das digitale Zeitalter um Begeisterung zu transportieren.
Und insbesondere Frauen die es den Mädchen vermitteln.
Alapin2 - 08. Jan '24
Habe jetzt die o. a. Links nicht gelesen. Aber soviel :
ca. 1990,Open auf Mallorca. Pia Cramlings Brett immer von Kiebitzen umlagert. Teilweise Standing Ovations der Fans.Alle von ihrem Schach begeistert.
Sowas gab es auch.
aguirre - 08. Jan '24
Anna Cramling ist auch viel auf chess.com unterwegs, streamt dort auch viel, stimmt so wie sie es rüberbringt macht Schach Spass
Vabanque - 08. Jan '24 Edited
>>Eventuell braucht es auch das digitalen Zeitalter um Begeisterung zu transportieren.
Und insbesondere Frauen die es den Mädchen vermitteln.<<

Ob es das digitale Zeitalter braucht? Hm. Aber natürlich eröffnen sich heute zugegebenermaßen neue Möglichkeiten, Schach zu vermitteln, die es in meiner Jugend (80er Jahre) nicht gab. Damals hatten wir nur Bücher, Schachzeitschriften, Fernsehsendungen (spärlich) und das Spiel im Verein oder mit Gleichgesinnten, um unserem Hobby zu frönen und anderen Menschen Begeisterung für das Spiel zu vermitteln. Heute sind die Möglichkeiten viel zahlreicher. Aber dadurch existiert auch ein Überangebot, das noch viel schlimmer ist als früher, wo es ja auch schon eine Flut von Schachbüchern und -zeitschriften gab, die niemand auch nur annähernd durcharbeiten konnte.
toby84 - 09. Jan '24
"Aus den geschilderten Beispielen lässt sich aber noch lange keine allgemeine Regel ableiten.
Wie schon gesagt, ich kenne es so gar nicht"

würdest du es denn erfahren? pflegst du engen kontakt zu manchen schachspielerinnen, so dass du davon ausgehen kannst, dass sie dir das erzählen würden? wie gesagt ist es bei mir hauptsächlich eine sehr gute freundin, die mir von diesen vorfällen erzählt. ansonsten nur vereinzelt in einer vereins-whatsApp-gruppe, aber vermutlich wird da nicht jede frau von ihren erfahrungen mit sexueller diskriminierung erzählen.
Vabanque - 09. Jan '24
Sicher, über die Häufigkeit solcher Vorkommnisse kann man überhaupt nichts aussagen, als Außenstehender sowieso nicht, und auch die Betroffenen kennen jeweils nur ihren eigenen Fall.